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Artikel | Haus & Garten 03/2008

Gegen alles ist ein Kraut gewachsen

Das Anlegen einer «Gartenapotheke» lohnt sich: Aromatisch duftende Heilkräuter sprechen alle Sinne an und sind erst noch pflegeleicht.


Der Arzt Hypokrates verwies auf sie, und auch William Shakespeare verewigte in «Romeo und Julia» die Heikräuter: «Oh, grosse Kräfte sinds, weiss man sie recht zu pflegen, die Pflanzen, Kräuter, Stein in ihrem Innern hegen.» Heilkräuter sind also schon seit vielen Jahrhunderten bekannt.

Allerdings: Im 20. Jahrhundert, als das Penicillin erfunden wurde und chemische Wirkstoffe den pharmazeutischen Markt eroberten, gerieten die Heilpflanzen fast in Vergessenheit. Nun erleben Heilkräuter jedoch ein Revival, ob als Gewürze, als Wirkstoffe gegen Beschwerden oder – ihres aromatischen Dufts wegen – als beliebte Gartenpflanzen. Hinzu kommt, dass die meisten Würz- und Heilpflanzen nicht nur dekorativ sind, sondern auch äusserst pflegeleicht: Ein sonniger Standort, eher magerer Boden und wenig Wasser sind die Zutaten zum Kräuterglück.

Die Vielfalt an Heilpflanzen ist gross, entsprechend schwierig ist die Auswahl. Alles, was gut schmeckt, schön aussieht und fein duftet, gehört in den persönlichen Kräutergarten. Natürlich wird die Auswahl auch durch die Bedürfnisse beeinflusst: Hat man öfters eine laufende Nase, darf man auf Eisenkraut, Pfefferminze und Salbei nicht verzichten. Schläft man nachts schlecht ein, sind Melisse, Lavendel und Baldrian ein Muss.


Heilpflanzen nach dem Lustprinzip wählen

«Ein Heilkräutergarten soll mit allen Sinnen erlebt werden. Deshalb sind der Fantasie beim Planen keine Grenzen gesetzt», sagt Remo Vetter, Geschäftsführer der A. Vogel GmbH in Teufen AR. Zwar sei es von Vorteil, vor dem Pflanzen einen einfachen Plan anzufertigen. Sture Beetformen sollte man dabei jedoch nicht verfolgen. «Mit Düften, Farben und Blattstrukturen kann man spielen. Am besten pflanzt man nach dem Lustprinzip.»

Der ideale Standort des Kräutergartens ist in der Nähe des Hauses, damit die Wege zum Ernten nicht allzu weit sind. Hier die wichtigsten Tipps für alle, die einen Kräutergarten anlegen möchten.


Boden

Fast alle Kräuter lieben humushaltigen, lockeren Gartenboden. «Ist der Boden im Garten zu lehmig, sollte die Struktur mit Holzhäcksel oder Kompost verbessert werden», rät Bina Thürkauf, Gartenfachfrau in Riehen BS.

Mediterrane Kräuter wie Lavendel, Rosmarin, Salbei und Thymian lieben einen sonnigen, trockenen Standort mit gutem Wasserabzug.
Knoblauchsrauke, Pfefferminze und Sauerampfer gedeihen am besten an einem halbschattigen, feuchten Platz.


Pflanzen

Basilikum, Bohnenkraut, Dill, Kerbel und Basilikum vertragen die frostigen Schweizer Wintertemperaturen nicht. Deshalb darf man diese Kräuter erst im Frühjahr pflanzen. Mehrjährige Kräuter wie Liebstöckel, Melisse, Pfefferminze und Salbei können entweder im Herbst von September bis Oktober oder im Frühling von April bis Mai gepflanzt werden.

Wichtig beim Pflanzen: Auf einen genügend grossen Abstand achten. Denn mehrjährige Kräuter benötigen den Platz für viele Jahre. «Wird es mit der Zeit zu eng im Kräutergarten, können die Pflanzen mit einer Grabgabel geteilt und versetzt werden», erklärt Remo Vetter.


