Artikel | Haus & Garten 03/2008
Bekennen Sie Farbe!
Rot regt an, Blau beruhigt: Haus & Garten illustriert, wie man in Räumen gezielt Farbakzente setzt.
Leuchtende Farben waren in Schweizer Wohnungen lange nicht erwünscht – jedenfalls nicht als Wandfarben. Weiss war jahrzehntelang der Standard, und noch heute dominieren in vielen Wohnungen reinweisse Wände oder Wände in leicht abgetöntem Weiss.
Als Grundfarbe macht Weiss natürlich Sinn: Sie wirkt neutral und unauffällig. Und beim Platzieren von farbigen Einrichtungsgegenständen hat man vor einem weissem Hintergrund viele Möglichkeiten. Allerdings wirkt Weiss auf Dauer auch monoton.
Das lässt sich jedoch korrigieren: Farben sind ein sehr wirkungsvolles und einfaches Mittel, die «Grundstimmung» in einem Raum zu korrigieren. Je nachdem vergrössern oder verkleinern sie optisch den Raum, verändern die Atmosphäre und sogar das Temperaturempfinden. Wie unterschiedlich die Wirkung von Farben und von Farbkombinationen in Wohnräumen sein kann, zeigen die Bildbeispiele auf diesen Seiten.
Farbe dosiert einsetzen
Wer den eigenen vier Wänden einen frischen Anstrich verpassen will, sollte einige Grundregeln beachten – insbesondere bei der Auswahl der Farben. Denn die Stimmung eines Raumes wird stark durch farbige Wände beeinflusst. Die Wirkung eines farbigen Sofas oder eines bunten Wandbildes ist demgegenüber deutlich geringer.
Daher gilt: Bei der Wahl von Wandfarben sorgfältig vorgehen und Farben dosiert einsetzen. Gerade mit leuchtenden Farben lassen sich schöne Effekte erzielen, wenn die Akzente sparsam gesetzt werden. Zudem verändert sich die Wirkung jeder Farbe durch die Kombination mit anderen Farben. Um nicht nach dem Anstrich unliebsame Überraschungen zu erleben, sollte man zunächst eine «Probephase» einschalten:
- Wirkung von Farben bei verschiedenen Lichtverhältnissen und aus unterschiedlichem Abstand prüfen.
- Zum Ausprobieren ein Muster bemalen (z.B. dickes Papier, Rückseite einer Tapete, bunte Tücher) und in der Mitte der vorgesehenen Wand befestigen.
- Ein Stoffmuster zum Ausprobieren über ein Sofa legen oder vor ein Fenster hängen.
- Idealerweise gehört Farbe in einem Raum an jene Wand, die am meisten von natürlichem Licht beschienen ist. Farben wirken umso grauer, je weniger Licht auf sie fällt.
Farbe schafft Atmosphäre
Natürlich entscheiden auch persönliche Vorlieben über den Einsatz einer bestimmten Farbe. Die Wirkung im Raum unterliegt trotzdem farbpsychologischen Gesetzmässigkeiten (siehe «Farben und ihre Wirkung» unten): Selbst wenn jemandem eine dunkle Farbe gefällt, wird sie einem Raum eine eher düstere, dunkle Atmosphäre verleihen. Aus diesem Grund sollten dunkle oder intensive Farben nicht vollflächig eingesetzt werden. Sie eignen sich eher für kleine Flächen und kleine Akzente.
- Warme Farben schaffen Nähe und eine persönliche, gemütliche Atmosphäre. Sie wirken anregend und aktivierend. Sie sind geeignet für Räume in Richtung Norden und für Zimmer, wo man häufig sitzt.
- Kalte Farben schaffen Distanz und vermitteln den Eindruck von Sachlichkeit und Funktionalität. Sie wirken beruhigend, kühlend und erfrischend. Sie eignen sich für Räume mit viel Sonneneinstrahlung und für Räume, die zum Entspannen dienen.
- Helle Farben wirken leicht und freundlich, vermitteln den Eindruck von Weite und lassen Räume grösser erscheinen. Empfehlenswert daher für kleine Räume.
