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Artikel | saldo 16/2008

Kleinkredite: Das Geschäft mit der Schönheit

Unters Messer, obwohl das nötige Geld fehlt: Cashmed-Kredite machen es möglich. Ärztegesellschaften und Schuldenberater raten davon ab.

«Schönheit lässt sich finanzieren!» Mit solchen Sprüchen wirbt Cashmed im Internet und in Zeitungen wie dem «Tages-Anzeiger» für Kleinkredite. Dank den Cashmed-Krediten sei es möglich, ästhetische Zahnbehandlungen, Augenlaser-Korrekturen oder Schönheitsoperationen durchführen zu lassen – «unabhängig von Ihrem derzeitigen Budget».

Rohan Kanagarajah, Geschäftsführer von Cashmed, sagt: «Menschen, die mit ihrem Erscheinungsbild unzufrieden sind, haben oft psychische Probleme. Mit einem Cashmed-Kredit können sie ihr Wohlbefinden und die Lebensqualität steigern.»


Zinssätze bis zu 14,5 Prozent

Kanagarajahs Unternehmen ist keine Bank, sondern ein Kreditvermittlungsinstitut. Er ist Mitinhaber der Finacon GmbH in Kriens, die auch unter der Domäne My-credit.ch das Geschäft mit dem Kauf auf Pump vermittelt. Seit der Gründung vor zwei Jahren hat die Firma Cashmed laut eigenen Angaben ungefähr 300 Kredite im Gesamtbetrag von rund 3,5 Millionen Franken vermittelt. Der Zinssatz variiere zwischen 9,95 und 14,5 Prozent.

Unabhängige Beratungsstellen warnen vor Cashmed. Mario Roncoroni, Geschäftsleiter des Vereins Schuldensanierung Bern, kritisiert: «Cashmed suggeriert, jeder könne sich dank einem Kredit grosse Ausgaben unabhängig vom Budget leisten. Das ist irreführend.» Der Schuldenberater gibt zu bedenken: «Wenn im Budget kein Platz ist für die Abzahlung des Kredits, muss man dafür andere Ausgabenposten kürzen. Das schmerzt.» Passiere etwas Unvorhergesehenes wie eine Trennung oder Arbeitslosigkeit, drohe der Privatkonkurs.

Mario Roncoroni empfiehlt: «Wer das nötige Geld für eine Schönheitsoperation nicht hat, verzichtet besser darauf.» Wenn abstehende Ohren eine psychische Belastung sind, könne man versuchen, die Krankenkasse zur Übernahme der Operationskosten zu bewegen. Dafür ist das Gutachten eines Psychiaters nötig.


Cashmed lockt Ärzte mit grossen Versprechungen

Cashmed will laut eigenen Angaben auch mit Ärzten zusammenarbeiten. Ihnen verspricht die Firma, die Patienten könnten dank dem Kleinkredit alle Behandlungsvorschläge vollumfänglich in Anspruch nehmen, «ohne Kompromisse einzugehen». Das Inkasso übernimmt Cashmed.

Ärztegesellschaften finden das unseriös. Catherine Perrin von der Schweizerischen Gesellschaft für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie sagt: «Eine Schönheitsoperation sollte man sich gut überlegen und nicht als Konsumgut betrachten.» Chirurgen hätten immer ein offenes Ohr, wenn es um Zahlungsschwierigkeiten geht: «Dafür braucht es kein Kreditinstitut.»


Bei Zahnärzten kann man Raten vereinbaren

Bei den Zahnärzten widerspricht die Finanzierung mit Kleinkredit sogar den Standesregeln. Felix Adank, Sprecher der Schweizerischen Zahnärztegesellschaft, sagt: «Die Patienten können direkt mit dem Zahnarzt Ratenzahlungen vereinbaren. Das ist zinsfrei.»

Rohan Kanagarajah entgegnet: «Die Vergabe von Krediten ist gesetzlich geregelt. Wenn wir merken, dass ein Antragsteller den Kredit nicht zurückzahlen kann, wird er nicht gewährt.» Cashmed empfehle zudem den Kreditnehmern, sich mit einer speziellen Versicherung gegen Zahlungsunfähigkeit abzusichern.


Tipps: Kostenvoranschlag einholen

  • Wenn Ihr Aussehen Sie ernsthaft belastet, holen Sie bei einem Psychiater ein Gutachten ein und beantragen Sie bei Ihrer Krankenkasse die Übernahme der Kosten für die Schönheitsoperation.
  • Ansonsten: Überlegen Sie sich, welche Ausgabenposten Sie verändern könnten, damit der gewünschte Luxus im Budget Platz hat.
  • Holen Sie Kostenvoranschläge für verschieden teure Behandlungsvarianten ein.

 

06. Oktober 2008 | Andreas Gossweiler


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