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Viele Eltern geben ihren Kindern Fruchtsäfte statt Süssgetränke – weil sie annehmen, Saft sei ein gesunder Durstlöscher. Ein Irrtum. Fruchtsäfte enthalten zwar Vitamine und Ballaststoffe – aber auch sehr viel Zucker.
Die Temperaturen steigen, der Körper verlangt nach Flüssigkeit. Viele Durstige meiden Süssgetränke der Kalorien wegen – und greifen zu Fruchtsäften. Ein fataler Trugschluss: In ihnen steckt genauso viel Zucker wie in Cola oder Fanta. Denn Früchte enthalten grosse Mengen an natürlichem Zucker, vor allem Traubenzucker (Glukose) und Fruchtzucker (Fructose).
So enthält ein Liter Orangensaft aus 100 Prozent Frucht mindestens 90 Gramm Zucker, ein Liter Multivitamin-Saft über 100 Gramm. Das ist die doppelte Menge, die ein Erwachsener am Tag zu sich nehmen sollte, sonst droht Übergewicht. Dies sagt die Weltgesundheitsorganisation. Bei Kindern ist der Grenzwert deutlich niedriger. Kommt hinzu: Bei Säften aus Früchten, die von Natur aus eher sauer schmecken, darf der Hersteller zusätzlich noch bis zu 15 Prozent Haushaltszucker beimischen, bei Fruchtnektaren gar bis zu 20 Prozent.
Frisches Obst ist immer besser als Saft
Für Ute Alexy vom deutschen Forschungsinstitut für Kinderernährung ist klar: «Obst ist immer besser als Saft.» Ein Fruchtsaft sollte höchstens eine Obstportion im Tag ersetzen. Ernährungsfachleute empfehlen deren zwei pro Tag. Denn mit dem Fruchtsaft führt man dem Körper mehr Kalorien zu als mit frischem Obst.
So steckt in einem Liter Hohes C der Saft aus zwei Kilogramm Orangen. Für einen Liter Apfelsaft braucht es mindestens ein Kilogramm Äpfel. Kein Mensch würde so viel Obst auf einmal verzehren. Getrunken ist ein Liter jedoch schnell, denn beim Saft fehlen die Faserstoffe der Frucht, die ein Sättigungsgefühl auslösen.
Marion Wäfler von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung warnt: «Saft sollte man nicht als Durstlöscher einsetzen.» Dazu eignen sich besser Wasser und andere ungesüsste Getränke wie Kräuter- oder Früchtetee. Auch Apfelschorle sollte man mindestens im Verhältnis 2 :1 mit Mineral- oder Leitungswasser verdünnen. Wäfler: «Eltern sollten ihr Kind nicht an den süssen Geschmack gewöhnen.»
Die Folge von zu viel Süssgetränken und Säften ist programmiert: Übergewicht. Das zeigen Untersuchungen des deutschen Forschungsinstitutes für Kinderernährung. Das Institut analysiert seit 1985 die Ernährungsgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen.
So zeigt eine ihrer Studien: Je mehr Softdrinks und Fruchtsäfte Mädchen konsumieren, desto mehr nehmen sie zu. Der Forscher Lars Libuda hat die Studie begleitet. Er sagt: «Bei Säften ist der Effekt besonders stark zu beobachten.» Bei Knaben setzt der Effekt erst nach der Pubertät ein. Burschen benötigen in der Pubertät mehr Energie.
Zu viel Fruchtzucker ist ungesund
Forscher vermuten, dass vor allem der Fruchtzucker für die Gewichtszunahme verantwortlich ist. Denn Studien weisen vermehrt darauf hin, dass zu viel Fructose
Aber davon wollen die Hersteller von Fruchtsäften nichts wissen. Monika Christener von der Rivella AG, die auch die Fruchtsaftmarke Michel vertreibt: «Wir deklarieren den Energiegehalt unserer Produkte transparent. Für Gewichtsprobleme ist neben einer unausgewogenen Ernährung oft auch akute Bewegungsarmut ausschlaggebend.»
Die Henniez SA, Herstellerin der Fruchtsäfte Granini und Hohes C, wollte sich dazu gegenüber dem Gesundheitstipp nicht äussern.
30. Juni 2008 | Andreas Grote
