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Artikel | saldo 20/2008

Klingende Namen versprechen häufig zu viel

saldo hat rund 70 «K-Tipp»- und saldo-Tests der letzten zwei Jahre analysiert. Fazit: Eigenmarken der Grossverteiler sind oft besser als die Produkte von Multis wie Nestlé oder L’Oréal.

Der Rasierschaum von Denner erhielt die Note «sehr gut», während beide Markenprodukte von Gillette aus dem Hause Procter & Gamble ungenügend abschnitten, da sie heikle Substanzen enthielten. Dasselbe beim Mineralwasser: Für die Denner-Eigenmarke gab es ein «gut», für San Pellegrino von Nestlé wegen hoher Uranwerte ein «ungenügend».

Auch im Vergleich zu Coop war Nestlé der Verlierer: Das Vanillejoghurt LC 1 enthielt zu viel chemisches Vanillin, das Coop-Biojoghurt jedoch wies vorwiegend natürliche Vanille auf. Der Coop-Deo-Roller Tonga liess den Rexona-Deo von Unilever hinter sich.


Markenprodukte sind oft nicht nur schlechter, sondern auch teurer

Dermo-Expertise Nutrissime von L’Oréal hat im Nachtcreme-Test als einziges Produkt eine schlechte Note erhalten. Grund: Zu viel und nicht deklariertes Formaldehyd. Jana Face Nachtcreme von Migros hingegen glänzte mit einem «sehr gut». Auch beim Ketch-up-Test schnitt Migros mit Del Monte gut ab. Ganz anders das berühmte, aber überzuckerte Heinz-Ketchup.

Die Eigenprodukte der Detailhändler waren nicht nur besser, sondern durchwegs günstiger als die internationalen Markenprodukte. Die Billiglinien M-Budget bei der Ernährung und das Körperpflege-Sortiment von Prix Garantie zeigen, dass gute Qualität günstig zu haben ist. Wer mit Tahiti Lait de coco von Palmolive duscht, muss sechsmal mehr bezahlen als für das Prix-Garantie-Showergel und ist erst noch problematischen Stoffen ausgesetzt.

Wer schimmelfreien Sugo zubereiten möchte, kann unbeschwert zu M-Budgets geschälten Tomaten greifen. Das viermal teurere Produkt Parma Doro von Hero lässt er besser im Regal stehen.

Günstige und gute Körperpflegeprodukte gibts bei Aldi: Der Discounter besticht durch hervorragend benotete Körperpflegeprodukte wie Rasierschaum, Gesichtscremes, Badezusatz und Duschmittel. Bei Aldi-Lebensmitteln ist das Resultat der Tests durchzogen: Sie schnitten entweder gut oder gleich ungenügend ab. Dosen-Tomaten, Dosen-Thunfisch und Ketchup belegten die vorderen Ränge, während Rohschinken, Fertigsalat und Vanille-Joghurt weit hinten klassiert waren.

Das Edel-Warenhaus Globus fällt in den saldo- und «K-Tipp»-Tests regelmässig durch höhere Preise auf – dies bei unterschiedlicher Qualität. Negativ aufgefallen ist der hauseigene Balsamico-Essig: Er fiel im Vergleich mit günstigeren Konkurrenzprodukten deutlich ab.


Nestlé mischt viel künstliches Vanillin in Glacen und Joghurts

Auch in der Rauchlachs-Stichprobe in dieser saldo-Ausgabe belegt Globus mit dem teuersten Fisch den letzten Platz (siehe diesen Artikel). Die Migros-Tochter Globus lassen solche Resultate nicht kalt. «Unser internes Qualitätsmanagement sichtet solche Tests und ergreift, wenn nötig, Massnahmen», erklärt Sprecher Jürg Welti.

