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Artikel | Haus & Garten 02/2008

Bewegte Bilder im ganzen Haus

Für Digital-TV braucht es an jedem Fernseher eine teure Zusatzbox. Mit Netzwerklösungen kann man Sendungen aber in beliebig viele Räume übertragen.


Als Settop-Boxen bezeichnet man die meist hässlichen Kistchen, die digitale Signale für das TV-Gerät aufbereiten. Ob Digital-TV von Cablecom, Bluewin-TV oder per Satellit (Sat): ohne Box kein Bild. Wer also im Kinder- und Schlafzimmer fernsehen will, muss zusätzliche Boxen kaufen oder mieten. Das kostet zum Beispiel bei Bluewin-TV pro Monat 10 Franken zusätzlich.

Placeshifting (Ortsverschiebung) nennt sich eine günstigere Lösung, mit der man in jedem Raum fernsehen kann. Es braucht jedoch ebenfalls eine Box im Wohnzimmer. Man verbindet sie mit der Empfängerbox von Bluewin, Cablecom oder Sat und dem Fernseher.

Die Netzwerk-Box wandelt Fernsehbilder in Echtzeit in digitale Datenpäckchen um und schickt diese ins Heimnetzwerk. Das geschieht via Ethernetkabel oder drahtlos via Funk. Nun kann in jedem Raum und auch im Garten ein normales Notebook oder ein PC diese Datenpäckchen wieder aus dem Netzwerk fischen. Gemütlich und ortsunabhängig kann man dann Live-TV geniessen. Natürlich lässt sich aus der Ferne auch der Sender wechseln. Man drückt am Computer eine Taste, was in der Stube ein Infrarotsignal erzeugt. Dadurch schaltet die Empfängerbox auf einen anderen Sender um.


Auch fernsehen aus der Ferne ist möglich

Placeshifting-Lösungen gibt es von verschiedenen Herstellern. In der Schweiz ist PCTV to go (PCTTG) von Pinnacle stark verbreitet. Sämtliche Geräte mit Scart-Stecker können angeschlossen werden – also TV- und Satellitenempfänger, Videorekorder und DVD-Abspielgeräte.

Verblüffend ist die Bildqualität: Auf einem Computer ist sie kaum vom Original-Fernsehbild zu unterscheiden. Man kann parallel auf mehreren PCs eine Sendung schauen. Allerdings müssen sich dabei alle Zuschauer auf denselben Fernsehsender einigen.

PCTTG kann seine Fernsehbilder auch ins Internet übertragen. Hat man im Hotelzimmer einen guten Internetanschluss, startet man auf seinem Notebook das Fern-TV-Programm und identifiziert sich mit einem Passwort. Nun wird alles, was in der heimischen Stube zu empfangen ist, über das Netz an einen beliebigen Internetpunkt in der Welt übertragen. Allerdings ist die Bildqualität dabei deutlich reduziert. Ein weiterer Nachteil: PCTTG funktioniert nur unter Windows.


Ein USB-Stick macht den Computer zum Empfänger

Universeller ist die Lösung von Slingmedia: Slingbox Pro versteht sich auch mit Mac, das TV-Bild lässt sich sogar auf Handys verfolgen. Ferner hat die Slingbox Anschlüsse für vier Geräte und unterstützt hochaufgelöste Fernsehbilder (HD-TV). Leider hat Slingmedia keinen offiziellen Händler in der Schweiz. Wer die Box via Internet kauft, zahlt rund 400 Franken.

Auch Sony beschäftigt sich mit Fernsehverteilung. Das erste Modell (LF-PK1) ist allerdings nicht mehr im Handel – und das Nachfolgemodell LF-V30 gibts erst in den USA für rund 200 Dollar. Bei Sony können Fernsehübertragungen auch auf der tragbaren Spielkonsole PSP betrachtet werden.

Wer über eine Hausantenne Fernsehen schauen will, muss auf DVB-T umsteigen. Dabei werden die Landessender wie gewohnt «durch die Luft» – aber digital – übertragen. Neue TV-Geräte können oft DVB-T direkt empfangen.

Auch ein PC kann mit einem USB-Stick und einer 20 Zentimeter langen Antenne zum DVB-T-Empfänger werden. Mit dem rund 120 Franken teuren Pinnacle PCTV Nano Stick Ultimate wird eine Software mitgeliefert, damit das so empfangene Fernsehbild ebenfalls ins heimische Netzwerk übertragen werden kann.


Zattoo: gratis-programme aus dem Internet

Nicht zu verachten ist ein TV-Empfang ohne Zusatzgeräte. Unter www.zattoo.com lässt sich ein Programm für Windows und Mac herunterladen, das Live-TV direkt aus dem Internet empfängt. Unter den 42 Sendern sind die drei Sprachvarianten der SRG, Lokalsender wie TeleZüri, der Kultursender Arte und viele Privatsender. Mit einem schnellen Internetzugang kann man in verschiedenen Zimmern gleichzeitig unterschiedliche Stationen empfangen.

Zattoo lässt sich aber nur in der Schweiz voll nutzen. Zudem ist die Bildqualität nicht immer gut. Vor allem, wenn Hunderte Nutzer parallel ein Fussballspiel sehen wollen, stösst die Technik an ihre Grenze.

26. Mai 2008 | Kurt Haupt


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