SternSternSternStern (0)Kommentare lesen  Tags  Drucken  Beitrag weiterempfehlen

Artikel | K-Geld 03/2008

Grosse Verheissungen – bescheidene Leistungen

Versicherte mit Einmaleinlage-Police erhalten oft bloss die Hälfte dessen, was ursprünglich als Überschuss in Aussicht gestellt wurde.


Wer vor fünf, zehn oder gar fünfzehn Jahren eine Einmaleinlage-Police abgeschlossen hat, wurde von den Versicherungen mit hohen Überschussbeteiligungen geködert (siehe unten). Übrig geblieben ist wenig: In aller Regel müssen sich die Versicherten mit weniger als der Hälfte der prognostizierten Überschüsse begnügen (siehe Tabelle im pdf-Artikel).

Helvetia, Baloise, Swiss Life und Nationale Suisse zahlen in der Regel am meisten aus. Sie bilden bei der zehn- und der fünfzehnjährigen Laufdauer die Top Vier. Die Generali schüttet bei der Laufdauer von fünf Jahren die höchsten Überschüsse aus, liegt aber bei den beiden längeren Anlagedauern jeweils auf Platz acht. Die restlichen Versicherer teilen sich die mittleren und hinteren Plätze.

Vorsichtig war die Pax: Sie offerierte bei der fünf- und der zehnjährigen Laufzeit keine Überschussbeteiligung. Als Grund gibt sie an, die Anlagesätze für fünf- oder zehnjährige Bundesobligationen seien im Abschlusszeitpunkt bereits unter dem technischen Zins gewesen.

Auch die Zürich verzichtete bei der Laufdauer von fünf Jahren darauf, eine Überschussbeteiligung in Aussicht zu stellen. Die Hochrechnung mit den zu Beginn geltenden Überschusssätzen habe dies nicht zugelassen.

Auffallend sind die grossen Unterschiede zwischen den in Aussicht gestellten und den tatsächlich erfolgten Auszahlungen. Das ist unschön. Denn die Versicherten interessiert eigentlich nur, wie viel sie tatsächlich erhalten.


Der ausbezahlte Endbetrag ist entscheidend

K-Geld hat die Tabellen deshalb nicht nach der Differenz zwischen vorausgesagtem und tatsächlich ausgeschüttetem Bonus sortiert, sondern nach der Höhe des effektiv ausbezahlten Betrages.

So weist die Baloise zum Beispiel bei einer Laufzeit von fünfzehn Jahren die zweithöchste Differenz zwischen prognostiziertem und effektivem Überschuss auf, liegt aber dank der relativ hohen Gesamtsumme auf dem guten dritten Platz.

Bei einer fünfzehnjährigen Laufzeit weist die Pax mit 47 514 Franken die höchste, die Allianz mit 24 182 Franken die kleinste Differenz zwischen in Aussicht gestelltem und tatsächlich bezahltem Überschuss auf.

Die vollmundigen Versprechen der Pax mögen viele zum Versicherungsabschluss verleitet haben – mit Generali und Allianz wären sie jedoch tatsächlich schlechter gefahren.

Aber alle Gesellschaften haben deutlich zu hohe Überschüsse in Aussicht gestellt: Auch die Swiss Life, die insgesamt die höchste Auszahlung leistet, zahlt 31 231 Franken weniger als vorausgesagt.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Dauer von zehn Jahren. Die Zürich hat sich hier mit einer Differenz von 15 018 Franken am meisten verschätzt, die Groupe Mutuel mit 3786 Franken am wenigsten. Letztere zahlt aber auch am wenigsten aus, während die Zürich auf Platz sieben liegt. Am meisten zahlt die Baloise, allerdings auch sie 9337 Franken weniger als ursprünglich prognostiziert.

Bei einer Laufzeit von fünf Jahren lag die Generali, die am meisten auszahlt, mit 2236 Franken am weitesten daneben. Bei der kürzesten Laufdauer im K-Geld-Vergleich gibt es auch die einzige Ausnahme: Die Axa-Winterthur (Platz fünf bei den Auszahlungen) zahlt mit 105 287 Franken mehr als in Aussicht gestellt, nämlich 104 862 Franken.

Die meisten Versicherer konnten vor allem bei einer längeren Laufdauer die Überschüsse gemäss Offerte nur in den ersten Jahren einhalten. Doch dann platzte die Technologieblase und wenig später kam es zu den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York (11. September 2001). Die Aktien fielen in den Keller. Erhoffte Renditen waren plötzlich nicht mehr realistisch, die Versicherer reduzierten den Aktienanteil massiv.

