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Deutsche Wissenschafter haben die Zukunftsperspektiven von Europas Regionen untersucht. Die Schweiz schneidet überdurchschnittlich gut ab.
Informatives Nachschlagewerk zur Zukunft Europas
Europa verändert sich: Der Altersdurchschnitt der einheimischen Bevölkerung steigt in den meisten Ländern, die Geburtenrate sinkt. Und immer mehr Menschen verlassen ihre Heimat, weil sie andernorts auf ein besseres Leben hoffen.
Ein Team von deutschen Wissenschaftern untersuchte diesen demografischen Wandel in 285 europäischen Regionen – von Asturien bis Makedonien, von Sizilien bis zur Zentralschweiz. Und sie stellten für alle Regionen Prognosen bis 2030 an: Wie gut sind die Nationen für den demografischen Wandel gerüstet, wo liegen die Stärken und Schwächen? Berücksichtigt haben die Forscher neben demografischen Faktoren auch Daten zur Wirtschaft, zum Arbeitsmarkt, zur Bildung, Gesundheit und zum Klima.
Die Bewertung mündet in eine Rangliste. Alle Schweizer Regionen schneiden dabei überdurchschnittlich gut ab. Doch die Rangierung ist heikel: Die Forscher sprechen etwa Island die weitaus besten Zukunftsperspektiven zu – angesichts der jüngsten Verwerfungen am Finanzmarkt ein gewagtes Resultat. Co-Autor Steffen Kröhnert gesteht: «Die Finanzkrise haben auch wir nicht vorhergesehen.» Alle anderen positiven Faktoren – von der Familienfreundlichkeit bis zum hohen Bildungsstand – blieben dem Inselstaat aber erhalten.
Das Buch ist eine statistische Fundgrube und detaillierte Ergänzung zu Nachschlagewerken wie dem «Fischer Weltalmanach». Man erfährt darin, dass Italien europaweit am stärksten altert. Oder in Frankreich der Frauenanteil im Parlament am tiefsten liegt. Und dass die Isländer am längsten erwerbstätig sind. Karten und Grafiken bereiten die Daten sehr leserfreundlich auf. Dieses Buch ist unentbehrlich für alle politisch und ökonomisch Interessierten.
Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, «Die demografische Zukunft von Europa. Wie sich die Regionen verändern», Deutscher Taschenbuch Verlag, ca. Fr. 34.–
Kurioses aus der Welt der Wirtschaft
«Warum steht in Mövenpick ein V statt einem W?», fragen die Schweizer Journalisten Eric Baumann und Stefan Eiselin. Und geben selbst die Antwort: Als der Gastronom Ueli Prager 1948 in Zürich das erste Restaurant seiner Kette eröffnete, wollte er deutlich machen, dass eilige Stadtmenschen in seinem Lokal schnell etwas essen können. Dazu illustrierte er den Slogan «wie im Flug zum Aufpicken» mit den zwei Flügeln einer fliegenden Möwe, was sich grafisch mit einem v besser umsetzen liess. Ähnlich wie diese beleuchten die meisten der 150 Fragen und Antworten, die im «Tages-Anzeiger» als Kolumnen erscheinen, Alltägliches und Kurioses aus der Wirtschaftswelt. Das Buch ist unterhaltsam und eignet sich ideal zum Schmökern.
Eric Baumann und Stefan Eiselin, «Wie kam die Glace auf das Stängeli?», Cosmos Verlag, ca. Fr. 34.–
Als Laie erfolgreich investieren
In der Finanzkrise sehen viele private Anleger ihre Ersparnisse schmelzen, weil sie sich von ihrer Hausbank beraten liessen. Für den emeritierten Wirtschaftsprofessor Walter Wittmann steht fest, dass Banken primär eigene Interessen verfolgen und jene Produkte empfehlen, an denen sie am meisten verdienen. In seinem neuen Buch rät er daher kleinen und mittleren Privatanlegern, sich von den Beratern zu emanzipieren. Der Autor gibt Tipps, wo man sich unabhängige Finanzinfos holt, etwa in der Fachpresse oder in Börsenbriefen. Zudem schlägt er eine konservative Anlagestrategie mit Immobilien und erstklassigen Staatsanleihen vor. Die Finger lassen sollten Laien von Derivaten und Hedge-Fonds.
Walter Wittmann, «Wie man erfolgreich investiert. 10 goldene Regeln für private Anleger», Orell Füssli, ca. Fr. 40.–
Der Informationsflut die Stirn bieten
Der schwedische Originaltitel dieses Buches heisst treffend «Das überschwemmte Gehirn»: Laufend prasseln neue Impulse auf uns ein. Störungen belästigen einen im Büro alle drei Minuten. Wer am Computer arbeitet, hat im Schnitt acht Fenster gleichzeitig geöffnet.
Konzentrationsschwächen sind da das Normalste der Welt, beruhigt der Hirnforscher Torkel Klingberg alle Selbstzweifler. Jeder fünfte US-Student greift vor Prüfungen zu konzentrationssteigernden Präparaten. Klingberg rät jedoch gemäss Ergebnissen der Hirnforschung zu mehr Gelassenheit und zu «mentalem Muskeltraining» des Arbeitsgedächtnisses – etwa durch Lesen, Schach, Tanzen, Musizieren oder Computerspiele.
Torkel Klingberg, «Multitasking. Wie man die Informationsflut bewältigt ohne den Verstand zu verlieren», C. H. Beck, ca. Fr. 33.50
17. November 2008 | fis, ask, thl, eb
