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Drahtloses Internet: Geködert mit Gratis-Angeboten, tappen Kunden ahnungslos in die Kostenfalle. Was der Service tatsächlich kostet, steht im Kleingedruckten – oder nirgends.
Jederzeit, überall und billig mit dem Laptop ins Internet – dazu noch die ersten drei Monate gratis. Mit diesen Schlagworten ködern die grossen Telecom-Anbieter Sunrise, Orange und Swisscom Kunden für den mobilen Internetzugang via Handynetz. Die Abonnemente entpuppen sich aber schnell einmal als Kostenfalle. Das zeigen die Erfahrungen zweier K-Tipp- Leser, die von Sunrise Rechnungen über mehrere tausend Franken erhielten.
Eigentlich wollte K-Tipp-Leserin Jana Birkholz aus Rheineck SG einfach mit dem Computer übers Handynetz surfen. Deshalb löste sie bei Sunrise ein Take-Away-Abonnement. «Drei Monate gratis surfen», versprach die Werbung. Ab dem vierten Monat würde sie dank dem mitgelieferten USB-Modem für Fr. 3.50 pro Tag kabellos und unbeschränkt übers Handynetz ins Internet gehen können, hiess es im Vertrag.
Nach vier Monaten der Schock: Die erste Rechnung belief sich auf Fr. 7920.20. Der Grund: Rheineck liegt an der Grenze zu Österreich und hat eine schlechte Netz-abdeckung. Deshalb wählte sich das USB-Modem zum Teil ins Österreicher Handynetz ein – obwohl Birkholz auf Schweizer Boden surfte.
Birkholz reklamierte sofort: Doch Sunrise berief sich auf einen auf der Webseite gut versteckten Hinweis. Im Vertrag der K-Tipp-Leserin stand davon nichts. Weil Sunrise ihr nur 5800 Franken erlassen wollte, wandte sich Birkholz an den K-Tipp. Resultat: Sunrise verzichtete schliesslich auf den gesamten Betrag. Konrad Stokar von Sunrise gab zu: «Das Problem ist bekannt. Unsere Modems wählen sich heute nicht mehr automatisch in ein ausländisches Handynetz ein.» Wie viele Abonnenten von diesem Problem betroffen waren und ob alle ihr Geld zurückerhielten, sagte Stokar nicht.
In eine andere Falle tappte ein K-Tipp-Leser aus Zürich: Geködert durch die drei Monate kostenloses Internet, hatte er Anfang April bei Sunrise ein «mobile broadband»-Abo gelöst. Kostenpunkt: 49 Franken ab dem vierten Monat. Im August kam dann die erste Rechnung: Über Fr. 5500.– sollte er für einen Monat mobiles Surfen zahlen. Denn im Abo sind pro Monat nur 2048 Megabyte an Daten inbegriffen. Das ist jedoch für einen regelmässigen Internetgebrauch übers Handynetz deutlich zu wenig. Wer regelmässig Videos im Internet schaut, hat diese Limite im Nu überschritten. Und: Jedes weitere Megabyte kostet 50 Rappen. Der K-Tipp-Leser hat mehrere tausend Megabyte über die Datenlimite hinaus heruntergeladen.
Nach Intervention des K-Tipp erhält der Betroffene den zu viel bezahlten Betrag zurück – rund Fr. 5400.–. Das «mobile broadband»-Abo gibt es mittlerweile nicht mehr. «Die 2048-Megabyte-Datenlimite war eindeutig zu niedrig. Deshalb haben wir das Abo eingestellt und die Limite abgeschafft», erklärt Sunrise-Mediensprecher Stokar.
Auch bei Orange und Swisscom gibt es diese Art der Kostenfalle über eine Datenlimite. Stossend auch hier: Über die Mehrkosten informiert Orange wie Sunrise nur versteckt in Fussnoten auf der Webseite. Im Anmeldeformular steht davon nichts.
Schweizer zahlen zu viel
Für Preisüberwacher und Wettbewerbskommission (Weko) sind die Festnetz- und Mobilfunktarife in der Schweiz nach wie vor zu hoch. Kritiker sprechen von möglichen Absprachen unter den Telecom-Anbietern, wo- durch die Preise künstlich hoch gehalten würden. Dieser Verdacht betrifft auch das mobile Internet übers Handynetz, wie ein K-Tipp-Vergleich zeigt: Die Angebote von Sunrise, Orange und Swisscom sind preislich praktisch identisch.
Das sind die Kostenfallen
Darauf müssen Sie achten, wenn Sie mobil surfen wollen:
Die Datenlimite
Bei den meisten Abos für mobiles Internet ist eine gewisse Anzahl Megabytes inbegriffen. Sobald diese Datenlimite überschritten wird, verlangen die Mobilfunkanbieter für jedes weitere Megabyte zusätzlich Geld. Der Hinweis auf diesen wesentlichen Vertragsbestandteil ist nicht im Vertrag, sondern nur meist gut versteckt auf der Webseite zu finden. Hansruedi Schmid von der K-Tipp-Rechtsberatung: «Solche Klauseln werden nicht Vertragsbestandteil und sind sehr ungewöhnlich. Deshalb müssen die Zusatzkosten nicht bezahlt werden.»
Besser ohne Limite
Um Kostenfallen zu umgehen, nur Abos ohne Datenlimite lösen. Das sind die Angebote: «Mobile unlimited Data Option day» von Swiss-com kostet pro Monat maximal Fr. 149.50, «Take away basic» von Sunrise kostet pro Monat maximal Fr. 118.50 und «Internet everywhere Day» von Orange maximal Fr. 118.50.
01. September 2008 | Christian Birmele
