Artikel | Haus & Garten 01/2008
Erfolgreich auf dem Holzweg
Die Auswahl an Parkettsorten ist verwirrend gross. Haus & Garten sagt, worauf es ankommt – und welche Verlegungsarten sich auch Heimwerker zutrauen dürfen.
Rund 5 Millionen Quadratmeter Parkett wurden in der Schweiz im letzten Jahr verlegt. Das entspricht einem Anteil von mindestens 15 Prozent am gesamten Bodenbelagsmarkt. Andere Beläge wie Linoleum, Laminat und Fliesen mögen pflegeleichter, Teppiche wärmer und Korkböden schalldämmender sein. Trotzdem liegen sie auf der Beliebtheitsskala deutlich hinter Parkett.
Die wachsende Begeisterung der Käufer beruht in erster Linie auf ästhetischen, wirtschaftlichen und praktischen Überlegungen:
- Parkett ist aus Holz. Das empfinden die meisten Personen als natürlich und angenehm. Es wirkt – dank der Holzstruktur – lebendig und doch ruhig und gemütlich. Und es bietet beim Verlegen viele Gestaltungsmöglichkeiten.
- Parkett ist strapazierfähig und langlebig. Die Böden lassen sich selbst nach Jahren wieder abschleifen, ölen, wachsen oder versiegeln und damit komplett renovieren.
- Parkett ist vielseitig verwendbar, in Wohnungen, Büros, Schulzimmern, Restaurants, Sälen, ja sogar in Hallenbädern.
Doch bevor man sich für Parkett entscheidet, sollte man die allfälligen Nachteile bedenken:
- Parkett ist in Küchen und Bädern nur bedingt empfehlenswert. Wasser, Fett und Kochdünste strapazieren das Holz. Wer in diesen Räumen trotzdem Parkett möchte, kommt um eine aufwendigere Pflege nicht herum.
- Parkett ist relativ teuer. Der Quadratmeter kostet im günstigsten Fall rund 80 Franken. Je nach Holzart und Gestaltung kann es auch ein Mehrfaches dieses Betrags sein. «Die Lebensdauer von 40 und mehr Jahren macht jedoch die Anschaffungskosten wett», sagt Bernhard Lysser, Geschäftsleiter der Interessengemeinschaft Schweizer Parkett-Industrie (ISP).
- Parkett ist lichtempfindlich. Die Sonne bleicht das Holz über die Jahre aus. Die ursprüngliche Farbe verändert sich deshalb.
Bei der Auswahl sollten die künftigen Nutzerinnen und Nutzer nicht bloss auf Farben und Formen achten. Mindestens so wichtig sind Härte, Strukturierung und Verhalten des Holzes. Die geplante Oberflächenbehandlung ist ein weiterer Entscheidungsfaktor.
«Man muss sich gut überlegen, was der Boden alles aushalten soll», gibt Christian Michel zu bedenken, Parkettexperte und Betriebsleiter der Lenzlinger Söhne AG in Nänikon ZH. Stilettoabsätze, herunterfallende spitze Gegenstände und falsche Stuhl- oder Möbelrollen können Dellen hinterlassen und die Oberfläche beschädigen.
Parkett vernageln, verkleben oder schwimmend verlegenParkett kann vernagelt, geklebt oder schwimmend verlegt werden. Drei Viertel werden vollflächig verklebt, ein Viertel wird schwimmend verlegt. Bereits in der Fabrik wird das Holz für die eine oder andere Verlegeart vorbereitet.
Das Vernageln auf einer Holzunterkonstruktion (zum Beispiel auf Blindboden, Lattenrost, Werkstoffplatten) ist die älteste Technik. Sie wird in den modernen Häusern kaum mehr angewendet.
Die Verklebung setzt einen trockenen, ebenen und festen Untergrund voraus. Darauf werden die Elemente mit lösemittelfreien Klebern ganzflächig verleimt. Parkett kann sich so weder seitlich noch längs verschieben. Die Anschlüsse und Übergänge schliesst man mit elastischem Kitt.
«Die schwimmende Verlegung ist bei spröden, brüchigen und gerissenen Unterböden in Altbauten beliebt», so Michel. Die Elemente werden dabei nicht auf dem Unterboden fixiert, sondern auf eine ausgleichende Zwischenlage gelegt und seitlich zusammengefügt. Dies geschieht entweder über eine sogenannte Nut-Kamm-Verleimung oder eine mechanische Klickverriegelung.
Die Zwischenlage kann aus Matten, Korkplatten, Filzkarton, Vlies, Schaumstoff, Kunststoff oder Holzwerkstoff sein. Je nach Material können damit zusätzlich Schall und Wärme gedämmt werden.
Die Frage, ob Heimwerker einen Parkettboden selber verlegen können, lässt sich nicht pauschal beantworten. «Grundsätzlich ist dies eine Aufgabe für den Fachmann», sagt Lysser. Heimwerker können tatsächlich schnell überfordert sein, etwa wenn der Unterboden in einem schlechten Zustand ist. Eine normgerechte Ausebnung, bei der strenge Bauvorschriften beachtet werden müssen, ist dann unumgänglich. Pfusch beim Unterboden kann zu teuren Bauschäden führen.
Anderseits spricht nichts dagegen, selber Parkett – etwa auf einem Linoleumboden – schwimmend zu verlegen. Es gibt verschiedene Klicksysteme, mit denen Heimwerker spielend zurechtkommen. Das Einbauen geht schnell, und das Parkett lässt sich später wieder ohne Schäden entfernen.
