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Artikel | saldo 13/2008

Auf Kundenfang mit Last-Minute-Angeboten

Ein saldo-Vergleich zeigt: Last-Minute-Reisen sind häufig keine Schnäppchen. Sie können sogar teurer sein als Reisen aus dem Katalog.


Viele Reisebüros und -veranstalter im Internet verkaufen unter dem Begriff Last Minute nicht mehr nur Schnäppchen, sondern sehen Last Minute als weiteren Absatzkanal für Reisen zu Katalogpreisen. Das zeigt eine saldo-Stichprobe.


Cran-Canaria-Reise: Bis zu 200 Franken Preisunterschied

saldo hat mehrere Arrangements gefunden, die zwar unter dem Begriff Last Minute angeboten werden, aber gleich teuer oder gar teurer sind als im Katalog. Einige Beispiele:

  • FTI Touristik bot am Stichtag 7. August fünf Tage Ibiza im 4-Sterne-Hotel Club Garbi an, zwei Erwachsene, Abflugort Zürich, ab dem 27. August, für 3799 Franken inklusive Zuschläge. Bei Lastminuteangebote.ch kostete die identische Reise 50 Franken mehr.
  • Sieben Nächte im 4-Sterne-Insotel Club Tarida Beach auf Ibiza kosteten für zwei Erwachsene inklusive Flug am 27. August ab Zürich bei Kuoni im Internet 3188 Franken, bei Lastminute.travel.ch waren 3203 Franken fällig. Beim Last-Minute-Anbieter Expedia.de kostete dieselbe Reise mit 3214 Franken fast gleich viel. Und auch auf dem Kuoni-Portal Lastminute.ch war die Reise mit 3158 Franken nur unwesentlich günstiger im Angebot.
  • Sechs Nächte im 5-Sterne-Hotel Palm Beach auf Gran Canaria inklusive Frühstück und Flug ab Zürich am 24. August kosteten bei Hotelplan im Katalog 3676 Franken für zwei Personen. Bei Lastminute.ch gab es diese Reise als Last-Minute-Angebot zum gleichen Preis. Fünf Tage später kostete das Arrangement dort bereits 3766 Franken ohne Taxen. Ltur bot dieselbe Reise für nur 3579 Franken an, die Ferien hätten dann aber sogar noch einen Tag länger gedauert.


Ltur: Gute Geschäfte mit kurzen Buchungsfristen und klaren Preisvorteilen

Von Effekthascherei oder Etikettenschwindel mag Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizerischen Reisebüroverbandes, trotz der Ergebnisse nicht sprechen: «Für mich muss eine Last-Minute-Reise kurzfristig buchbar, aber nicht günstiger sein.» Gerade im Herbst seien die Angebote schnell ausgeschöpft. «Geben die Reiseveranstalter dann Zusatzkapazitäten frei, können diese Reisen aufgrund der hohen Nachfrage sogar teurer als im Katalog sein», sagt Kunz.

Auch für Peter Brun, Pressechef von Kuoni, bedeutet Last Minute nicht automatisch billig. Lastminute.ch sei für Kuoni ein weiterer Absatzkanal für Reisen im Internet. «Last Minute allgemein ist in den letzten Jahren eher rückläufig, da auch weniger Flugkapazitäten zur Verfügung stehen als noch vor acht bis zehn Jahren», sagt Brun. Es werde vermehrt früher gebucht.

Dieser Aussage widersprechen die Zahlen von Ltur. Nach eigenen Angaben hat der Last-Minute-Spezialist in den ersten vier Monaten dieses Jahres das Schweizer Geschäft um 34 Prozent verbessert. Kein Wunder: Für Andreas Kindlimann, Geschäftsführer Schweiz des europäischen Last-Minute-Marktführers Ltur, müssen Last-Minute-Angebote mit einem Preisvorteil verbunden sein: «Last-Minute-Reisen müssen kurzfristig, frühestens vier Wochen vor Abflug, und günstiger als zu Katalogpreisen buchbar sein.»


Konsumenten haben Mühe, die Angebote zu vergleichen

In der Schweiz ist der Begriff Last Minute mittlerweile zur Worthülse verkommen. saldo hat zehn Last-Minute-Anbieter von Pauschalreisen im Internet verglichen und festgestellt, dass die wenigsten ausschliesslich echte Last-Minute-Angebote anbieten. Bei www.lastminute.ch, www.expedia.de, http://lastminute.travel.ch, www.reisehit.ch, www.lastminuteangebote.ch, www.reisegeier.ch, www.restplatzshop.ch und www.alltours.ch waren am Stichtag Reisen bis Ende Oktober und zum Teil darüber hinaus buchbar.

Einzig Ltur hält sich an die eigene Definition von Last Minute. Alltours, Reisegeier, Hotelplan und Expedia umgehen den Etikettenschwindel geschickt, indem sie mit einer Rubrik «Last Minute und mehr» arbeiten.

Bei fast allen Last-Minute-Suchmaschinen ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich, ob es sich bei der herausgesuchten Reise tatsächlich um ein günstigeres Angebot als im Katalog handelt. Immerhin: Alle überprüften Anbieter weisen transparente Endpreise aus. Taxen und Gebühren werden klar angezeigt.


Billigreisen

Der Begriff Last Minute allein garantiert noch kein billiges Reiseangebot. saldo nennt die wichtigsten Kniffe für Schnäppchenjäger:

  • Wer ein vermeintliches Last-Minute-Schnäppchen entdeckt hat, sollte sich nicht von der Werbung blenden lassen. Tipp: vor der Buchung im Reisebüro die Beschreibung im Katalog ansehen.
  • Alternative Flughäfen im nahen Ausland oder Regionalflughäfen berücksichtigen. Sie sind häufig billiger.
  • Wenn möglich unter der Woche fliegen.
  • Anbieter, die nichts zu verbergen haben, zeigen den Katalogpreis oder die prozentuale Vergünstigung gleich neben dem Last-Minute-Preis an.
  • Zum Ende der Schulferien buchen.
  • Wer betreffend Reisedestination flexibel ist, kann möglichst spät buchen, zum Beispiel 48 Stunden vor Abflug, oder Auktionen nutzen.

 

25. August 2008 | Andreas Schildknecht


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