- Dunkle Farben wirken begrenzend, einengend, umschliessend, können Geborgenheit vermitteln. Sie lassen Wände mehr hervortreten und verkleinern Räume optisch.
Farben kombinieren
Ein interessantes Gestaltungselement ist das Zusammenspiel mehrerer Farben in einem Raum. Als harmonisch gilt die Kombination von Komplementärfarben: Das sind Farbtöne, die sich im Farbkreis gegenüberstehen (siehe Grafik im pdf-Artikel), also die Kombination Gelb/Violett, Rot/ Grün, Blau/Orange.
So kann man beispielsweise einem Esszimmer mit einem warmen, hellen Gelb eine anregende Grundstimmung verleihen. Sie lässt sich akzentuieren durch ein in der Komplementärfarbe Violett gehaltenes Muster. Die Zweitfarbe gehört nicht unbedingt als Anstrich an die Wand: Vorhänge, ein Tischtuch, Bilder, Möbel oder ein Teppich eignen sich ebenfalls.
Damit kräftige Farbtöne nicht allzu aufdringlich wirken, hilft es, die Farbe auch anderswo im Raum einzusetzen, etwa bei den Vorhängen, beim Sofa, auf dem Teppich.
Farben für jeden Raum
- Eingangsbereich: Geeignet sind helle Töne und kühle Pastellfarben. Flure sind häufig eng, dunkle Farben lassen sie noch enger erscheinen.
- Wohnzimmer: Da es häufig mit Möbeln, Dekorationen und Ablagen verdeckt ist, empfiehlt sich der dosierte Einsatz von Farbe. Also beispielsweise nur eine Wand farblich verändern – etwa die Wand, vor der die Polstermöbel stehen. Für den Wohnbereich empfehlen sich warme Farben wie Rot, Orange, Gelb, Braun, Grün.
- Esszimmer: Helle Farbtöne wie Gelb, Grün, Hellgrün, Orange, Rot (als Akzent, zum Beispiel in Kombination mit Weiss) sind günstig. Grau verdirbt den Appetit.
- Schlafzimmer: Farbtöne in zartem Pastell, Blau in verschiedenen Nuancen. Auch Grüntöne können beruhigend und ausgleichend wirken.
- Kinderzimmer: Kindgerecht muss nicht unbedingt bunt heissen. Persönliche Vorlieben des Kindes berücksichtigen. Allerdings: Rot macht aggressiv.
- Bad: Ideal sind Weiss und gebrochen weisse Farbnuancen.
- Arbeitszimmer: Günstig sind zarte Gelb- und Grüntöne. Blau fördert die Konzentration, Gelb/Orange wirkt kommunikativ und fördert die Kreativität.
Farben und ihre Wirkung
- Gelb: Gelbtöne sorgen für eine fröhliche Stimmung. Vanillegelb stimmt positiv, Zitronengelb hat Signalwirkung. Rötliche Gelbtöne wirken behaglich und wärmend, grünliche Gelbtöne frisch und kühl. Bei Zimmern mit wenig Tageslicht bringt eine gelbe Wandfarbe eine spürbare Aufhellung.
- Orange: Wirkt stimulierend, strahlt Wärme und Gemütlichkeit aus. Ideal für Küche und Esszimmer.
- Rot: Impulsive Farbe, gilt als dynamisch, aggressiv und anregend. Für einen ruhigen Schlaf empfiehlt sich Rot allerdings weniger: Es kann auch unruhig, gereizt machen.
- Violett: Wirkt feierlich, macht passiv und beruhigt. Für den Eingangsbereich geeignet.
- Blau: Entspannt und gleicht aus, erzeugt «Weite», beruhigt. Viele Blautöne eignen sich für Bad und Schlafzimmer. In sehr sonnigen Räumen lässt sich zum Ausgleich Blau einsetzen – die Temperatur wird dann als kühler empfunden.
- Grün: Wirkt ausgleichend, vermittelt Geborgenheit und regt zu Kreativität an.
- Rosa: Besänftigt und baut Aggressionen ab.
- Ocker, Beige, Umbra: Wärmen, beruhigen, strahlen Geborgenheit aus.
- Türkis: Erzeugt eine kühle Atmosphäre.
18. August 2008 | STEFAN CHRISTEN
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