Das Problem mit den richtig platzierten FugenWichtig ist allerdings, dass das Holz – auch bei der schwimmenden Verlegung – atmen kann, ohne dass der Parkettboden aufwölbt. Dazu geben die Hersteller maximale Flächen vor, nach denen Fugen gebildet werden müssen. Die Tücken für unerfahrene Heimwerker lauern also in den Details. «Die natürlichen Veränderungen der Fugen im Jahresablauf kann wohl nur ein erfahrener Handwerker richtig vorausberechnen», so Christian Michel.
Mehr als die Hälfte der Parkettböden werden ab Werk fertig behandelt verkauft. Will heissen: Sie sind bereits geölt, gewachst oder versiegelt, meist mit lösemittel- und formaldehydfreiem Acrylatlack. Lösungsmittelhaltige Polyurethanlacke werden zum Teil im öffentlichen Bereich auf extrem beanspruchten Böden eingesetzt, Ölkunstharzlacke wegen ihrer gleithemmenden Eigenschaften in Sporthallen.
So bleibt der Parkettboden lange schönDie Oberflächen von Rohparkett lassen sich nach dem Verlegen problemlos behandeln. Neben filmbildenden Versiegelungen sind Öl und Wachs und Kombinationen von Öl und Wachs üblich. Nicht versiegelte Böden haben eine natürliche und matte Oberfläche, die aber häufiger nachbehandelt werden muss.
Kleine Kratzer, Flecken und andere Gebrauchsspuren lassen sich auf keinem Parkett vermeiden. Auch der Alterungsprozess des Holzes lässt sich nicht stoppen. Mit der richtigen Pflege kann aber auch stark beanspruchtes Parkett lange schön bleiben.
Parkettböden reinigt man mit dem Staubsauger. Gelegentlich sollten sie feucht gewischt werden, am besten mit Mikrofasertüchern. Mit speziellen Pflegemitteln können Versiegelungen geschützt und aufpoliert werden.
«Ist das Parkett mit normaler Reinigung nicht mehr sauber zu kriegen, kann man ihn abschleifen», hebt Christian Michel einen weiteren Vorteil hervor. Dabei werden 5 bis 7 Zehntelsmillimeter Holz abgetragen. Somit kann auch ein Mehrschichtparkett, dessen oberste Lage 4 Millimeter dick ist, mindestens zwei- bis dreimal renoviert werden. Ein Abschleifen ist in der Regel nach 10 bis 15 Jahren empfehlenswert.
Böden mit einer Nutzschicht von über 5 Millimeter sind meistens über viele Generationen im Gebrauch. Einzelne stark beschädigte Plättchen oder Streifen können problemlos ausgewechselt werden.
Sonderfall LaminatLaminatböden haben den Ruf einer Wegwerf- oder Billigalternative zum echten Parkett. Und tatsächlich: Was an der Oberfläche wie die Maserung von Holz aussieht, ist bloss Dekoration: Die oberste Schicht besteht aus einer Holzwerkstoffplatte, die mit Fotopapier überzogen oder allenfalls mit einer Holzstruktur bedruckt ist.
Laminatböden sind dünner (6–9 mm), günstiger und pflegeleicht, aber längst nicht so strapazierfähig wie echtes Parkett. Und sie können mangels einer dicken Nutzschicht nicht abgeschliffen werden.
Das Parkettlexikon
Je nach Aufbau der Elemente, nach Verlegungstechnik, Oberflächenbehandlung, Farbe, Holzart, Form und Gestaltung wird Parkett verschieden bezeichnet.
Massiv- oder Mehrschichtparkett: Beim Massivparkett bestehen die Elemente jeweils aus einem Holzstück in der ganzen Dicke von 8 bis 22 mm. Beim Mehrschichtparkett sind die Elemente aus zwei bis drei oder noch mehr Holzlagen aufgebaut und insgesamt 9 bis 30 mm dick. Zu achten ist bei der obersten Nutzschicht auf eine Mindestdicke von 2,5 mm, damit sie mindestens zweimal abgeschliffen werden kann.
Roh- oder Fertigparkett: Für diese Unterscheidung ist die Behandlung der Oberfläche entscheidend. Fertigparkett kommt ab Werk bereits geölt, gewachst oder versiegelt auf den Markt, im Gegensatz zum unbehandelten Rohparkett.
Eichen-, Buchen-, Eschen-, Ahornparkett: Laubhölzer eignen sich wegen ihrer Härte am besten. Eiche, Buche, Esche und Ahorn sind am beliebtesten, vor Birke, Kirsch- und Nussbaum. Die Nadelhölzer Lärche, Kiefer und Fichte werden seltener verwendet. Besonders harte Exotenhölzer haben in der Schweiz einen geringen Marktanteil.
Mosaik-, Würfel-, Riemen-, Fischgratparkett: Entscheidend für den jeweiligen Begriff sind die Formate, Dessins und Muster der Elemente. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt: Vom kleinformatigen Mosaikparkett über Schiffboden-Riemen bis hin zu langen und breiten Brettern, sogenannten Landhausdielen, sind Planer und Bauherren frei in ihren Gestaltungswünschen. Parkett kann als Würfel, Riemen, Fischgrat, als Tafeln mit Fries und Bordüre oder in vielen anderen Mustern gestaltet werden.
Helles oder dunkles Parkett: Jedes Holz hat seine eigene Farbe. Diese kann durch die Oberflächenbehandlung intensiviert oder natürlich belassen werden. Durch das Tageslicht werden die meisten Holzarten mit der Zeit dunkler und die Farben intensiver. Die Verfärbungen sind in den ersten zwei Jahren nach der Verlegung am stärksten.
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09. März 2008 | Pirmin Schilliger
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Erfolgreich auf dem Holzweg
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