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Artikel | Gesundheits-Tipp 01/2008

Sascha Schmid, 34: “Das Risiko gehört dazu”

Freerider Sascha Schmid liebt das Skifahren abseits der Pisten. Auch wenn er dabei Kopf und Kragen riskiert.


Sascha Schmid, finden Sie Skifahren auf der Piste langweilig?
Nein. Als Skilehrer fahre ich manchmal auch auf der Piste. Das macht mir Spass. Neben der Piste sind die Möglichkeiten aber viel grösser.


Wegen Freeridern gibt es immer mehr Lawinenunfälle.
Das stimmt nicht. Viele Lawinenopfer sind Skitourenfahrer oder Schneeschuhläufer. Den meisten Unfallopfern fehlt die Erfahrung, um die Lawinengefahr einschätzen zu können. Ich sah auch schon Väter mit Kindern, die ohne Helm und Lawinensuchgerät in gefährlichem Gelände fuhren. Das finde ich verantwortungslos.


Vor ein paar Jahren fuhren Sie mit Skis vom Eiger hinunter. Wie fühlten Sie sich dabei?
Auf dem Gipfel hatte ich schlottrige Knie. Aber nach den ersten Kurven war die Nervosität verflogen. Die Abfahrt war für mich ein Genuss.


Sie haben dabei Ihr Leben riskiert.
Ich wusste, dass ich sterben könnte, wenn etwas schiefläuft. Der Berg ist so steil, dass man bei einem Sturz nicht anhalten kann.


Suchen Sie den Nervenkitzel?
Nein. Für mich steht das Naturerlebnis im Vordergrund. Zu meinem Job gehören aber auch viele Foto- und Filmtermine. Da gibts manchmal heikle Situationen, bei denen ich mir sage: Wenn dort unten kein Fotograf wäre, würde ich eine andere Route wählen.


Niemand zwingt Sie dazu, eine gefährliche Route zu befahren.
Bei einem Fotoshooting kann ich nicht so fahren wie tausend andere. Ich stehe unter dem Druck, etwas Spektakuläres zu zeigen.


Verdrängen Sie die Gefahr?
Nein. Die Gefahr, dass ich verunglücke, ist sehr klein. Denn ich kann sehr gut Ski fahren und habe viel Erfahrung. Ich studiere immer den aktuellen Lawinenbericht. Dennoch bleibt immer ein Restrisiko. Einmal war ich bei einem tödlichen Lawinenunglück dabei.


Was passierte da?
Für eine heikle Abfahrt im französischen Skigebiet La Grave nahmen wir einen Bergführer mit, der das Gebiet gut kennt. Doch ausgerechnet der Bergführer wurde von einer Lawine mitgerissen. Er stürzte 1000 Meter tief und starb.


Warum löste sich die Lawine?
Der Bergführer fuhr durch einen offenen Hang. Das sind meistens die gefährlichsten Stellen. Wenn sich dort eine Lawine löst, rutscht der ganze Hang ab. In dieser Situation ist es auch für einen guten Skifahrer unmöglich, der Lawine auszuweichen.


Ihnen passierte nichts?
Nein. Kurz vor dem Unglück hielt ich an, um meine Frau anzurufen. Ich stand auf einem Felsvorsprung, als der Hang abriss. Wenn ich nicht telefoniert hätte, wäre ich wahrscheinlich auch mitgerissen worden.


Wie fühlten Sie sich in dem Moment?
Ich hatte eine Riesenangst. Wir waren hoch in den Bergen, und es wurde dunkel. Eine Rettungsmannschaft holte uns dann mit einem Helikopter aus dem Hang.


Hat das Unglück Ihre Einstellung zum Freeriden verändert?
Nein. Schon vorher verunglückten Freerider, die ich kannte. Das Unglück in La Grave hat nur bestätigt, was ich bereits wusste – dass immer ein kleines Risiko bleibt.


22. Januar 2008 | Andreas Gossweiler


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