Ebenfalls ungenügend schnitt das im Globus gekaufte Mineralwasser San Pellegrino von Nestlé ab. Der Westschweizer Food-Gigant fällt generell nicht mit guter Qualität auf, wie die saldo-Analyse zeigt. Viel Geld steckte Nestlé in die Werbekampagne für das Joghurt LC 1, dafür sparte der Konzern bei der natürlichen Vanille. Ein Vanille-Problem hat auch die Nestlé-Tochter Frisco: Der Glacestängel Mini Kim und das Vanille-Cornet enthielten übermässig viel chemisches Vanillin.

Die grosse Ausnahme im Nestlé-Rating war der Vanille-Glaceblock von Frisco mit einer guten Note. Nestlé zeigt sich vom schlechten Gesamtresultat nicht beeindruckt. Sprecher Philippe Oertlé beruft sich auf interne Tests: «Wir bieten den Konsumenten Produkte an, die ihren Erwartungen entsprechen.»


Produkte für die Körperpflege: Nivea mit vielen guten Noten

Beinahe doppelt so viele «ungenügend» wie «gut» erhielt der US-Multi Procter & Gamble. Zehn Produkte schnitten schlecht ab, sechs davon waren Wella-Haarfärbemittel. Gute Noten gab es für Pampers, Tampax, Charmin-WC-Papier und Oral-B-Zahnbürsten. Auf die Resultate der Analyse angesprochen, reagiert Michael Jordan von Procter & Gamble gereizt. «Leider wird die hohe Sicherheit unserer Markenprodukte oft nicht ausgewogen und für die Verbraucherinformation ungeeignet wiedergegeben.»

Der saldo-Gewinner unter den Beauty-Multis ist die Nivea-Mutter Beiersdorf mit elf «gut», einem «genügend» und drei «ungenügend». Gut fährt auch, wer auf Naturprodukte setzt: Weleda und Bodyshop schnitten durchwegs gut ab.

Ein besseres Gesamtresultat hätte der Pariser Kosmetikriese L’Oréal, würde er seine Haarfärbemittel nicht mit bedenklichen Chemikalien anreichern. So aber wird er zum grossen Verlierer der saldo-Analyse. Sorgenfalten verursacht L’Oréal neben den Färbungen auch mit Selbstbräunern, Männer-Gesichtslotions und Nachtcremes von L’Oréal, Garnier und Biotherm. L’Oréal-Sprecherin Danielle Bryner verweist auf die strenge interne Qualitätssicherung. «L’Oréal-Produkte erfüllen und übertreffen die gesetzlichen Vorschriften in den Ländern, in denen sie vertrieben werden.»


Detaillisten üben mit der Sortimentwahl Druck auf Multis aus

Die Multis sehen sich zum Handeln gezwungen, wenn die Grossverteiler sie mit schlechten Testergebnissen konfrontieren. So die Schweizer Detailhändler gegenüber saldo. Denner-Sprecherin Anita Daeppen: «Wir beziehen Artikel in grossen Mengen und haben deshalb einen grossen Einfluss auf die Hersteller.» Zurückhaltender äussert sich Coop-Sprecher Karl Weisskopf. Die Markenhersteller würden oft selbst über Änderungen entscheiden. «Wir können aber indirekt über die Gestaltung unseres Sortiments Einfluss nehmen.» Und Migros-Sprecherin Monika Weibel sagt: «Die Markenproduzenten lassen mit sich sprechen, wenn ihre Produkte schlecht abschneiden.»

Globus rügt laut Welti die Mängel gegenüber den Produzenten, wenn Produkte gegen geltendes Recht verstossen. Meist würden die Markenhersteller Mängel rasch beheben. «Findet man keine Lösung, wird das Produkt vorübergehend oder endgültig aus dem Markt entfernt.»

01. Dezember 2008 | Petra Stöhr, Sabine Rindlisbacher


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Coop-Kunden sollen nicht mehr erfahren, aus welchem Land Importprodukte kommen. «Hergestellt in der EU» genüge. Was halten Sie davon?
Das Herkunftsland muss weiterhin deklariert werden.
Nur das Herkunftsland reicht nicht. Es sollte noch viel detaillierter deklariert werden.
Kein Problem. Ich achte sowieso nicht drauf.
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