SternSternSternStern (0)Kommentare lesen  Tags  Drucken  Beitrag weiterempfehlen

Artikel | Gesundheits-Tipp 01/2008

Die jährliche Infusion gegen brüchige Knochen

Statt regelmässig Tabletten zu schlucken, können Patienten mit Knochenschwund sich an den Tropf hängen lassen – und das nur einmal im Jahr. Doch die neue Therapie ist teuer und hat Nebenwirkungen.


Viele Menschen mit Osteoporose müssen regelmässig Tabletten mit Bisphosphonaten schlucken. Doch neu gibt es ein Bisphosphonat, das als Infusion direkt in die Vene läuft – und das nur einmal im Jahr: Aclasta. Seit Dezember zahlen die Krankenkassen die Infusion.

Hersteller Novartis wirbt damit, dass es mit der jährlichen Infusion für Patienten viel leichter sei, die Therapie durchzuhalten. Denn Bisphosphonat-Tabletten schlucken ist mühsam: Weil der Wirkstoff sauer ist, müssen Patienten darauf achten, dass die Tablette nach der Einnahme nicht in der Speiseröhre kleben bleibt oder wieder hochsteigt. Das heisst, Patientinnen sollten nach der Einnahme viel Wasser trinken und eine Stunde nicht liegen. Sonst kann sich die Speiseröhre entzünden.

Die Infusion hat aber ihren Preis: Sie kostet fast 700 Franken. Novartis-Sprecher Urs Bigler rechtfertigt die Kosten mit dem Forschungsaufwand für eine «absolute Innovation». Zum Vergleich: Für die Behandlung mit dem ebenso wirkungsvollen Mittel Alendronat Sandoz (Wochentabletten) zahlt man nur gut die Hälfte.


Grippegefühl, Fieber und Risiko für Nierenprobleme

Für den Grossteil der Patienten sei es auch kein Problem, Tabletten regelmässig zu schlucken, sagt Osteoporose-Spezialist Fritz Horber aus Winterthur ZH: «Bei guter Motivation halten die meisten durch.»

Zudem hat auch Aclasta Nachteile: Viele Patienten fühlen sich nach der Infusion krank wie bei einer Grippe und bekommen Fieber. Novartis-Sprecher Bigler sagt dazu: «Die Nebenwirkungen lassen sich in Kauf nehmen.» Denn das Mittel würde gut wirken.

Die unabhängige Fachzeitschrift «Arznei-Telegramm» warnt vor anderen Risiken von Aclasta. Bei einigen Krebspatienten, die mit demselben Wirkstoff behandelt wurden, starben Teile des Kieferknochens ab. Ausserdem steht der Wirkstoff im Verdacht, die Nieren zu schädigen.

Osteoporose- und Rheumaspezialist Daniel Uebelhart vom Zürcher Universitätsspital sieht die Jahres-Infusion deshalb nur als Reserve-Therapie: «Ich gebe Patienten Aclasta nur, wenn sie zum Beispiel Krankheiten der Speiseröhre haben und deswegen die Tabletten nicht schlucken können oder wollen.»


22. Januar 2008 | Ines Vogel


Beitrag als PDF
Die jährliche Infusion gegen brüchige Knochen
Download PDF 36 KB
SternSternSternStern Artikel bewerten Stichwort hinzufügen
Artikel weiterempfehlen Artikel drucken

Kommentare (0)

 
Urheberrechte
Smartphones und Tablet-Computer sollen teurer werden. Grund ist eine neue Gebühr für Urheberrechte. Was halten Sie davon?
...zum Artikel
Das ist Unsinn. Beim Kauf von leeren CDs und DVDs ist die Gebühr schon enthalten.
Richtig so. Damit werden Künstler unterstützt.
Alle Umfragen

Verwandtes Buch
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Die Bundesbetriebe sollen nicht Gewinn erwirtschaften, sondern den Bürgern einen guten und bezahlbaren Service bieten.
Verwandte Artikel
Buchtipps: Hirnforschung: Alter macht schlau Ideal für Senioren: Sport plus Computer Nachgefasst: Überhöhte Pflege­kosten: Rüge für Kanton Baselland
Testsieger für Android-Handys
Testsieger für Android-Handys
Hunderte von Tests in der Hosen­tasche: Die neue App «Testsieger» machts möglich. (beide Apps haben den gleichen Inhalt)
Aktueller Ratgeber
Aktueller Ratgeber
Die Steuerabzüge für Angestellte und Selbstständige (16. Auflage 2012)
Aktuelle Beratungstexte
Hat mein Bruder einen Pflichtteil zugut? Muss ich den Vermieter für die Umtriebe entschädigen? Darf mein Chef Beiträge an AHV, IV und EO abziehen? Alle Beratungs-Artikel
Aktuelle Tests
Elektro-Rasenmäher IPL-Enthaarungsgerät Pommes frites Alle Test-Artikel
Aktuelle Diskussionen
24.05.2012, 13:37 | 4 AntwortenWoher kommen die Albträume? 24.05.2012, 13:28 | 7 AntwortenWas hilft gegen Cluster-Kopfweh? 24.05.2012, 13:27 | 3 AntwortenMyom: Welche Operation ist empfehlenswert? 24.05.2012, 13:26 | 4 AntwortenWie bringe ich den Zungenbelag weg?
Benutzer-Favoriten