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Artikel | Haus & Garten 03/2008

Champignons aus dem Stadtpark

Pilze wachsen nicht nur im Wald. Sie spriessen auch prächtig in Parks und Vorgärten mitten in der Stadt. Einige Sorten sind sogar essbar.


Es gibt erstaunlich viele «Stadtpilze»: Man findet sie mitten in Zürich, etwa in den Wohnquartieren von Oerlikon, Höngg und Schwamendingen. «Sie wachsen auf Rasenflächen vor Wohnblocks, in städtischen Vorgärten, an Bächen und Bushaltestellen, am Stadtrand und in Parks», sagt Pilz-Fachmann Ruedi Winkler. Das gelte übrigens fürs ganze Mittelland.

Am besten gedeihen solche Pilze an Orten, «wo man keine intensive Gartenarbeit verrichtet. Dies wahrt das natürliche Gleichgewicht», sagt Winkler, der als Naturpädagoge bei Grün Stadt Zürich und nebenamtlich als Instruktor für Pilzkontrolleure arbeitet.

Wer seinen Garten gut beobachtet oder wachen Auges durch die Stadt flaniert, sieht vielerorts Pilze. Oft finden sie sich in unmittelbarer Nähe von Bäumen. Eine stattliche Anzahl davon kann man sogar essen.


Diese Pilze sind ein Genuss

  • Steht eine Kiefer im Garten, wachsen dort häufig die essbaren gemeinen Erdritterlinge oder die gilbenden Erdritterlinge. Aber Vorsicht: Beide sind leicht zu verwechseln mit dem zwar seltenen, jedoch sehr giftigen Tigerritterling. Manchmal findet man auch den Lilastil-Rötelritterling.
  • Der Goldröhrling mit seiner leuchtenden Farbe gilt vielen Pilzliebhabern als Leckerbissen.
  • Der aderige Morchelbecherling verströmt einen starken Chlor-Geruch (verliert sich beim Kochen), schmeckt aber gut.
  • Das Judas-Ohr lebt hauptsächlich in abgestorbenem Holundergeäst und gleicht dem Mu Err, einem chinesischen, gallertartigen Pilz.
  • Eierschwämme spriessen gerne bei Fichten und Buchen, Steinpilze mögen auch Eichen.
  • Spitzmorcheln sind sehr delikat. Gute Speisepilze sind auch der Nelken-Schwindling, der Mai-Pilz, verschiedene Champignons-Arten wie etwa der Trottoir-Champignon, der Birkenpilz, der Schopf-Tintling und der wohl meistverzehrte Wildpilz, der Hallimasch.
  • Der Hallimasch gilt als Forst-Schädling. Über seine Qualitäten als Speisepilz gehen die Meinungen auseinander. Fachmann Winkler rät, den Hallimasch zu rüsten, in heissem Wasser kurz abzukochen, das Kochwasser wegzuschütten und die Pilze anschliessend zu braten.


Ein Pilzgärtchen anlegen

Pilze gedeihen an einem feuchten Standort üblicherweise ohne unser Zutun. Trotzdem kann man etwas nachhelfen. «Speisepilze lassen sich mit einer Pilzbrut an einem schattigen Platz im Vorgarten ziehen», sagt Winkler. Die Pilzbrut aus Sporen und Myzel-Kulturen (Pilzgeflecht unter der Bodenoberfläche) kauft man im Fachhandel. Erhältlich sind unter anderem Kräuterseitlinge, Stockschwämme, Braunkappen, Austernpilze und Shiitake.

Man unterscheidet Körner- oder Dübelbrut. Damit werden Holz oder Strohballen geimpft. «Man sägt in einige Baum-stämmchen mehrere Einschnitte und versenkt die Körner darin. Dübelbrut wird in vorher gebohrte Löcher gebracht», erläutert der Pilz-Experte. Danach klebt man die Impfstellen mit Plastik ab und bedeckt die Hölzer an einem geschützten Ort mit Stroh, Blättern oder Ästen.

Nach zwei bis vier Monaten hebt man an einem schattigen, windstillen und feuchten Plätzchen eine Pflanzgrube aus, entfernt den Plastik vom Stamm, pflanzt diesen zu zwei Dritteln in die Grube und häufelt Erde auf. Darüber kommt Stroh und Humus. Nach zwei bis zehn Monaten werden die ersten Pilze sichtbar.


Essbar oder giftig?

Pilz-Experte Ruedi Winkler hat ein PC-Programm entwickelt, mit dem sich Pilze relativ einfach bestimmen lassen. Im Computer gibt man die typischen Merkmale ein, und über ein Ausschlussverfahren findet man heraus, um welche Art es sich handelt. Dazu gibt es Beschreibungen und Abbildungen zu den Pilzen. Neulingen bietet die CD «2000 Pilze» einen Einstieg in die Materie, Fortgeschrittene können das Programm mit eigenen Bildern und Texten erweitern. Allerdings rät Winkler allen, die sich mit Pilzen kaum auskennen, vor dem Verzehr immer einen Pilz-Kontrolleur aufzusuchen.

Die CD kann man auf der Webseite www.pilze.ch bestellen. Je nach Version kostet sie zwischen 75 und 125 Franken. Auf der Homepage finden sich zudem Links zu Organisationen, die sich mit Pilzen befassen.

18. August 2008 | REGINE ELSENER


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