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Die Krankenkasse KPT will die Gesundheitsdaten der Mitglieder in einer Datenbank sammeln. Ärzte und Patientenschützer kritisieren das Projekt.
Ihre Gesundheit online auf einen Blick. Für Sie selbst, Ihre Ärzte – und den Notfall.» Mit diesen Worten hat die Krankenkasse KPT in den letzten Wochen in Inseraten für ihre Internet-Gesundheitsakte Vitaclic geworben. Ab Anfang 2009 will die KPT ihren rund 338 000 Versicherten Vitaclic gratis zur Verfügung stellen.
In einer ersten Phase können die Versicherten in der Datenbank ihre Notfall- und Impfdaten ablegen. Die Kasse ergänzt den Account mit den Daten der bisher bezogenen Leistungen.
Nach den Vorstellungen der KPT sollen später die Krankengeschichten der Ärzte und Röntgenbilder der Patienten dazukommen. Entwickler und Betreiber von Vitaclic ist die Online Easy AG, eine Tochterfirma der KPT.
Risiko: Anderweitige Verwendung der Daten
Die KPT führt ihr Internet-Patientendossier ein, bevor der Bund genaue Richtlinien erlassen hat. Gemäss der «Strategie eHealth Schweiz» des Bundesrates sollen Krankengeschichten erst ab 2015 aufs Netz kommen.
Aus Sicht des Ärzteverbandes FMH zielt Vitaclic in die falsche Richtung. Daten der Versicherung und schützenswerte Gesundheitsdaten der Patienten sollten strikte getrennt werden, fordert die FMH. Die KPT erfülle diese Voraussetzung aber nicht. Ausserdem sei die Frage der Datensicherheit nicht befriedigend geklärt. «Mit Vitaclic ist das Risiko viel zu gross, dass Gesundheitsdaten zweckentfremdet werden. Was die Kasse nicht wissen muss, darf sie nicht wissen.»
Auch Margrit Kessler, Präsidentin der Schweizerischen Patientenorganisation SPO, steht Vitaclic sehr skeptisch gegenüber. Krankenkassen seien nicht der richtige Anbieter für Internet-Gesundheitsakten. Das gehöre in den Kompetenzbereich des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Und Bernhard Wegmüller, Direktor des Spitalverbandes H+, befürchtet, dass das Vorpreschen der KPT einen einheitlichen und sicheren Standard bei elektronischen Patientendossiers gefährde.
Gesundheitsdossier: Im Notfall ohne Nutzen
Die KPT möchte aber nicht zuwarten, bis das BAG 2015 den Startschuss für Online-Krankenakten gibt. Die KPT liefere zwar Daten, habe aber nie Einblick in das Gesundheitsdossier. Der Versicherte allein erhalte volle Einsicht in seine Akte und bestimme, was andere sehen dürfen. Der Zugang zum eigenen Dossier soll gleich abgesichert sein wie Internet-Bankgeschäfte.
Die SPO rät den Versicherten, sich vorläufig nicht bei Vitaclic anzumelden und auf die BAG-Lösung zu warten. Kessler bezweifelt ohnehin den Sinn von gespeicherten Notfalldaten. Denn: Was nützt eine Internet-Gesundheitsakte, wenn nur der Notfallpatient die Zugangscodes kennt, er aber nicht mehr ansprechbar ist? In einem solchen Fall ist der Notfallausweis im Portemonnaie nützlicher.
01. Dezember 2008 | Thomas Lattmann
