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Artikel | saldo 12/2008

Gefahren werden verharmlost

Kosmetische Botox-Behandlungen können ernsthafte Nebenwirkungen haben. Doch die Ärzte verschweigen die Risiken.


Vor zwei Jahren spritzte ein Arzt einer heute 79-jährigen Frau aus Binningen BL Botox in die Augenbrauenpartie. Seitdem hängt ihr der rechte Mundwinkel herunter. «Solche Lähmungen sind eine mögliche Nebenwirkung von Botox», erklärt Arzt und Pharmaexperte Etzel Gysling. Das Nervengift wirke oft nicht nur dort, wo es gespritzt werde. Es breite sich auch in anderen Muskeln aus.

Die Folgen der kosmetischen Anwendung von Botox können fatal sein: US-Konsumentenschützer entdeckten in der Datenbank der US-Arzneimittelbehörde FDA von 1997 bis 2006 insgesamt 18 Berichte über ernste Nebenwirkungen kosmetischer Anwendungen. Eine 47-Jährige starb nach einer Botox-Faltenbehandlung an Lungenentzündung. Konsumentenschützer gehen von einer grossen Dunkelziffer aus, da es keine Meldepflicht gibt.

Die Schweizerische Heilmittelbehörde Swissmedic registrierte bisher fünf Fälle von Nebenwirkungen bei kosmetischen Eingriffen. Sie warnte deshalb kürzlich vor den Risiken des Botox-Wirkstoffs Botulinum-Toxin beim Einsatz zu kosmetischen Zwecken.


Bei Spritzen in den Hals Gefahr des Erstickens

Zu den möglichen Risiken gehören Lähmungen, Schluck- und Atemprobleme bis hin zum Erstickungstod, falls der Stoff in den Hals gespritzt werde. Aber trotz dieser Warnungen verharmlosen Ärzte Botox-Spritzen. So behauptet etwa die Berner Augenpraxis Haldimann im Internet, dass bei Botox «weder Nebenwirkungen im Körper noch Langzeitprobleme» bekannt seien. Betreiber Thomas Haldimann will sich dazu nicht äussern. Auch die auf Botox-Eingriffe spezialisierte Zürcher Firma Smoothline schreibt in ihrer Broschüre: «99 % aller Botox-Behandlungen sind komplett frei von Nebenwirkungen.» Sollten sie dennoch auftreten, seien sie «milde und vorübergehend». Dan Iselin von Smoothline bestreitet den Vorwurf der Verharmlosung: «Bei fachgerechter Anwendung von Botulinum-Toxin ist das Risiko äusserst gering.» Zudem arbeite der Arzt nur mit homöopathischen Dosen.

Eine kosmetische Botox-Anwendung hat Swissmedic bisher genehmigt: die bei Stirnfalten über der Nasenwurzel. Viele Betroffene litten an starken Kopfschmerzen, das Botox lindere diese, erklärt eine Swissmedic-Sprecherin. Zudem sei diese Behandlung sicher.

23. Juni 2008 | Eric Breitinger


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