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Artikel | saldo 17/2008

Das Geschäft mit Gentechgetreide

Die Dokumentation «The Future of Food» zeigt, wie Grossfarmen dank Gentechnik die weltweite Landwirtschaft verändern.

Nicht nur Untergangspropheten warnen vor gentechnisch verändertem Saatgut. Der Film «The Future of Food» macht klar, wie Saatgut-Firmen ihre Macht ausnützen und mit der Gesundheit der Konsumenten spielen. Noch hat diese Entwicklung in der Schweiz nicht eingesetzt; in zwei Jahren läuft aber das Gentech-Moratorium voraussichtlich ab.

Die Dokumentation legt die Risiken von gentechnisch verändertem Saatgut offen: Kunden zeigen allergische Reaktionen auf genetisch veränderte Getreideprodukte, Wissenschafter weisen nach, dass dieses Getreide das Immunsystem von Ratten schwächt. Doch die Ergebnisse werden – laut diesem Film – verschwiegen und die betreffenden Wissenschafter entlassen.

Im Zentrum der Dokumentation stehen Saatgut-Multis wie die US-Firma Monsanto, die durch Gentech und Getreidepatente ihren Einfluss auf die Landwirtschaft ausspielt. So darf ein Farmer im Westen der USA sein angestammtes Saatgut nicht mehr aussäen, weil Monsanto das Patent dafür übernommen hat. Ein Farmer ist verklagt, weil sich vereinzelt gentechnisch verändertes Saatgut auf seinen Feldern fand, an dem eine andere Firma die Rechte besitzt.

Nach und nach geraten die Farmer in Abhängigkeiten von Gentechfirmen: So wachsen einige Getreidesorten erst, nachdem man sie mit bestimmten Chemikalien bespritzt hat. Saatgut sowie Chemikalien stammen von derselben Firma.

Der Film nimmt ausschliesslich die Sicht von Gentechgegnern ein. Ausserdem dokumentiert er nur die Verhältnisse in Kanada, den USA und Mexiko. Doch die Mechanismen von Abhängigkeiten und Erpressung in der Gentechnologie scheinen allgemeingültig.   

«The Future of Food – Nichts ist, wie es schmeckt». USA 2004. 88 min. Anbieter: Sunfilm Entertainment, 2008.

CD-tipps

Pop/Rock: Harmonische Verbindung

Bands wie Deep Purple, Metallica und The Scorpions haben schon vor Jahren Klassik und Rock zusammengefügt. Noch selten zuvor haben Musiker die beiden Welten einander aber derart gekonnt näher gebracht wie jetzt die Holländer Within Temptation. Zusammen mit dem 60-köpfigen Metropole Orchestra und einem Chor hat das Gothic-Rock-Sextett um Sängerin Sharon den Adel seine bekanntesten Songs an einem Konzert aufgenommen. Auf dem Doppel-Album «Black Symphony» treten Rockband und Orchester in einen Dialog und lassen sich dabei gegenseitig genügend Raum. Die Spannbreite der Musik ist gross: mal leise und romantisch, mal druckvoll und düster.

Within Temptation & The Metropole Orchestra, «Black Symphony», Sony BMG


Klassik: Bilderwelten

Sie hat die Romantik hinter sich gelassen und ist dennoch nicht in der Moderne angelangt: Claude Debussys Musik des Übergangs ist rätselhaft und abgründig, schlicht und unprätentiös – besonders die Klavierstücke. Der junge mazedonische Pianist Simon TrpŠceski nähert sich diesem schwierigen Werk mit leichten Fingern und verwandelt die komplexen Partituren des französischen Impressionisten in schillernde Klanggemälde. Im Zentrum der Aufnahme stehen die beiden Bücher der «Images» (1904/07) von Debussy. Simon TrpŠceski nimmt den Titel beim Wort und entwirft den Zyklus als einen Reigen musikalischer Stimmungsbilder.    

Debussy, «Images/Arabesques, Children’s Corner, Clair de Lune, L’Isle Joyeuse», Simon TrpŠceski, Klavier. EMI Classics


Jazz: Dasein statt Design

Im Anschluss an den Erfolg des schwedischen Trios e.s.t. kombinieren nun mehr Pianotrios hübsche Melodien mit knackigen Beats. Das probate Gegengift zu dieser Zeitgeist-Seichtheit kommt ebenfalls aus Schweden. Der Pianist Bobo Stenson und der Bassist Anders Jormin, seit vielen Jahren zusammen, haben nun in ihrem jungen Landsmann Jon Fält einen weiteren wunderbaren Mitstreiter  gefunden. Sie pflegen mal ein luftig-lyrisches, mal expressiv-verspieltes Zusammenspiel. Um es pathetisch zu sagen: Diese Musik setzt nicht auf Design, sondern feiert das Dasein. Im sehr speziellen Programm dieser CD stösst man unter anderem auf Stücke von Astor Piazzolla, Ornette Coleman und Alban Berg.    

Bobo Stenson Trio, «Cantando», ECM

18. Oktober 2008 | mmn, thl, trü, tom


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