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Eine saldo-Recherche zeigt: In InternetNetzwerken werden viele private Daten preisgegeben. Das kann die Karriere gefährden.
Alte Kameraden finden, Kontakte zu Berufskollegen knüpfen und Freundschaften aufbauen – das alles ist in sogenannten Social Networks wie Facebook.com oder Linkedin.com möglich. Anders als auf Chat-Plattformen melden sich die Nutzer von Social Networks nicht mit einem Nicknamen, sondern mit ihren echten Personendaten an und erstellen ein Profil von sich. Denn jeder, der mitmacht, will möglichst schnell gefunden werden.
Nach einer einfachen Registrierung sind alle Daten einsehbar
Tausende haben sich bereits registriert. Für Dritte ist es einfach, an diese persönlichen Daten zu gelangen. Bei vielen Netzwerken reicht es, wenn man sich mit einer E-Mail-Adresse registriert. saldo hat den Test gemacht und festgestellt, dass viele Personen naiv mit höchst sensiblen Daten umgehen.
Beispiele: Die 22-jährige Medizinstudentin Melanie präsentiert sich freizügig auf einer Bilderstrecke im Studentennetzwerk Studivz und zählt Pornostar Jenna Jameson unter der Rubrik «Freunde» auf. Einige Studenten schrecken auch nicht davor zurück, ihre Erfahrungen mit bisherigen Arbeitgebern öffentlich kundzutun. So schreibt eine Studentin, dass sie in einer Zürcher Starbucks-Filiale als Dumpinglohn-Empfängerin arbeitet und dabei ab und zu in den Kaffee der Kunden spuckt. Auf Myspace veröffentlicht eine Luzerner Hotelfachangestellte Bilder von sich, die sie offensichtlich beim Konsum von Marihuana zeigen.
Deutsche Personalberater holen sich Infos aus dem Netz
Viele Leute denken offenbar nicht daran, dass Daten im Internet auch nach Jahren noch zu finden sind. Das kann die Karriere gefährden. Denn zunehmend entdecken Personalvermittler und Headhunter das Internet. Laut einer Studie des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater nutzt knapp ein Drittel der deutschen Personalberater neben Bewerbungsunterlagen und Zeitungsanzeigen das Internet, um an Informationen über Kandidaten zu gelangen.
Grosse Schweizer Unternehmen wie die Schweizer Post oder die Adecco setzen bei der Kandidatensuche standardmässig noch immer auf traditionelle Informationsquellen wie Referenzen. «Es ist aber möglich, dass Vorgesetzte aus Interesse den Namen eines Bewerbers bei Google eingeben, um zu sehen, welche Informationen die Suchmaschine ausspuckt», sagt Post-Mediensprecher Oliver Flüeler.
Für Headhunter haben Business-Netzwerke wie Xing.com einen hohen Stellenwert. Die Personalvermittler können über diese Netzwerke Kontakt zu potenziellen Kandidaten aufnehmen und erhalten über deren Profile erste Informationen. Bernard S. Zen-Ruffinen von der Headhunteragentur Heidrick & Struggles sagt: «Zu 90 Prozent beschränken wir uns auf Business-Netzwerke, da wir darauf spezialisiert sind, hochqualifizierte Arbeitskräfte zu rekrutieren.» Freizeitplattformen wie Myspace würden nur vereinzelt konsultiert.
Wer wissen will, was über ihn im Internet zu finden ist, kann sich selbst googeln. Spezialisierte Personensuchmaschinen dringen noch tiefer ins Internet ein und sind fähig, auch die Ebenen der Social Networks zu durchforsten, ohne dass ein Registrierungsprozedere nötig wäre.
Auch vermeintlich gelöschte Daten sind auffindbar
saldo empfiehlt, seinen Namen mit den zurzeit vorhanden Personensuchmaschinen 123people.ch, Pipl.com, Yasni.de, Spock.com, Wink.com und Zoominfo.com zu überprüfen. Die neuen Suchmaschinen entdecken auch vermeintlich gelöschte Daten.
Wer im Netz ein positives Bild hinterlassen will, sollte:
Einmal im Internet, lassen sich Daten kaum wieder entfernen. Jeder kann zwar sein Profil in Social Networks wieder löschen, dies bietet aber keine Gewähr, dass Informationen nicht auf Websites von Dritten wieder erscheinen.
10. Juni 2008 | Andreas Schildknecht
