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Oft müssen sich Kinobesucher die Ohren zuhalten. Die gute Nachricht: Der Lärm kann dem Gehör nicht schaden. Das zeigen Messungen in fünf Schweizer Kinos.
Es ist Freitagnachmittag, kurz nach 14 Uhr. Der Ort: das Kino Abaton beim Zürcher Escher-Wyss-Platz. Auf der Leinwand kämpft Batman gegen seinen Widersacher, den irren Joker mit der verschmierten Clown-Bemalung. Der Bösewicht will die Stadt beherrschen. Es ist laut, sehr laut.
Ein Spitalgebäude explodiert, später ein Lagerhaus. Batman ist mit seinem Kampfwagen unterwegs. Er feuert Raketen ab. Immer wieder schiesst die Anzeige des Messgerätes auf Lautstärken über 80 Dezibel, einmal gar auf 99,3 Dezibel. Am Schluss des Filmes zeigt das Gerät: Im Durchschnitt waren es 78,3 Dezibel.
Der Batman-Film «The Dark Knight» war der lauteste Film der Gesundheitstipp-Stichprobe (siehe Grafik im pdf-Artikel). Doch auch «Tropic Thunder» im Metropol Zürich kitzelte immer wieder an der Schmerzgrenze im Ohr der Gesundheitstipp-Mitarbeiterin. Der Spitzenwert hier: 95,3 Dezibel. Beide Action-Filme waren mehr als 10 Dezibel lauter als der Kinderfilm «Die frechen Mädchen» im Zuger Kino Seehof. Und das empfindet man bereits mehr als doppelt so laut.
Für Suva-Experte Beat Hohmann sind zwar alle fünf gemessenen Werte für das Gehör «unkritisch». Denn sie sind unter dem Durchschnittswert von 85 Dezibel. Erst über diesem Wert beginnt das Risiko für Gehörschäden. Doch auch Hohmann beobachtet: «In Kinofilmen können die Lärmspitzen lästig laut sein.» Bei der Suva gehen immer wieder Klagen ein von Kinobesuchern, die sich über die Lautstärke der Filme beschweren.
Nicht nur Action-Szenen, so Hohmann, sondern vor allem auch Vorfilme und Werbung seien oft übertrieben laut: «Die Werbeleute glauben, damit bei den Zuschauern mehr Aufmerksamkeit zu erlangen.»
Die Zürcher Firma Kitag, die das Rex in Bern sowie das Abaton und Metropol in Zürich führt, schreibt dem Gesundheitstipp, der Ton sei Sache der Filmemacher und nicht der Kinos. Die Firma könne zwar nachvollziehen, dass Experten die Lautstärke als «unnötig» oder «lästig» empfinden würden, doch das Publikum schätze dies so. Die Kinobetreiber könnten auch keinen Einfluss nehmen auf Vor- und Werbefilme, diese würden fertig geliefert. Die Firma Kino Hürlimann in Zug, Betreiberin des Seehofs, sowie Arena Cinecenter Sihlcity in Zürich wollten keine Stellung nehmen.
Weil die Kinos die gesetzlichen Werte einhalten, greifen die Behörden nicht ein. Dennoch müssen Zuschauer zu laute Filme nicht einfach über sich ergehen lassen. Suva-Fachmann Hohmann rät, sich bei den Film-Operateuren oder an der Kasse zu beschweren: «Diese sind oft unsicher, wie laut der Film sein soll.»
06. Oktober 2008 | Tobias Frey
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