Cornelia Frei von der Nationale Suisse sagt dazu: «Danach war nur noch eine Rendite knapp über dem garantierten technischen Zins möglich.» Und Angelika Gätzi-Staub von der Axa-Winterthur ergänzt: «Bei der Offertstellung war noch niemandem klar, welche Auswirkungen der Zusammenbruch der Börse haben wird.»


Überschüsse sind abhängig vom Börsenkurs

Amos Winteler von der Baloise macht den stetigen Zinsrückgang in den 90er- Jahren verantwortlich: «Das Zinsniveau unterschritt zwischenzeitlich sogar zuvor nie erreichte Tiefstände.»

Swiss Life habe fünf Jahre am prognostizierten Überschuss festhalten können, sagt Sprecher Frank Keidel. Danach habe man dem tiefen Zinsumfeld Rechnung getragen und den Überschuss gekürzt.

Fazit:
In Aussicht gestellte, aber nicht garantierte Überschüsse sind nichts mehr als Schönwetterprognosen: Solange die Börse rund läuft und das Zinsniveau hoch ist, solange sind auch die Überschüsse einigermassen gesichert. Ändern sich die Rahmenbedingungen, schmelzen die unverbindlichen Versprechungen mit den sinkenden Börsenkursen dahin.


Geld im Todes- wie im Erlebensfall

Die Einmaleinlage-Police ist eine gemischte Versicherung: Sie gelangt nicht nur im Todesfall, sondern auch im Erlebensfall nach Ablauf der vereinbarten Laufzeit zur Auszahlung. Die Prämie besteht aus einem Risiko- und einem Sparteil. Der Sparteil wird zum technischen (oder garantierten) Zinssatz angelegt.

Die Versicherung stellt nebst der garantierten Auszahlung in aller Regel zusätzlich einen Überschuss in Aussicht. Das garantierte Kapital beruht auf einer sehr konservativen Schätzung über den Zinsverlauf. Deswegen gelingt es den Versicherern normalerweise problemlos, eine leicht höhere Rendite zu erwirtschaften.

Die Schätzungen zu den nicht garantierten Überschüssen sind dagegen aus Marketinggründen meist derart optimistisch angesetzt, dass sie sich nur selten realisieren lassen.

24. Mai 2008 | Dajan Roman


Beitrag als PDF
Grosse Verheissungen – bescheidene Leistungen
Download PDF 57.33 KB
SternSternSternStern Artikel bewerten Stichwort hinzufügen
Artikel weiterempfehlen Artikel drucken

Kommentare (0)

 
Urheberrechte
Smartphones und Tablet-Computer sollen teurer werden. Grund ist eine neue Gebühr für Urheberrechte. Was halten Sie davon?
...zum Artikel
Das ist Unsinn. Beim Kauf von leeren CDs und DVDs ist die Gebühr schon enthalten.
Richtig so. Damit werden Künstler unterstützt.
Alle Umfragen

Verwandtes Buch
So sind Sie richtig versichert
So sind Sie richtig versichert
Die privaten Versicherungen im Überblick

Detail-Infos
Buchshop
 
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Die Bundesbetriebe sollen nicht Gewinn erwirtschaften, sondern den Bürgern einen guten und bezahlbaren Service bieten.
Verwandte Artikel
Versicherungen profitieren – auf Kosten der Prämienzahler Corner Bank: Teure und überflüssige Versicherung Kassenwechsel wird erschwert
Testsieger für Android-Handys
Testsieger für Android-Handys
Hunderte von Tests in der Hosen­tasche: Die neue App «Testsieger» machts möglich. (beide Apps haben den gleichen Inhalt)
Aktueller Ratgeber
Aktueller Ratgeber
Die Steuerabzüge für Angestellte und Selbstständige (16. Auflage 2012)
Aktuelle Beratungstexte
Hat mein Bruder einen Pflichtteil zugut? Muss ich den Vermieter für die Umtriebe entschädigen? Darf mein Chef Beiträge an AHV, IV und EO abziehen? Alle Beratungs-Artikel
Aktuelle Tests
Elektro-Rasenmäher IPL-Enthaarungsgerät Pommes frites Alle Test-Artikel
Aktuelle Diskussionen
24.05.2012, 13:37 | 4 AntwortenWoher kommen die Albträume? 24.05.2012, 13:28 | 7 AntwortenWas hilft gegen Cluster-Kopfweh? 24.05.2012, 13:27 | 3 AntwortenMyom: Welche Operation ist empfehlenswert? 24.05.2012, 13:26 | 4 AntwortenWie bringe ich den Zungenbelag weg?
Benutzer-Favoriten