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Artikel | saldo 13/2008

Life Bernardi: Viel versprochen, nichts gehalten

Die Partnervermittlungsfirma Life Bernardi zieht Jobsuchenden das Geld aus der Tasche. Nun melden sich Betroffene zu Wort.


Kürzlich musste die Life Bernardi GmbH nach einem Gerichtsverfahren einer Kundin 3000 Franken erstatten (saldo 6/08). Auf den Bericht hin meldeten sich Dutzende Betroffene und enthüllten die Masche von Life Bernardi. Per Inserat sucht die Firma «Single-Berater» und verspricht einen «exklusiven Kundenstamm» und «Spitzenverdienst».

saldo liegt der Mitschnitt eines Einstellungsgesprächs vor, das der Life-Vizechef führte. Darin ist von einem Monatsverdienst von 6000 Franken die Rede. Zudem versprach er: «Wir übernehmen die Werbefinanzierung, Sie müssen keine Kunden suchen oder Inserate schalten.» Er räumte ein, dass Life Bernardi «für die zur Verfügung gestellte Leistung eine Kaution von 4850 Franken» verlange. Diese werde aber vollumfänglich zurückerstattet, wenn jemand sechs Monate gearbeitet und einen Umsatz von 40000 Euro erreicht habe.

Solche Versprechen machte Life Bernardi Dutzenden Geschädigten aus der Schweiz und Süddeutschland. Wer den Vertrag unterschrieben und gezahlt hat, erhält die zweieinhalbtägige Schulung. «Hier lernt man nichts», sagt Susanne Bühler aus Möhlin AG. «Eine Psychologin dozierte etwa, welche Heftli wir kaufen sollten.» Als «praktisch nutzlos» bezeichnen auch andere Teilnehmer den Kurs.

In dieser «Schulung» lassen die Life-Bernardi-Chefs die Katze aus dem Sack und erklären: Jeder Berater müsse auf eigenes Risiko Partnerschaften vermitteln. Nur die ersten 20 Adressen seien gratis, Werbeflyer habe man bei Life Bernardi zu kaufen. Das Material ist jedoch das Geld nicht wert. Brigitte Schulte-Loh aus Zwillikon ZH kaufte 6000 Flyer und liess sie verteilen. Das kostete 1500 Franken und brachte keine einzige Rückmeldung.

Den meisten Beratern erging es ähnlich. Als wertlos stellten sich auch die von Life Bernardi gelieferten Adressen von angeblichen Singles heraus. «Von 20 waren mehrere verheiratet», sagt ein 22-jähriger Berner.


Wer sich beschwert, dem wird der Austritt nahegelegt

Fraglich ist auch, ob die Firma wie behauptet 1500 Singles in der Kartei hat. «Nie und nimmer sind es so viele», sagt Ex-Life-Sekretärin Jenny Müller. «Life Bernardi vermittelt immer nur die gleichen paar Single-Kunden.»

Wer sich beschweren will, kann Life-Chef Patric Bernar-di nur per Mail erreichen. In seinen Antworten kanzelte er Berater oft als faul und unfähig ab und legte den Ausstieg nahe. Für Ex-Beraterin Ruth Schäfer steckt dahinter Kalkül: «Sobald Bernardi das Geld hat, mobbt er die Leute hinaus, um sich neue zu holen.»


Beim Vertrag zählen auch die mündlichen Versprechen

Laut saldo-Recherchen schleust Life Bernardi bis zu 250 Berater im Jahr durch seine Kurse. Firmenchef Bernardi wollte sich auf Anfrage zu den Vorwürfen nicht äussern.

Der St.Galler Professor Thomas Geiser rät Geschädigten, gerichtlich ihre Kaution zurückzufordern. «Ein Vertrag ist nicht nur nach dem schriftlichen Wortlaut, sondern auch nach den mündlichen Versprechungen auszulegen.» Auch könnten Betroffene geltend machen, dass sie als selbständige Berater nicht erfolgreich sein konnten, weil Life Bernardi versprochene Leistungen nie erbracht habe.

25. August 2008 | Eric Breitinger


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