Artikel | Haus & Garten 04/2008
Wo sich Kinder wohl und sicher fühlen
Gute Kindermöbel sind robust, praktisch, zeitlos – und «wachsen» mit den Kindern mit. Haus & Garten sagt, auf welche Punkte man bei der Einrichtung achten sollte.
Kleine Kinder brauchen meist noch gar kein eigenes Zimmer. «Bis zu einem Alter von etwa vier Jahren spielen Kinder vor allem dort, wo sich die Betreuungsperson aufhält. Deshalb müssen grosse Teile der Wohnung auf Kindersicherheit ausgerichtet sein», sagt Helene Leuenberger Fankhauser von der schweizerischen Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU). Erst ab dem Kindergartenalter bräuchten Kinder einen Ort, wo sie sich ungestört zurückziehen könnten.
Die meisten Eltern können das bestätigen: Das Kinderzimmer wird von Kleinkindern wenig benutzt, meist ist eine Ecke im Wohnzimmer oder in der Küche von Spielsachen und allerlei anderen «notwendigen» Dingen belegt.
Richtet man ein Kinderzimmer ein, sollten folgende Punkte beachtet werden:
Stabilität: Wer Kindermöbel kauft, sollte vor allem auf Stabilität und Sicherheit achten, Modegags sind Kindern egal. Sie legen in der Regel wenig Wert auf schickes Design, auch wenn das die Werbung suggeriert. Schlichtes und eher zeitloses Mobiliar regt die Fantasie und Kreativität der Kinder an. Das ist wichtig für die Entwicklung des Vorstellungsvermögens der Kinder, sagen Psychologen. Eltern, die viel Geld ausgeben wollen, geraten zudem leicht in Gefahr, das Zimmer zu «überstylen».
- Sicherheitsnorm: «Grundsätzlich spart man mit robusten Möbeln in zeitlosem Design langfristig Geld, auch wenn die Anschaffungskosten anfänglich höher sind», sagt Möbelbauer Erich Dünnenberger von MED-Mobilnatura. Praktisch seien Möbel aus Massivholz, an denen man vom Baby- bis ins Jugendalter Freude hat. Beispiele: ein Wickeltisch, der später ein höhenverstellbares Pult wird, oder ein Kinderbett, aus dem später ein Sofa wird. «Ersatzteile und Erweiterungen sollten noch nach Jahren beim Hersteller bezogen werden können», rät Dünnenberger. Sinnvoll sei es, auf Sicherheitsnormen oder Labels zu achten, wie die EN 747.
- Stauraum: In ein praktisch eingerichtetes Kinderzimmer gehört neben einem Bett mit stabilem Lattenrost, das mit der Längsseite an der Wand stehen sollte, ein Schrank mit einer guten Einteilung. Meist kommt auch ein mehr oder weniger hohes Regal ins Zimmer. Regale sollte man stets an der Wand verankern, denn auch Krabbelkinder können sich daran hochziehen und diese zum Kippen bringen. Truhen und andere Klappmöbel sind praktisch als Stauraum, sie sollten aber mit einer Klappsicherung versehen werden.
- Schreibtisch: Steht die Anschaffung eines Schreibtisches an, sollte man ein Modell wählen, das in der Höhe verstellbar und mit einer Arbeitsplatte versehen ist, die sich leicht schräg stellen lässt. Dazu gehört ein verstellbarer Kinderschreibtischstuhl.
- Betten: In der Regel steht das Kinderbett als Erstes auf der Wunschliste der Eltern. Sinnvoll sind Modelle, die quasi mit den Kindern wachsen. Durch den Austausch der Seitenteile lassen sich viele Kinderbetten später in Juniorbetten umwandeln. Empfehlenswert ist auch ein dreifach höhenverstellbarer Lattenrost. Schlupfsprossen sind anfangs durchaus praktisch, damit das Kleinkind selber das Bettchen verlassen kann. Der Durchschlupf sollte dann aber mindestens 20 Zentimeter breit sein.
Kajüten- und Hochbetten sind platzsparend, können aber eine Gefahr darstellen (siehe unten). Helene Leuenberger Fankhauser von der BfU rät darum, Kinder erst ab einem Alter von etwa sechs Jahren in einem Hochbett schlafen zu lassen. Allerdings spielen und toben viele Kinder auch in luftiger Höhe. Dann sollte man zur Sicherheit ein Geländer von mindestens 70 Zentimetern Höhe am Bett anbringen. Ebenso ist der Kauf einer Rutsche oder senkrechten Leiter für ein Hochbett erst ab einem Alter von sechs Jahren empfehlenswert.
- Ausdunsten: Eltern sollten darauf achten, schadstofffreie oder wenigstens schadstoffarme Möbel zu kaufen. Kindermöbel aus unbehandeltem Massivholz sind mit Schadstoffen wie Formaldehyd in der Regel nicht oder wesentlich weniger belastet als beschichtete oder furnierte Produkte. Voraussetzung ist aber, dass das Möbelstück nicht mit einem Lack gestrichen wurde, der Formaldehyd abgibt. Möbelbauer Erich Dünnenberger: «Produkte, die mit säurehärtenden Lacken behandelt wurden, sollte man nicht kaufen. Von Vorteil sind Zwei-Komponenten-Lacke, wie sie auch in der Holzspielzeug-Produktion Anwendung finden und dort die EN 71 erfüllen.»
Empfehlenswert ist, nach dem Kauf die Möbel einige Tage lang ausdunsten zu lassen, damit Lösungsmittelreste aus der Produktion verdampfen können. Dies gilt auch für Oberflächenveredelungen im Natur-, Wachs- oder Ölbereich. Sollten Kindermöbel stark riechen, sollte man diese nicht kaufen oder sie wieder zurückbringen.
Tipps für ein sicheres Zuhause
- Beim Kauf generell auf abgerundete Kanten und Ecken achten.
- Prüfen, ob es an den Möbeln Stellen gibt, an denen sich die Kinder die Finger quetschen können.
- Sind Schubladen leicht zu öffnen und können sie herausfallen?
- Kabel von Elektrogeräten stets entlang den Rändern der Zimmer verlegen.
- Installation von Sicherheitssteckdosen und Steckdosenleiste mit Kinderschutz oder ein Wandföhn im Bad sind sinnvoll.
- Fenstersicherungen wie einfache Ketten, Schloss und ein Spaltlüfter anbringen.
Links
Weitere Checklisten und Broschüren findet man im Internet unter www.bfu.ch > Home > Haus und Freizeit > Themen > Kinder zu Hause oder telefonisch bestellen unter 031 390 22 22.
Sichere Produkte inklusive Listen mit Bezugsquellen und Preisen findet man ebenfalls unter
www.bfu.ch > Home > Sichere Produkte > Produkte für Kinder.
Auf der Internetseite der deutschen Bundesarbeitsgemeinschaft «Mehr Sicherheit für Kinder e.V. – Dachverband für die Verhütung von Kinderunfällen» findet man diverse Broschüren und Faltblätter mit Tipps zur Kindersicherheit im Haus:
www.kindersicherheit.de > Medien > Download.
Die Stiftung Warentest testete im Jahr 2006 14 Schülerschreibtische, die teils auch in der Schweiz erhältlich sind. Test-Note «gut» gab es für den Schreibtisch Hülsta Xpert C1 (ca. Fr. 900.–) sowie die Modelle Booster und Ovato von Moll (Fr. 800.–/1200.–).
www.test.de > Themen > Kinder-Familie > Test.
23. November 2008 | Lioba Schneemann
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