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Artikel | Haus & Garten 01/2008

Die kleine Revolution

Neue Akkus machen die kabellose Rasen- und Heckenpflege endlich praktisch. Sie sind leichter und lassen sich schneller aufladen.


Akkubetriebene Gartengeräte sind begehrt. Vor allem bei Rasenkantenscheren und Trimmern ist das Arbeiten ohne das störende Stromkabel viel einfacher. Doch der Akku war zugleich auch ein Schwachpunkt. Er musste zu schnell wieder an die Steckdose zum Aufladen, war schwer, entlud sich bei Nichtgebrauch von selbst und besass den sogenannten Memory-Effekt: Wurde der Akku aufgeladen, bevor er richtig leer war, sank die Leistung immer mehr.

Doch letztes Jahr haben die grossen Gartengerätehersteller wie Bosch, Gardena und Wolf damit begonnen, die alten Akkus durch die neueste Generation mit der Lithium-Ionen-Technik (Li-Ion) zu ersetzen. «Li-Ion-Akkus haben sich bereits im harten Einsatz auf Baustellen und bei Profigeräten etabliert», sagt Akku-Experte Gerold Neumann vom deutschen Fraunhofer-Institut für Siliziumforschung.

Da die Produktion der Li-Ion-Akkus zudem immer günstiger wird, können zunehmend auch Normalverbraucher von der neuen Technologie profitieren. Alle Gartengerätehersteller haben für dieses Jahr neue Modelle angekündigt. «Die Kunden interessieren sich sehr für Geräte mit der neuen Technologie», bestätigt Margrit Östergaard von Obi Schweiz.

Weil die Ladetechniken verschieden sind, lassen sich alte Akkus nicht austauschen – es muss ein neues Gerät gekauft werden. Doch die Vorteile der Li-Ion-Technik sprechen für sich:

  • Die Akkus sind leichter, kompakter und speichern trotzdem mehr Energie als die alten.
  • Schnelleres Aufladen: Nach einer Stunde hat der Akku 80 Prozent seiner Kapazität.
  • Kein Memory-Effekt mehr. Das heisst: Der Akku kann jederzeit aufgeladen werden, auch wenn er noch nicht leer ist.
  • Minimale Selbstentladung: Das ist praktisch bei Gartengeräten, die oft nur wenige Male im Jahr benutzt werden. Bei richtiger Lagerung (siehe Kasten «Pflegetipps») bleibt die gespeicherte Energie über Monate erhalten.

Einen Vergleich mit der Steckdose brauchen die neuen Akku-Geräte nicht zu scheuen: «Je nach Ausstattung bringen sie die gleiche Leistung wie ein Netzgerät», sagt Experte Neumann. Je nach Modell verspricht etwa Bosch, dass mit einer Akku-Ladung das Schneiden einer Hecke von 25 bis 50 Metern möglich ist.


Leiser, wartungsarmer – aber auch teurer

Die Rasenmäher von Wolf schaffen zwischen 150 und 300 Quadratmeter Rasen am Stück. Sie kosten deutlich mehr als vergleichbare Elektromäher, denn: Um auch bei hohem und nassem Gras die entsprechenden Leistungsreserven zu haben, enthalten die Geräte meist zwei oder drei der noch teuren 36-Volt-Akkus oder bieten – wie der Hybrid-Power-Rasenmäher von Wolf – die Möglichkeit für Netzbetrieb.

Neue Akku-Mäher sind leiser und wartungsarmer als Benziner. Ausserdem entstehen beim Mähen eines 500 Quadratmeter grossen Rasengrundstücks pro Jahr nur Stromkosten von etwa 4 Franken – da kann kein Benziner mithalten.


Unterschiede gibt es jedoch im Ladeprinzip


  • Bosch und Wolf verwenden bei den meisten Geräten herausnehmbare Akkus. Diese werden in einer externen Ladestation aufgeladen.
  • Gardena aber hat seine Akkus fest eingebaut. Zwar lassen sie sich im Bedarfsfalle leicht auswechseln, doch das Aufladen ist so weniger flexibel und der Einsatz eines Zweitakkus unmöglich. Unpraktisch ist es zudem, wenn das Gerät vor dem Einsatz beispielsweise im eiskalten Gartenhaus steht: Der Akku bringt dann nur wenig Leistung.
  • Bei Bosch und Wolf braucht man nur den Akku selbst aus dem Gerät herauszunehmen und im Keller oder Haus entsprechend zu lagern, um bei Bedarf gleich die volle Leistung zu haben.

Zum Preis

Durch die Umstellung auf die neue Akku-Technologie haben die Hersteller die Preise leicht angehoben. Im Gegensatz zu einem netzbetriebenen Gartengerät, das nur mechanisch altert, gibts bei einem akkubetriebenen Gerät auch Folgekosten. «Nach etwa zwei bis vier Jahren nimmt die Kapazität merklich ab», sagt Neumann.

Mit guter Akku-Pflege lässt sich der Alterungsvorgang der Akku-Zellen nicht aufhalten, aber zumindest verzögern (siehe «Pflegetipps» unten). Denn ein Ersatzakku war auch schon bei der Vorgängergeneration ein teurer Spass.


Pflegetipps: So bleibt der Akku länger fit


  • Li-Ion-Akkus sind empfindlich gegen extreme Temperaturen. Aufladen bei unter 5 Grad Celsius schadet dem Akku, zudem bringt er bei Kälte nicht die volle Leistung. Hitze über 60 Grad, wie im Auto bei Sommersonne, kann ihn im Extremfall zerstören.
  • Wird der Akku längere Zeit nicht benötigt: Aus dem Gerät entfernen (falls möglich), trocken, kühl und nur zur Hälfte aufgeladen lagern.
  • Die Speicherkapazität nimmt mit der Zahl der Ladevorgänge langsam ab. Den Akku daher nicht immer gleich nach jedem Gebrauch laden, sondern leerlaufen lassen und erst dann wieder aufladen. Wenns aber nicht anders geht: Li-Ion-Akkus haben keinen Memory-Effekt, können daher auch aufgeladen werden, wenn sie noch nicht leer sind.
  • Akkus haben eine sehr sensible Technik. Nur Original-Netzteil und -Aufladestation garantieren, dass der Akku ohne Schaden und Überhitzung optimal aufgeladen wird.

10. März 2008 | Andreas Grote


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