SternSternSternStern (0)Kommentare lesen  Tags  Drucken  Beitrag weiterempfehlen

Artikel | Haus & Garten 01/2008

Voller Einsatz im Kinder-Garten

Gartenarbeit macht auch Kindern Spass – sofern sie nicht «chrampfen» müssen, sondern kindergerecht zupacken dürfen.


Gärtnern mit Kindern ist nur was für Nervenstarke», schreibt Susanne in ihr Internet-Tagebuch – und zählt auf, was ihre vierjährige Tochter alles angerichtet hat, während sie selber sich um ihr Hügelbeet kümmerte: in andere Beete tiefe Löcher gegraben, diese mit Wasser und Steinen gefüllt, viel Gras zugegeben und Narzissen sowie Fliederäste als Verzierung drapiert.

Susanne hat erfahren, was Kinder im Vorschulalter im Garten am liebsten tun: «Sie wollen graben, hacken, schaufeln und sieben. Und sie geniessen es, mit Steinen, leeren Schneckenhäusern, Gräsern, Blumenköpfchen und Stecken zu spielen», sagt die Kindergärtnerin und Gartenberaterin für naturnahes Gärtnern, Christina Pulver. Pulver ist selber Mutter und hat schon verschiedentlich Kurse zum Thema Gärtnern mit Kindern geleitet.


Jedem kleinen Gärtner sein eigenes Beet


Gewiss kann es recht nervenaufreibend sein, wenn die Kleinen ihre Aktivitäten ausgerechnet im pflanzbereiten oder schon angesäten Beet entfalten. Christina Pulver empfiehlt deshalb, den Kindern eine Ecke, einen oder mehrere Plätze möglichst nahe den Erwachsenen und ein eigenes kleines Beet zu überlassen, in dem sie die Regie führen dürfen und ihr natürliches Bedürfnis, die Grossen nachzuahmen, stillen können.

Pulver unterstreicht, wie wertvoll das Gärtnern gerade für kleine Kinder sein kann: «Die Sinne werden angeregt und geschult, ebenso Grob- und Feinmotorik, Ausdauer und Kraft.» Abgesehen davon tut es Kindern zweifellos gut, an der frischen Luft aktiv zu sein.

Etwa ab Kindergarten- oder Schulalter kann und will der Nachwuchs auch Aufträge im Garten ausführen, sofern diese altersgerecht sind und gut erklärt werden. Laub rechen, Pflanzen giessen, bei Beet-Vorbereitung, Pflege und Ernte anpacken sind für die Kinder Herausforderungen, deren Bewältigung sie stolz macht.

Gleichzeitig bauen sie eine Beziehung zur Umwelt auf. Sie erleben Misserfolg, wenn die gepflanzte Sonnenblume einfach nicht wachsen will, aber auch Erfolg, wenn sie ihre Radieschen ernten können. Erfreulicher Nebeneffekt: Salat und Gemüse, bei manchen Kindern nicht sonderlich beliebt, schmecken plötzlich viel besser, wenn sie aus dem eigenen Garten stammen.


«Lassen Sie den Kindern bei der Arbeit Zeit»


In der guten Absicht, Kinder zu Gartenarbeit zu motivieren, schlummert allerdings auch die Gefahr, sie zu überfordern. «Lassen Sie ihnen bei der Arbeit Zeit, sonst verlieren sie die Freude. Es soll kein Erfolgszwang entstehen», rät Christina Pulver.

Grundsätzlich sollten Kinder nur Arbeiten ausführen, die sie verstehen können und denen sie auch körperlich gewachsen sind. «Ein Kleinkind Büsche schneiden oder einen schweren Sack Erde schleppen zu lassen, ist sicher verfehlt», so Pulver. Grösste Vorsicht ist bei gefährlichen Maschinen wie Rasenmäher und Heckenschere am Platz – auch weil solche Geräte nicht selten besondere Anziehungskraft ausüben.


Am besten Pflanzen, die duften oder essbar sind

Wenn es hingegen ums eigene Beet geht, darf man dem Kind ruhig die Hauptverantwortung überlassen. Die Grösse des Beetes richtet sich nach Alter und Fähigkeiten: Es sollte für 4- bis 5-Jährige nicht grösser als etwa 80 mal 80 Zentimeter sein, damit die Mitte vom Rand her erreichbar ist, später aber – sofern gewünscht – quasi mit dem Kind mitwachsen.

Im Vor- und Grundschulalter können Kinder noch nicht selber entscheiden, was sich zum Ansäen oder Pflanzen eignet. Sie brauchen deshalb eine Auswahl oder zumindest Ratschläge von Erwachsenen. Geeignet fürs Kinderbeet sind laut Pulver in erster Linie Pflanzen, die nicht viel Pflege erfordern und Kinder durch besondere Eigenschaften begeistern – etwa weil sie duften oder essbar sind. Giftpflanzen gehören auf keinen Fall dazu.

«Je nach Alter des Kindes und Grösse des Beetes können mehrere Sorten angebaut werden», erklärt Pulver. Bei der Auswahl sei aber auf Platzbedarf und Nachbarschafts-Verträglichkeit zu achten. «Zudem sollte man ohne chemische Dünge- und Pflegemittel arbeiten.»

Recht schwierig ist manchmal herauszufinden, wie weit man das Kind selbständig arbeiten lassen kann. «Bei Kindern im Vor- und Grundschulalter und bei unerfahrenen Kindern sind Anleitung und Begleitung sicher notwendig», sagt Christina Pulver. Arbeiten wie Hacken, Graben, Säen, Setzen, Giessen, Schneiden und Ernten verstehen sich nicht von selbst.

