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Berufliche und private Probleme führten bei der Lehrerin zum Burnout
Christine Isler ist eine erfahrene Lehrerin. Dennoch machten ihr freche Schüler und verständnislose Eltern zu schaffen – bis sie unter einem Burnout litt.
Christine Isler, haben Sie starke Nerven?
Ja. Sonst könnte ich nicht als Lehrerin arbeiten. Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu meinen Schülern. Sie gingen meistens gern zu mir in die Schule.
Wie kam es dann zum Burnout?
Die Schüler sind heute anders als früher. Viele haben Mühe, sich zu konzentrieren. Sie zeigten mir gegenüber keinen Respekt. Damit wäre ich fertig geworden. Doch dann belasteten mich auch noch private Probleme. Mein Vater starb, und meine Partnerschaft ging in die Brüche. Ich konnte in der Freizeit nicht mehr die Energie tanken, die ich für die Arbeit gebraucht hätte.
Wie spürten Sie, dass Sie ein Burnout haben?
Jahrelang wusste ich nicht genau, was los war. Ich spürte nur, dass ich immer schnell erschöpft war. Als mein Vater starb, wurde meine Gesundheit immer schlechter. Ich hatte Herzprobleme, mein Immunsystem war geschwächt, und ich hatte dreimal eine Lungenentzündung.
Was macht den Lehrerberuf heute schwierig?
Als ich in den Beruf einstieg, konnte ich mich auf das Vermitteln des Stoffs konzentrieren. Doch heute muss die Schule immer mehr erzieherische Aufgaben übernehmen. Die Lehrer müssen vielen Kindern diszipliniertes Verhalten beibringen, damit der Unterricht möglich ist. Auch der Kontakt mit den Eltern ist schwieriger.
Warum?
Früher unterstützten mich die Eltern, wenn ich einen Schüler bestrafen musste, weil er die Aufgaben nicht gemacht hatte. Doch dann kam es immer öfter vor, dass Eltern reklamierten, wenn ich ihr Kind massregelte. Ich war dann von zwei Seiten unter Beschuss.
Gab es Situationen, wo Sie mit den Schülern nicht mehr fertig wurden?
Ja, als ich mit Primarschülern ein Malatelier besuchte. Die Kinder lieferten sich im Atelier Farbschlachten. Da sah ich, wie wichtig es ist, dass man Kindern Grenzen setzt. Sonst gibt es ein Chaos.
Setzen die Eltern den Kindern heute zu wenig Grenzen?
Ja. Sie warten zu lange, bis sie reagieren. Viele Kinder haben deshalb Mühe, sich in der Schule anzupassen. Sie wollen nur das tun, was ihnen Spass macht.
Wie reagierte Ihr Umfeld auf das Burnout?
Mit meinen Lehrerkollegen konnte ich nicht darüber sprechen. Im Lehrerzimmer redet man lieber nicht über Probleme. Viele Lehrer sind Einzelkämpfer. Gegenüber den Kollegen wollen sie nicht zugeben, wenn etwas nicht optimal läuft.
Hat Sie das belastet?
Ja. Ich hatte das Gefühl, ich sei die Einzige, die ein Burnout hatte. Ich versuchte, mir nichts anmerken zu lassen. Ich wusste damals nicht, dass es vielen Lehrern ähnlich geht.
Wie konnten Sie das Burnout überwinden?
Ich reduzierte mein Arbeitspensum und suchte eine andere Tätigkeit. Heute arbeite ich an einer Maturitätsschule für Erwachsene und als selbständige Beraterin.
Geht es Ihnen jetzt besser?
Ja. Die Arbeit mit erwachsenen Schülern fällt mir leichter, denn sie kommen freiwillig in die Schule. Ich muss sie nicht mehr erziehen.
Zur Person: Christine Isler
Christine Isler arbeitet seit 34 Jahren als Lehrerin. Sie hat Schüler aller Altersklassen unterrichtet – von der Primarschule bis zum Gymnasium. Seit dem Burnout arbeitet sie teilzeitlich an einer Maturitätsschule für Erwachsene. Daneben berät sie Lehrer in Krisensituationen in ihrer Praxis in Winterthur.
08. September 2008 | Andreas Gossweiler
