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Beim Online-Labor Self-Testing.ch kann sich jeder ohne Arzt auf schwere Krankheiten untersuchen lassen. Mediziner halten diese Tests für heikel.
«Lassen sie Magen-, Darm- und Gebärmutterhalskrebs keine Chance.» Mit diesem Slogan wirbt die Firma Self-Testing.ch aus Kreuzlingen TG auf ihrer Internetseite. Bei ihr kann sich jeder ohne ärztliches Rezept auf schwere Krankheiten untersuchen lassen, etwa auf Krebs, Diabetes oder Geschlechtskrankheiten. Eine Online-Bestellung und die Bezahlung per Kreditkarte genügen und das Testset für die Blut-, Urin- oder Stuhlprobe liegt ein paar Tage später im Briefkasten. Self-Testing-Geschäftsführer Thomas Krech behauptet, mit seinem Service Personen zu erreichen, «die sonst keinen Arzt aufsuchen».
Patienten laufen Gefahr, die Testresultate falsch zu interpretieren
Ein Test kostet rund 50 Franken. Die selbst entnommene Probe wird in den gelieferten und bereits vorfrankierten Versandbeutel gesteckt und im nächsten Briefkasten eingeworfen. Einige Tage später ist das Ergebnis unter www.self-testing.ch über ein persönliches Passwort abrufbar.
Fachleute raten davon ab, auf Self-Testing.ch zu setzen. Für den Zürcher Hausarzt Thomas Walser schüren «solche vom Patienten selbst ausgeführte Tests oft vergeblich viel Angst». Nur ein Arzt könne abschätzen, welche Tests für einen Patienten sinnvoll sein könnten.
Auch die Krebsliga kritisiert die Schnelltests zur Krebsvorsorge. Sprecherin Karin Huwiler fordert, dass Patienten «vor jedem Test ihre gesundheitliche Situation und mögliche Resultate mit einer Fachperson diskutieren sollten». Zudem könne es vorkommen, dass Patienten eine fehlerhafte Probe einschickten oder das Resultat falsch interpretierten. Gerade die angebotenen Krebstests sind umstritten. So gilt der Test zur Darmkrebsvorsorge in vielen Studien als unzuverlässig und gibt nur bereits bestehende Tumore an – und somit eine fortgeschrittene Krebskrankheit. Zuverlässige Vorsorge liefert laut Experten nur eine Darmspiegelung.
Osteoporose-Test: Wichtige Risikofaktoren nicht berücksichtigt
Ähnliches gilt für den Test gegen Magenkrebs. Er weist das Bakterium Helicobacter pylori nach. Doch neben dem Bakterium spielen Ernährungsgewohnheiten, frühere Krankheiten und die Vererbung eine Rolle.
Der HPV-Test sucht im Urin nach Papillomaviren, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Self-Testing.ch bietet ihn an, erwähnt aber auf der Homepage, dass ausreichende Studien ausstehen.Daher sei der Test nur eine Ergänzung zum Abstrich beim Frauenarzt. Dieser ist für Siegfried Heinzl, Chefarzt der Frauenklinik im Basler Kantonsspital Bruderholz, ein Muss: «Die ärztliche Untersuchung berücksichtigt alle möglichen Frauenkrankheiten und nicht nur eine Infektion mit Papilloma-Viren.»
Ärzte kritisieren den Test, mit dem Frauen prüfen können, ob sie Osteoporose haben. Denn dabei blieben die wichtigsten Risikofaktoren wie das Alter der Patienten, daneben Rauchen und gewisse Medikamente unberücksichtigt. Marius Kraenzlin von der Klinik für Endokrinologie, Diabetes und Klinische Ernährung am Universitätsspital Basel, hält es für «nicht sinnvoll, den Knochenschwund zu messen, ohne den klinischen Hintergrund der Patienten zu kennen». Eine Laboruntersuchung sei erst dann ratsam, wenn ein Arzt eine Veranlagung für Osteoporose festgestellt habe.
«Auftrag und Auswertung gehören in die Hände eines Arztes»
Auch der Schweizer Laborverband FAMH distanziert sich laut Präsident Hans Siegrist «ausdrücklich von den Geschäftspraktiken» von Self-Testing.ch: Der Auftrag für eine Laboruntersuchung und deren Auswertung gehören in die Hände eines Arztes.
«Alles andere ist unverantwortlich.»
Geschäftsführer Krech widerspricht und betont, dass nach seiner bisherigen Erfahrung Laien die Probenentnahme sicher durchführen und mit den Resultaten umgehen können. Für ihre Rückfragen unterhalte seine Firma eine Online-Beratung. Bei einem positiven Ergebnis empfehle seine Firma dem Patienten, einen Arzt aufzusuchen.
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18. Oktober 2008 | Andreas Grote