Düngen

Der Nährstoffanspruch der einzelnen Kräuter ist unterschiedlich. Grundsätzlich sollte man sie jedoch sparsam düngen. Pflanzen mit einem hohen Anteil an ätherischen Ölen entwickeln auf stickstoffreichen Böden weniger Aromastoffe. Thürkauf: «Sie schiessen lediglich in die Höhe und schmecken wässerig.»

Als Düngung empfiehlt die Fachfrau Kompost, Mulch oder einen organischen Dünger aus dem Handel. «Von mineralischem Dünger sollte man die Finger lassen – schliesslich isst man diese Pflanzen.»


Schnitt

Mehrjährige Kräuter wie etwa Melisse, Pfefferminze und Oregano benötigen einen jährlichen Rückschnitt, damit sie nicht verkahlen. Sie treiben im Frühjahr aus dem Wurzelstock neu aus.

Tipp: «Die Pflanzen sollten erst im Frühjahr geschnitten werden. Dadurch ist die Gefahr, dass die Kräuter erfrieren, geringer», rät Remo Vetter. Zudem seien die Samenstände vieler Kräuter eine Zierde im winterlichen Garten.


Pflanzenschutz

Läuse, Schnecken und Pilzkrankheiten setzen auch Heilkräutern zu. «Da man bestimmte Teile der Pflanzen verarbeiten will, ist eine biologische Bekämpfung ein Muss», sagt Bina Thürkauf. Läuse werden von Hand abgestreift und Schnecken eingesammelt. «Zudem können Kräutergärtner mit einfachen Mitteln Nützlinge anlocken», ergänzt Vetter.

Asthaufen sind ein ideales Zuhause für Igel. Steinhaufen und Trockenmauern locken Salamander, Eidechsen und Blindschleichen an. Tontöpfe, mit Holzwolle gefüllt und umgekehrt auf einen Bambusstab gesteckt, bieten Ohrwürmern Zuflucht.

Um die Pflanzen zu stärken und Schädlingen und Krankheiten vorzubeugen, können wiederum Heilkräuter eingesetzt werden: «Ich pflücke abends jeweils Beinwell und Brennnesseln, lege sie 24 Stunden in die Spritzkanne und giesse die Pflanzen mit der Tinktur», gibt Vetter einen weiteren Tipp.


Gut geschnitten ist halb geerntet

Wer beim Ernten einige Regeln beachtet, kann das Aroma und die Wirkstoffe der Heilkräuter optimal nutzen:

  • Kräuter schmecken frisch am besten. Schneiden Sie die Pflanzen deshalb immer erst kurz vor der Verwendung.
  • Kurz vor der Blüte haben Kräuter das beste Aroma. Falls Sie die Kräuter trocknen oder einfrieren möchten, ist der späte Vormittag – unbedingt aber vor der Mittagshitze – die beste Erntezeit des Tages. Achten Sie darauf, dass die Blätter der Pflanzen beim Ernten trocken sind.
  • Gehen Sie liebevoll mit den Kräutern um. Nicht an der Pflanze herumrupfen: Benutzen Sie zum Ernten eine Schere oder ein scharfes Messer.
  • Zwar trägt eine regelmässige Ernte dazu bei, dass sich die Pflanzen stärker verzweigen. Schneiden Sie jedoch nie alle Triebe einer Pflanze ab, sonst kann sie sich nur sehr langsam wieder erholen.
  • Verwenden Sie für äusserliche und innerliche Anwendungen nur Pflanzen, über die Sie sich gründlich informiert haben. Manche Heilpflanzen sind giftig: Schon die Berührung kann unangenehme Folgen haben!


Buchtipps

  • Johann Künzle/Peter Oppliger: «Chrut und Uchrut», AT Verlag 2008, ca. 20 Franken.
  • Gerda Tomieporth: «Hildegard von Bingen – Das Gartenbuch», Gesundheit und Heilkraft aus eigenem Anbau. BLV Buchverlag, ca. 35 Franken.

 

18. August 2008 | HELEN WEISS


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