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Gartenarbeit macht auch Kindern Spass – sofern sie nicht «chrampfen» müssen, sondern kindergerecht zupacken dürfen.
Gärtnern mit Kindern ist nur was für Nervenstarke», schreibt Susanne in ihr Internet-Tagebuch – und zählt auf, was ihre vierjährige Tochter alles angerichtet hat, während sie selber sich um ihr Hügelbeet kümmerte: in andere Beete tiefe Löcher gegraben, diese mit Wasser und Steinen gefüllt, viel Gras zugegeben und Narzissen sowie Fliederäste als Verzierung drapiert.
Susanne hat erfahren, was Kinder im Vorschulalter im Garten am liebsten tun: «Sie wollen graben, hacken, schaufeln und sieben. Und sie geniessen es, mit Steinen, leeren Schneckenhäusern, Gräsern, Blumenköpfchen und Stecken zu spielen», sagt die Kindergärtnerin und Gartenberaterin für naturnahes Gärtnern, Christina Pulver. Pulver ist selber Mutter und hat schon verschiedentlich Kurse zum Thema Gärtnern mit Kindern geleitet.
Jedem kleinen Gärtner sein eigenes Beet
Gewiss kann es recht nervenaufreibend sein, wenn die Kleinen ihre Aktivitäten ausgerechnet im pflanzbereiten oder schon angesäten Beet entfalten. Christina Pulver empfiehlt deshalb, den Kindern eine Ecke, einen oder mehrere Plätze möglichst nahe den Erwachsenen und ein eigenes kleines Beet zu überlassen, in dem sie die Regie führen dürfen und ihr natürliches Bedürfnis, die Grossen nachzuahmen, stillen können.
Pulver unterstreicht, wie wertvoll das Gärtnern gerade für kleine Kinder sein kann: «Die Sinne werden angeregt und geschult, ebenso Grob- und Feinmotorik, Ausdauer und Kraft.» Abgesehen davon tut es Kindern zweifellos gut, an der frischen Luft aktiv zu sein.
Etwa ab Kindergarten- oder Schulalter kann und will der Nachwuchs auch Aufträge im Garten ausführen, sofern diese altersgerecht sind und gut erklärt werden. Laub rechen, Pflanzen giessen, bei Beet-Vorbereitung, Pflege und Ernte anpacken sind für die Kinder Herausforderungen, deren Bewältigung sie stolz macht.
Gleichzeitig bauen sie eine Beziehung zur Umwelt auf. Sie erleben Misserfolg, wenn die gepflanzte Sonnenblume einfach nicht wachsen will, aber auch Erfolg, wenn sie ihre Radieschen ernten können. Erfreulicher Nebeneffekt: Salat und Gemüse, bei manchen Kindern nicht sonderlich beliebt, schmecken plötzlich viel besser, wenn sie aus dem eigenen Garten stammen.
«Lassen Sie den Kindern bei der Arbeit Zeit»
In der guten Absicht, Kinder zu Gartenarbeit zu motivieren, schlummert allerdings auch die Gefahr, sie zu überfordern. «Lassen Sie ihnen bei der Arbeit Zeit, sonst verlieren sie die Freude. Es soll kein Erfolgszwang entstehen», rät Christina Pulver.
Grundsätzlich sollten Kinder nur Arbeiten ausführen, die sie verstehen können und denen sie auch körperlich gewachsen sind. «Ein Kleinkind Büsche schneiden oder einen schweren Sack Erde schleppen zu lassen, ist sicher verfehlt», so Pulver. Grösste Vorsicht ist bei gefährlichen Maschinen wie Rasenmäher und Heckenschere am Platz – auch weil solche Geräte nicht selten besondere Anziehungskraft ausüben.
Am besten Pflanzen, die duften oder essbar sind
Wenn es hingegen ums eigene Beet geht, darf man dem Kind ruhig die Hauptverantwortung überlassen. Die Grösse des Beetes richtet sich nach Alter und Fähigkeiten: Es sollte für 4- bis 5-Jährige nicht grösser als etwa 80 mal 80 Zentimeter sein, damit die Mitte vom Rand her erreichbar ist, später aber – sofern gewünscht – quasi mit dem Kind mitwachsen.
Im Vor- und Grundschulalter können Kinder noch nicht selber entscheiden, was sich zum Ansäen oder Pflanzen eignet. Sie brauchen deshalb eine Auswahl oder zumindest Ratschläge von Erwachsenen. Geeignet fürs Kinderbeet sind laut Pulver in erster Linie Pflanzen, die nicht viel Pflege erfordern und Kinder durch besondere Eigenschaften begeistern – etwa weil sie duften oder essbar sind. Giftpflanzen gehören auf keinen Fall dazu.
«Je nach Alter des Kindes und Grösse des Beetes können mehrere Sorten angebaut werden», erklärt Pulver. Bei der Auswahl sei aber auf Platzbedarf und Nachbarschafts-Verträglichkeit zu achten. «Zudem sollte man ohne chemische Dünge- und Pflegemittel arbeiten.»
Recht schwierig ist manchmal herauszufinden, wie weit man das Kind selbständig arbeiten lassen kann. «Bei Kindern im Vor- und Grundschulalter und bei unerfahrenen Kindern sind Anleitung und Begleitung sicher notwendig», sagt Christina Pulver. Arbeiten wie Hacken, Graben, Säen, Setzen, Giessen, Schneiden und Ernten verstehen sich nicht von selbst.
Allerdings sollten die Kinder nach entsprechender Einführung selber ihre Erfahrungen machen dürfen. Wer immerfort mit Ratschlägen oder gar Befehlen eingedeckt wird, entwickelt kaum Selbstvertrauen und schon gar keine Eigeninitiative. Tipps und Anweisungen sind für Pulver dann sinnvoll, wenn das Kind Fragen stellt, Hilfe verlangt oder – z. B. mit zu viel Giessen – einen Fehler zu machen droht, über den es nachher untröstlich sein könnte.
Fühlen, riechen, schmecken
Der Garten ist für Kinder ein sinnliches Erlebnis. Besonders faszinierend finden sie
10. März 2008 | Gery Schwager
