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Viele Nahrungsergänzungsmittel sind laut Werbung lebenswichtig. In seinem neuen Buch räumt Udo Pollmer mit den Wunderwirkungen solcher Substanzen auf.
Wer beim Essen auf Zusatzwirkstoffe verzichtet, leidet erheblich: Diese Botschaft der Lebensmittelindustrie hinterfragt der Leiter des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften Udo Pollmer zusammen mit Co-Autorin Susanne Warmuth im Buch «Pillen, Pulver, Powerstoffe».
Dabei stützen sich die Autoren auf unabhängige Untersuchungen und Studien, die auch scheinbar bewiesene Wirkungen von Ergänzungsmitteln widerlegen. So zeigen sie auf, dass Nährstoffe in Energydrinks keinen nachgewiesenen Nutzen für Sportler haben. Fischölkapseln kann man getrost weglassen, da sie weder bei Herzbeschwerden noch bei Diabetes helfen.
Manche Ergänzungsmittel schaden sogar mehr, als sie nützen: Zu viel Eisen erhöht die Gefahr, an Diabetes zu erkranken; Folsäure steht im Verdacht, Brustkrebs zu fördern und einen Mangel an Vitamin B12 zu verschleiern.
Doch die Autoren sprechen nicht allen Mitteln ihre gesunde Wirkung ab. So senkt Kaffee – mindestens vier Tassen täglich – das Risiko für Diabetes, Herzinfarkt oder Leberleiden.
Skurril sind die Anekdoten aus vergangenen Tagen: Auch Coca-Cola war einst ein bliebtes Ergänzungsmittel mit durchschlagender Wirkung – zumindest bis 1906 der Zusatz von Kokain verboten wurde. Sogar Strychnin oder Urin waren einst gefragte Beigaben.
Auch hier kann sich eine Zweitmeinung lohnen
Die ironisch-locker geschriebenen Texte sind fachlich gut abgestützt, jedoch oft stark zugespitzt. Bei einigen Aspekten lohnt es sich daher – wie meist bei gesundheitlichen Fragen –, eine Zweitmeinung einzuholen.
Udo Pollmer, Susanne Warmuth, «Pillen, Pulver, Powerstoffe. Die falschen Versprechen der Nahrungsergänzungsmittel», Eichborn Verlag, ab Fr. 30.50
25. August 2008 | mmn
