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Artikel | saldo 14/2008

Viele Light-Produkte sind gar nicht so leicht

Die Hersteller versprechen bei Light-Produkten einen verringerten Zucker- oder Fettgehalt. Doch irrt, wer glaubt, dass er mit ihrem Konsum automatisch sein Gewicht reduziert.

Wer einkaufen geht, stösst unweigerlich auf Light-Produkte. Coop allein bietet derzeit 350 Weight-Watchers-Artikel an, Migros 180 Léger-Lebensmittel. Daneben stehen Dutzende weiterer künstlich verschlankter Produkte in den Regalen. In anderen Läden sieht es ähnlich aus.

Light-Lebensmittel haben einen grossen Haken: «Sie verführen dazu, mehr zu essen», sagt Heinrich von Grünigen, Präsident der Schweizerischen Adipositas-Stiftung. So sättigen sie gemäss Studien offenbar weniger als die gleiche Menge normaler Produkte. Auch suggeriert die luftige Aufmachung laut von Grünigen in der Regel Leichtigkeit und die versteckte Botschaft «Du darfst mehr». Bezeichnenderweise pries das «Migros-Magazin» Léger-Produkte im redaktionellen Teil als «Genuss ohne Reue».

Die Verführung zum Mehrkonsum fällt oft auch ins Gewicht, weil viele Light-Produkte gar nicht so light sind, wie die Hersteller behaupten. Eine saldo-Stichprobe zeigt, dass viele dieser Produkte fast den gleichen oder nur einen minimal reduzierten Kaloriengehalt haben wie die Standardprodukte (siehe Tabelle im pdf-Artikel).


Cashew-Nüsse: Weight-Watchers-Produkt 30 Prozent teurer

Beispiel: Die Cashew-Nüsse von Weight-Watchers enthalten 598 Kilokalorien pro 100 Gramm, die normalen 608 Kilokalorien. Kalorienersparnis bei der Light-Variante: lächerliche 2 Prozent. Dafür kosten die Weight-Watchers-Nüssli 30 Prozent mehr. Auch sonst zahlt der Konsument für die Light-Verpackung meist einen Aufpreis. Vor allem Weight-Watchers-Waren sind zum Teil massiv teurer, ohne einen merklichen Zusatznutzen zu haben.

Coop-Sprecherin Susanne Erdös bestreitet dies: «Alle Weight-Watchers-Artikel bieten einen Mehrwert.» Das Gros der Produkte enthalte weniger Kalorien, einzelne wie die Cashew-Nüsse weniger Salz. Einen Mehrwert böten zudem die gesunden Portionsgrössen und die bessere Deklaration von Fett- und Kaloriengehalt. Die saldo-Stichprobe sei daher nicht repräsentativ. Im Übrigen bezeichne Coop seine Weight-Watchers-Linie als «Wohlfühl-Linie» für ernährungsbewusste Konsumenten, nicht als ausgesprochene Light-Linie.

Die Migros wendet ein, dass alle Léger-Produkte laut internen Richtlinien mindestens 10 Prozent weniger Kalorien hätten als Standardprodukte. Ihre Preise seien vergleichbar. Teurer wären einzelne Léger-Produkte allenfalls wegen der aufwendigeren Herstellung.

Auch wenn gewisse Light-Produkte tatsächlich weniger Zucker und Fett enthalten, sollte der Konsument nicht kopflos zugreifen. Grund: «Viele Lebensmittel sind auch in der Light-Variante Schwergewichte», sagt David Fäh, Ernährungsexperte beim Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich. So haben etwa die fettreduzierten Léger-Zitronenbiscuits von Migros einen Energiegehalt von 423 Kilokalorien pro 100 Gramm, so viel wie eine knappe Tafel Schokolade.

Die Reduktion von Fett und Zucker im Labor hat Grenzen: «Wenn die Hersteller zu viel von den Geschmacksträgern Zucker und Fett weglassen, schmeckt es bald nicht mehr», sagt Experte Fäh. Er empfiehlt, bei Light-Produkten genau hinzuschauen: «Man sollte stets die Nährwertdeklaration prüfen.» Nur so erkenne man als Light-Produkte getarnte potenzielle Dickmacher.


Fettreduzierte Milchprodukte können beim Abnehmen helfen

Andererseits können gewisse Light-Produkte den Konsumenten helfen, ihr Gewicht zu halten oder zu verringern. Wer sie massvoll konsumiert, kann Fett und Zucker in seinen Mahlzeiten und somit seine tägliche Kalorienzufuhr senken. So empfiehlt die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung, bei Milchprodukten fettreduzierte Varianten zu bevorzugen: etwa teilentrahmte statt Vollmilch, fettreduzierten statt vollfetten Käse.


So kriegen Sie Ihr Fett weg – auch ohne Light-Produkte

Auch ohne teure Light-Produkte kann man den Fett- und Zuckergehalt seiner Mahlzeiten reduzieren. Die wichtigsten Tipps:

  • Grundsätzlich: Speisen und Getränke sukzessive weniger stark süssen.
  • Nature-Joghurt mit frischen Früchten zubereiten. 
  • Selber gemachte Desserts und Gebäck nur mit der halben Zuckermenge und mit weniger Fett zubereiten.
  • Weniger Wurst essen (maximal einmal pro Woche!).
  • Statt zu Salami und Fleischkäse zu magerem Schinken und Mostbröckli greifen.
  • Saucen statt mit Vollrahm mit Kaffeerahm, saurem Halbrahm oder Milch zubereiten.
  • Fettarme Zubereitungsarten wählen wie Pochieren, Braten im Ofen, Niedergaren, Dämpfen, Sieden, Braten in der Titan- oder Teflonpfanne.
  • Beim Braten nur einen Teelöffel oder einen Pinselstrich Öl verwenden.
  • Fettreiche Lebensmittel durch fettärmere Varianten ersetzen, etwa statt Pommes Chips Grissini oder Salzstängeli knabbern. Gut geeignet zum Abnehmen sind auch natürliche Kalorien-Sparer wie Hüttenkäse, Thunfisch in der Wasserkonserve, Magerquark, gekochter Schinken oder Bündnerfleisch. Sie alle enthalten von sich aus wenig Fett und Zucker – ohne das Zutun von Lebensmittelingenieuren.
  • Tägliche Bewegung hat einen viel grösseren Einfluss auf das Körpergewicht als Light-Produkte.
  • Auf Süssgetränke verzichten. Sie sättigen nicht und stellen daher nur eine unnötige Kalorienzufuhr dar. Ideale Alternativen: Wasser oder ungesüsster Tee.

 

08. September 2008 | Eric Breitinger


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