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Artikel | Haus & Garten 04/2008

Nährstoffe im richtigen Verhältnis

Der Gartenboden will gut genährt sein. Doch wer ihn übermässig düngt, schadet Pflanzen und Umwelt. Eine Laboranalyse der Erde hilft, die richtige Dosierung zu wählen – und zwar noch bevor die Gartensaison beginnt.

Gärten sind häufig überdüngt, insbesondere mit Phosphor. Denn wer neben Kompost regelmässig Mist verwendet und allenfalls zusätzlich einen Volldünger streut, bringt bald ein Übermass dieses Nährstoffs in den Boden.

Was die Pflanzen nicht brauchen, reichert sich im Boden an, kann durch Regen ausgewaschen werden und Gewässer belasten. Zudem entsteht ein Nährstoff-Ungleichgewicht, das sich auf das Pflanzenwachstum negativ auswirken kann.

Eine Bodenanalyse bringt solche und andere ungünstigen Verhältnisse an den Tag und zeigt auf, wie man den Garten künftig am sinn-vollsten düngt. Eine genaue Un-tersuchung empfiehlt sich alle paar Jahre, ebenso bei einem neuen Garten und bei Kulturproblemen.

Am besten lässt sich ausserhalb der Kulturzeit messen, wie gut versorgt der Boden mit Nährstoffen ist – also bereits im Winter. Für die Analyse schickt man Erdproben aus dem Gemüse-, Zier- oder Obstgarten gesondert in ein Labor (siehe unten). Dazu entnimmt man an verschiedenen Stellen eines Problem-Beets oder einer Gartenfläche etwas Erde. Bei den Labors, die Analysen anbieten, sind detaillierte Anleitungen erhältlich.


Nicht alle Labors untersuchen dasselbe

Die verschiedenen Anbieter von Bodenanalysen beurteilen in der Regel den Bodentyp, schätzen den Humusgehalt und messen den pH-Wert sowie den Gehalt an Phosphor, Kali und Magnesium. Die Labors setzen dabei ganz unterschiedliche Akzente. So finden es die einen vordringlich zu wissen, wie viel wasserlösliche Nährstoffe im Boden stecken; denn diese Werte zeigen an, was den Pflanzen direkt zur Verfügung steht. Andere setzen die Priorität auf die weniger gut verfügbaren Vorräte im Boden. Denn auch die Reserven stehen den Pflanzen bei guter Bodenpflege zur Verfügung. Berücksichtigt man diese Reserven bei den Düngeempfehlungen nicht, können sich die Nährstoffe weiter anreichern.


Ausführliche Analysen sind auch eine Kostenfrage

Für ein abschliessendes Urteil müsste man eigentlich beide Analysearten kombinieren. Reto Rutishauser von Thurlab findet, nur so liessen sich korrekte Schlüsse ziehen. So empfehle man beispielsweise, statt Kompost einen leicht löslichen Phosphordünger einzusetzen, wenn der Boden (zu) viel Phosphor enthalte, dieser aber für die Pflanzen schlecht verfügbar sei.

Aus Kostengründen bietet die Mehrheit der Labors reduzierte Messprogramme an. Die Hauert HBG Dünger AG beispielsweise setzt auf die leicht verfügbaren Stoffe. «Für die Düngeberatung ist eine alleinige Abstützung auf die Reserven nicht angebracht», begründet Hans Peter Wegmüller von Hauert. Josef Poffet von Jardin Suisse hält dem entgegen: «Für den Hausgarten macht man nicht jedes Jahr eine Analyse, um den aktuellen Düngerbedarf zu ermitteln, sondern man will wissen, ob man auf gutem Weg ist.» Kontrovers ist ferner, ob sich der Stickstoffgehalt im Labor genügend genau messen lässt. Deshalb bieten nur Einzelne dies an. Poffet hält die Messung für nützlich, weil sie zumindest grob zeige, ob der Boden unter- oder überversorgt ist.


Wie Viel DüNGER? Die EMPFEHLUNGEN sind Unterschiedlich

Bei ihren Empfehlungen geben die Labors an, um wie viel die Düngung gegenüber der Norm verändert werden soll. Auffällig ist: Auch wo mehr als genügend Nährstoffe vorhanden sind, wird nicht empfohlen, ganz auf das Düngen zu verzichten. «Man geht auf Nummer sicher», sagt Monika Keller vom Labor Ins.

«Ein Landwirtschaftsbetrieb kann das Risiko nicht eingehen, eine Kultur zu wenig zu versorgen.» Die auf Gärten spezialisierten Anbieter Hauert und Jardin Suisse halten es genauso, obwohl Hobbygärtnerinnen und -gärtnern ein Experiment eher zumutbar wäre, um die Überschüsse zu reduzieren. Immerhin hat die Firma Hauert auf phosphor-überdüngte Gärten grundsätzlich reagiert, indem sie Dünger mit wenig oder keinem Phosphor anbietet.

Ausserdem empfiehlt Hauert-Mitarbeiter Wegmüller reduzierte Düngergaben, wo Kompost und Mist eingesetzt werden. So wirke man der Anreicherung des Bodens entgegen, ohne die Vorräte messen zu müssen, erklärt Wegmüller.

Die umfassendste Analyse bietet Bioterra an, gestützt auf ein deutsches Labor. Dieses Angebot eignet sich speziell für Bio-gärtner. Denn es berücksichtigt den Grundsatz des Bioanbaus, Nährstoffprobleme nicht einfach mit Düngergaben zu lösen, sondern die Bodenfruchtbarkeit zu fördern und dadurch Nährstoffvorräte für die Pflanzen zu mobilisieren.

Entsprechend beschränken sich die Erläuterungen nicht auf Düngeempfehlungen. Sie beleuchten verschiedenste Aspekte des Biotops Boden und erwähnen die wichtigsten für den Boden förderlichen Massnahmen. Beispielsweise werden Bodenverdichtung, mangelnde biologische Aktivität und die positive Wirkung von Gründüngungen thematisiert.

Am einfachsten ist es, wenn die Labors gleich Düngervorschläge machen, wie das bei lbu, Hauert und Jardin Suisse der Fall ist. Bei allen im pdf-Artikel.

24. November 2008 | Beatrix Mühlethaler


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