Allerdings sollten die Kinder nach entsprechender Einführung selber ihre Erfahrungen machen dürfen. Wer immerfort mit Ratschlägen oder gar Befehlen eingedeckt wird, entwickelt kaum Selbstvertrauen und schon gar keine Eigeninitiative. Tipps und Anweisungen sind für Pulver dann sinnvoll, wenn das Kind Fragen stellt, Hilfe verlangt oder – z. B. mit zu viel Giessen – einen Fehler zu machen droht, über den es nachher untröstlich sein könnte.


Fühlen, riechen, schmecken

Der Garten ist für Kinder ein sinnliches Erlebnis. Besonders faszinierend finden sie

  • das Fühlen und Riechen – z. B. von Gurkenkraut, Eselsohr (Wollziest), Lavendel, Rosma-rin, Pfefferminze und Zitronenmelisse
  • das Sehen und Pflücken – z. B. von Bartnelken, Löwenmäulchen, Sonnen-, Schlüssel-, Gänse- und Ringelblumen
  • das Probieren – z. B. von Erdbeeren, Kapuzinerkresse, Radieschen, Rüebli, Schnittlauch, Salat und Maggikraut

Achtung:
Auf gar keinen Fall dürfen giftige Pflanzen wie Eisenhut, Engelstrompete und Kirschlorbeer im Kinder-Garten wachsen. Eine Liste von Giftpflanzen finden Sie im Internet etwa unter www.botanikus.de.


So finden Kinder das gärtnern spannend


Gartenarbeit ist anstrengend, und Kinder brauchen Abwechslung. Wenn sie zwischen Arbeiten, Spielen, Ausruhen, Essen und Trinken variieren dürfen, verbringen Kinder gern einen Tag im Garten. Wichtig: Sonnenschutz und robuste Kleidung.

Mit eigener Ausrüstung, also Kinderspaten, -hacke, -(laub)rechen, -giesskanne, -schubkarren und -eimer, geht Kindern die Gartenarbeit leichter von der Hand. Für die ganz Kleinen sind Handschaufel und -hacke, alte Esslöffel und -gabeln, Pflanzholz und Sprühflasche geeignet.

Übergeben Sie dem kleinen Gärtner Verantwortung, wenn er das möchte – zum Beispiel für ein eigenes Beet. Besprechen Sie mit ihm, was er ansäen oder anpflanzen könnte und was zur Pflege gehört. Ist die Pflanzenvielfalt nicht allzu gross, können Kinder den Überblick besser bewahren.

Ideal fürs Kinderbeet sind pflegeleichte, farbige, wohlriechende, rasch wachsende und/oder essbare Pflanzen. Die Kinder müssen so nicht allzu lange auf das Resultat ihrer Anstrengungen warten und können erst noch selber ernten oder Blumen pflücken. Das ist sehr motivierend.

Viele Arbeiten machen mehr Spass und klappen besser, wenn Sie diese gleichzeitig oder gemeinsam mit Ihrem Kind erledigen. Es braucht manchmal aber auch Ansporn oder klare Aufträge.

10. März 2008 | Gery Schwager


Beitrag als PDF
Voller Einsatz im Kinder-Garten
Download PDF 36 KB
SternSternSternStern Artikel bewerten Stichwort hinzufügen
Artikel weiterempfehlen Artikel drucken

Kommentare (0)

 
Urheberrechte
Smartphones und Tablet-Computer sollen teurer werden. Grund ist eine neue Gebühr für Urheberrechte. Was halten Sie davon?
...zum Artikel
Das ist Unsinn. Beim Kauf von leeren CDs und DVDs ist die Gebühr schon enthalten.
Richtig so. Damit werden Künstler unterstützt.
Alle Umfragen

Verwandtes Buch
So wird Ihr Kind gesund
So wird Ihr Kind gesund
Die häufigsten Kinderkrankheiten

Detail-Infos
Buchshop
 
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Die Bundesbetriebe sollen nicht Gewinn erwirtschaften, sondern den Bürgern einen guten und bezahlbaren Service bieten.
Verwandte Artikel
Soll unser Sohn eine Spielkonsole bekommen? Keine Panik vor Kopfläusen Thek auf Rädern: Gute Idee, kaum erhältlich
Testsieger für Android-Handys
Testsieger für Android-Handys
Hunderte von Tests in der Hosen­tasche: Die neue App «Testsieger» machts möglich. (beide Apps haben den gleichen Inhalt)
Aktueller Ratgeber
Aktueller Ratgeber
Die Steuerabzüge für Angestellte und Selbstständige (16. Auflage 2012)
Aktuelle Beratungstexte
Hat mein Bruder einen Pflichtteil zugut? Muss ich den Vermieter für die Umtriebe entschädigen? Darf mein Chef Beiträge an AHV, IV und EO abziehen? Alle Beratungs-Artikel
Aktuelle Tests
Elektro-Rasenmäher IPL-Enthaarungsgerät Pommes frites Alle Test-Artikel
Aktuelle Diskussionen
24.05.2012, 13:37 | 4 AntwortenWoher kommen die Albträume? 24.05.2012, 13:28 | 7 AntwortenWas hilft gegen Cluster-Kopfweh? 24.05.2012, 13:27 | 3 AntwortenMyom: Welche Operation ist empfehlenswert? 24.05.2012, 13:26 | 4 AntwortenWie bringe ich den Zungenbelag weg?
Benutzer-Favoriten