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Der Dollar ist in der letzten Woche auf ein Rekordtief gefallen. Doch die Einsparungen werden nicht an die Konsumenten weitergegeben.
Der Dollarkurs sinkt und sinkt. Bald ist die US-Währung gleich viel wert wie der Franken. Bei Redaktionsschluss kostete ein Dollar Fr. 1.0088. Für die Konsumenten in der Schweiz ein Grund zum Jubeln: Denn wenn der Dollar kränkelt, werden Produkte aus den USA günstiger.
Doch eine saldo-Analyse zeigt: Die Wirklichkeit sieht anders aus. Vom Dollartief profitieren bisher lediglich die Importeure. Sie kaufen ihre Produkte zurzeit wesentlich günstiger ein, verkaufen sie aber zum alten Franken-Preis. So erhöht sich ihre Marge. Und der Handel blüht: Laut der Aussenhandelsstatistik des Bundes haben die Importe aus den USA allein im Januar 2008 gegenüber dem Vorjahr 8 Prozent zugelegt.
Reisebüros: Trotz tiefem Dollarkurs keine Rabatte
Die Konsumenten gehen leer aus. Beispiel Reiseanbieter Hotelplan: Dort freut man sich zwar über zweistellige Zuwachszahlen bei Reisen in die USA. Auf Anfrage erklärte Sprecherin Prisca Huguenin jedoch, die Angebote für die Kunden würden wegen des immer tiefer in den Keller sausenden Dollars nicht billiger. Ihre Rechtfertigung: Im umgekehrten Fall würde Hotelplan die Preise auch nicht erhöhen.
Das steht aber im Widerspruch zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von Hotelplan. Dort heisst es unter Punkt 3.5. «Preise/Preisänderungen: Es gibt Fälle, in welchen die in den Hotelplan-Prospekten angegebenen Preise aus besonderen Gründen erhöht werden müssen, wie zum Beispiel: Wechselkursänderungen. Sofern die Preiserhöhung 10 Prozent des ausgeschriebenen und von uns bestätigten Arrangementpreises übersteigt, haben Sie das Recht, innert 5 Tagen nach Erhalt der Mitteilung kostenlos vom Vertrag zurückzutreten.»
Mit anderen Worten: Bei einer Kursentwicklung zugunsten von Hotelplan profitiert allein das Reisebüro. Steigt hingegen der Dollarkurs, wird dies dem Kunden nachbelastet.
Hotelplan ist kein Einzelfall: Auch andere Reiseanbieter halten gegenüber saldo fest, dass sie ihre Preise trotz des tiefen Dollarkurses nicht nach unten korrigieren werden.
Auch beim Autokauf gibt es keine Währungsgeschenke
Auch in anderen Branchen bringt das Dollartief den Konsumenten nicht den erwarteten Segen. Beim Autoimporteur Chrysler will man den Kunden ebenfalls keine Währungsgeschenke machen. Sprecher Dominic Rossier: «Wir senken die Preise nicht.» Das wäre für eine Firma ihrer Grösse viel zu kompliziert und zu teuer: «Wir müssten beispielsweise alle Prospekte und Dokumentationen neu drucken», begründet Rossier die nicht gerade kundenfreundliche Haltung. Auch diese Ausrede ist schlecht gelungen: Beim Autokauf zahlt bekanntlich niemand die offiziellen Listenpreise.
Nicht besser sieht es bei Apple Schweiz aus. Auch die Importeurin des amerikanischen Computergiganten senkt die Preise der bisherigen Produkte nicht. Doch Sprecherin Andrea Brack verspricht: «Wir haben soeben unsere Neuigkeiten vorgestellt. Und bei diesen ist die aktuelle Dollar-Entwicklung einberechnet.»
Andere US-Exportschlager wie CDs, DVDs oder Computerspiele werden ebenfalls nicht billiger. Bei Computern und Geräten der Unterhaltungselektronik argumentieren Grossverteiler meist mit der Begründung, nur ein kleiner Teil der Produkte komme aus den USA, der Grossteil aus Fernost. Das stimmt tatsächlich. Sie vergessen aber zu erwähnen, dass Staaten wie Indien und China auch zum Dollarraum zählen.
Dass sich das Geschäft mit Unterhaltungselektronik für die Importeure mit Bestimmtheit lohnt, zeigt die jüngste Aufwärtsentwicklung in der Aussenhandelsstatistik. Dieser Bereich hat im Januar mit 20,5 Prozent klar am stärksten zugelegt. Der Anstieg wäre bestimmt nicht so deutlich, wenn Firmen jetzt mit TV-Geräten und Computern aus dem Dollarraum nicht ein gutes Geschäft machen könnten.
Profitieren kann nur, wer selbst in den USA einkauft
Wer zurzeit in der Schweiz vom schwachen Dollar profitieren will, muss selbst in die USA reisen. Flugtickets, Hotelübernachtungen und Automieten kann man auch ohne Schweizer Reisebüro direkt buchen. Und die Nebenkosten sind jetzt so tief wie seit Jahren nicht mehr. Wer zwei, drei Paar Jeans, einen Laptop, CDs und Computerspiele einkauft, der hat seinen Atlantikflug so gut wie schon «bezahlt».
Kaum ein Wunder übrigens, geht es an den Wechselstellen der SBB-Bahnhöfe momentan hoch zu und her. Weil der Dollarkurs so attraktiv wie seit Jahrzehnten nicht mehr ist, kaufen gemäss SBB-Sprecher Roland Binz viele Kunden 1000, 2000 oder auch mehr Dollar. Die einen zieht es tatsächlich in die USA in die Ferien, die anderen wollen bei einem späteren Kursanstieg Kasse machen.
17. März 2008 | Werner Fischer
