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Immer häufiger bieten Hersteller Alternativen zu fetten Kartoffel-Chips an. Jetzt zeigt eine Degustation des Gesundheitstipp: Kinder mögen die meisten davon nicht.
Die 10-jährige Laura schaut skeptisch auf die seltsam geformten gelben Möckli auf dem Teller. «Ich probiere erst mal ein kleines», sagt sie und schiebt ein Stück in den Mund. Laura verzieht das Gesicht: «Die sind aber komisch!»
Die gelben Möckli sind Frucht-Chips aus gefriergetrockneten Mangos. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe solcher Frucht- und Gemüse-Chips zu kaufen. Sie sollen eine gesunde Alternative bieten zu den seit Jahren erhältlichen fetten Knabbereien. Nun hat sich die Schweizer Firma Healthy & Snacky sogar ganz auf gesunde Snacks spezialisiert und verkauft sie per Internet.
Doch viele Kinder mögen Gemüse- und Frucht-Chips nicht. Das ergab eine Degustation mit zwanzig Viertklässlern aus Zürich. Für den Gesundheitstipp probierten sie zehn verschiedene Sorten und bewerteten diese mit den Noten 1 bis 6. Die Kinder wussten nicht, welche Sorten sie assen.
Auch fettreduzierte Chips schmeckten den Kindern
Das Resultat: Am beliebtesten waren Kartoffel-Chips. Diese erhielten von den Schülern im Schnitt die Note 5–6. Die Kinder machten keinen Unterschied zwischen gängigen und fettreduzierten Produkten. «Mmmh, so fein», sagte Jonah und schob sich davon gleich noch ein paar in den Mund.
Schlechte Karten hatten hingegen die Gemüse-Snacks. Die «Fine Food Vegetable Chips» von Coop und die Pastinaken-Chips aus dem Jelmoli fielen im Geschmackstest bei den Viertklässlern durch. Sie erhielten gerade mal eine 3–4. Vor allem das Urteil der Mädchen war vernichtend: «Mega gruusig», sagte Francesca zu den Fine Food Chips. Die Jungen fanden sie immerhin genügend.
Das Schlusslicht der Degustation bildeten die Snapz Karotten-Chips von Healthy & Snacky. Sie hatten bei den Kindern keine Chance und bekamen bloss eine 3. Auch die Frucht-Snacks aus Mango kamen schlecht an. Vier Kinder gaben ihnen die Note 1. Eines spuckte sie sogar wieder aus.
Fachleute zeigen sich über diese Ergebnisse nicht erstaunt. Bruno Knöpfli, Chefarzt der Alpinen Kinderklinik Davos, sagt: «Je mehr Kalorien und Fett, desto beliebter.» An solche Nahrung würden die Kinder früh gewöhnt. Für die Gesundheit sei dies verhängnisvoll, sagt Knöpfli.
Viel Fett allein genügt allerdings nicht, um bei den Kids zu punkten. Die Gemüse-Chips von Coop und Jelmoli haben praktisch gleich viel Fett wie gängige Kartoffel-Chips. Der ungewohnte Geschmack konnte die Kinder aber nicht überzeugen.
Knackiges Frischgemüse ist der bessere Snack
Die einzigen Alternativ-Snacks, die den Kindern schmeckten, waren Apfel-Chips. Die «Snapz Apfel mit Erdbeeraroma» und die «Apfel-Chips» aus dem Müller Drogeriemarkt erhielten von der Schulklasse die Note 5. Beide Produkte enthalten deutlich weniger Kalorien als gängige Chips und praktisch kein Fett.
Doch Kinderarzt Bruno Knöpfli rät: «Auch Frucht- und GemüseChips sind ein Genussmittel. Kinder sollten sie nur in kleinen Mengen essen.» Der beste Knabbersnack für Kinder sei knackiges Frischgemüse oder Süssholz.
Carine Buhmann, Ernährungsfachfrau vom Gesundheitstipp, bezweifelt zudem, dass Frucht- und Gemüse-Chips tatsächlich als Alternative genutzt würden «oder einfach zusätzlich, um das schlechte Gewissen zu beruhigen». Und wer Lust auf Salziges habe, werde nicht unbedingt Frucht-Snacks essen. Als fettärmere salzige Alternative zu Chips empfiehlt sie Popcorn, Salzstängeli oder Reiswaffeln.
Hersteller: «Fett brauchts für einen intensiven Geschmack»
Gabriela Kleiner, Geschäftsführerin von Healthy & Snacky, räumt ein: «Kinder empfinden Rüebli-Chips als zu ‹nature›.» Das sei bei allen Chips ohne Fett und Geschmacksverstärker so. Ihr RüebliProdukt mit Paprika käme bei Kindern besser an, sagt Kleiner.
Und die Columbus Vertriebs GmbH, welche Tyrrells Pastinaken-Chips in der Schweiz vertreibt, sagt: «Kinder sind nicht unser Zielpublikum.» Zudem seien Chips ein Genussmittel, das man nur in kleinen Mengen essen sollte. Das Fett brauche es für einen intensiven Geschmack.
Ähnlich argumentiert Coop: Die Gemüse-Chips seien nicht als fettreduziert deklariert und zum massvollen Genuss für Erwachsene gedacht. Kindern sei der Geschmack von Pastinaken, Süsskartoffeln und Randen fremd, deshalb lehnten sie die Snacks ab. Der Gesundheitsmarkt in Dietlikon nahm zum Abschneiden der Mango-Chips keine Stellung.
14. April 2008 | Sonja Marti
