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Die Wollerauer Vita Confort Solutions AG dreht Kunden überteuerte Geräte zur Schmerzlinderung an. Experten zweifeln an deren Nutzen.
Ohne die «verrückten Schmerzen» in ihrer rechten Hüfte hätte Rosette Liechti das CMP 120 nie gekauft. Doch die Schmerzen begleiten sie seit einer Hüftoperation bei jedem Schritt.
Eines Tages stand ein Verkäufer der Vita Confort Solutions AG aus Wollerau SZ vor ihrer Haustür und bat, ihr ein Gerät zur Schmerzlinderung zeigen zu dürfen. «Ich wusste nicht, wie er auf mich gekommen war», sagt Liechti heute. Der Vertreter führte ihr das Gerät vor und versprach: «Dank ihm können Sie in zwei Wochen wieder tanzen.»
Der Verkäufer gab 300 Franken Rabatt beim Sofortkauf
Heute bestreitet er gegenüber saldo, diese Äusserung gemacht zu haben. Der Verkäufer bot ihr rund 300 Franken Rabatt, falls sie das Gerät gleich kaufe. Die 83-Jährige stimmte zu und zahlte für den Apparat 5500 Franken. Drei Mal am Tag bestrahlte sie ihre Hüfte mit «gepulsten Magnetfeldern», die das CMP 120 aussandte. «Doch das Gerät brachte mir nichts – ausser noch mehr Schmerzen», sagt Rosette Liechti.
Um den Kauf rückgängig zu machen, rief sie mehrmals beim Kundendienst an, bat den Verkäufer um Rückruf, doch dieser meldete sich nie.
Vita Confort verkaufte schon früher überteuerte Apparate
Vita Confort betont, noch nie negative Reaktionen von Kunden bekommen zu haben. Auch in diesem Fall sei alles korrekt abgelaufen. Geschäftsleitungsmitglied Marc Crausaz behauptet, dass die Kundin «telefonisch einen Termin vereinbart» und das Gerät ausprobiert habe. Vita Confort sei bereit, das Gerät zurückzunehmen, «jedoch nicht ohne Folgekosten».
Seit Oktober 2007 versucht Vita Confort, älteren, schmerzgeplagten Menschen das Magnetfeldtherapie-Gerät CMP 120 zu verkaufen. Der Verkaufsleiter bezeichnet seine Firma sogar «als Schweizer Marktführer». Zahlen will er keine nennen.
Zweifelhafte Elektrotherapie-Geräte verkaufte die Firma schon früher. Der «Kassensturz» deckte Ende 2005 ihre «miesen Geschäfte mit nutzlosen Rheumageräten» auf. Das TV-Magazin zeigte, dass der 5000 Franken teure Apparat nichts bei Arthrose und Arthritis half, obwohl Vita Confort das behauptete. Vergleichbare Geräte gab es ab 180 Franken. Pikantes Detail: Der damalige Firmenchef Roland de Vallier war zeitweilig FDP-Präsident von Rheineck SG.
Ob das neue Gerät mehr taugt als das alte, ist fraglich: Laut Benutzerhandbuch hilft das CMP 120 des französischen Herstellers GC Technology gegen fast alles, unter anderem gegen Arthrose, Rheuma, Hexenschuss, neuere Brüche, gefrorene Schulter und Kopfschmerzen. Zudem fördere es Vitalität, Verdauung und Entgiftung sowie die Erholung bei Sportlern. Denn das CMP 120 habe «eine positive Wirkung auf die Vitalfunktionen von Zellen, indem es ihnen ermöglicht, ein besseres elektrisches Gleichgewicht wiederzufinden».
Swissmedic rät vom Kauf solcher Geräte ab
«Das ist eine Vorspiegelung falscher Tatsachen», sagt dazu Otto Knüsel, ehemaliger Präsident der Schweizer Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation. Der versprochene Nutzen sei zu allgemein formuliert, die angebliche Funktionsweise wissenschaftlich nicht nachvollziehbar. Der Chefarzt beurteilt die Magnetfeldtherapie ohnehin skeptisch: In Einzelfällen könne sie Schmerzen lindern, «es gibt aber keine seriöse Studie, die eine Wirksamkeit bei einer klaren Indikation belegt». Das CMP 120 hält er für überteuert: «Der Gewinn der Anbieter ist hier vermutlich enorm.» Zu diesem Vorwurf bezieht Vita Confort auf Anfrage keine Stellung.
Die Heilmittelbehörde Swissmedic rät Schmerzpatienten vom Kauf solcher Apparate auf eigene Faust ab. «Wer starke Schmerzen hat, gehört in ärztliche Behandlung.»
27. Mai 2008 | Eric Breitinger
