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Artikel | K-Geld 6/2007

Privatbank: Diskret und dilletantisch

Die Privatbank Coutts Bank von Ernst legte einem Kunden Fonds ins Depot, die sich über die Jahre gut entwickelten. Sein Vermögen wurde trotzdem kleiner.

Gustav Matter (Name geändert) aus Interlaken brachte den Lokal- und Regionalbanken im Kanton Bern nur wenig Vertrauen entgegen. Die international tätige Coutts Bank von Ernst (CBVE) beeindruckte ihn mehr. Und sie bot den Vorteil einer Niederlassung im nahe gelegenen Bern.

Das Ehepaar Matter übergab der Privatbank 2001 den Betrag von 130 000 Franken zur Betreuung innerhalb des CBVE-Mandats namens Anlage-Service. Das ist eine Form der Vermögensverwaltung mit gewissen Einschränkungen.

Nach fünf Jahren betrug Matters Verlust ziemlich genau 10 Prozent, also rund 13 000 Franken. Verantwortlich dafür waren Kursverluste und Gebühren.

Matter kündigte den Auftrag. Er ärgert sich vor allem über eines: «Weshalb weist mein Depotauszug Verluste aus, obwohl im Fünfjahresvergleich zehn von elf Fonds in meinem Depot Gewinne machten?»

Tatsächlich erzielten zehn der Aktien-, Strategie- und Obligationenfonds in Matters Depot zwischen 2001 und 2006 eine Performance von 8,5 bis 26,2 Prozent. Das belegen die sogenannten Factsheets dieser Fonds, die Informations- und Werbeschriften der betreffenden Fondsherausgeber.

Nur ein Fonds, der Activest GP GlobalBond C, lag mit 1,2 Prozent im Minus. Von Matters Vermögen waren bescheidene 3500 Franken darin investiert.

«Meines Erachtens müssten wir klar im Plus sein, auch wenn ich die 4500 Franken Gebühren abziehe, die wir in dieser Zeit der CBVE abliefern mussten», sagt Matter.

Er wandte sich an Bankenombudsman Hanspeter Häni, der ihm nicht weiterhelfen konnte: Matter hätte einen Auftrag zur «hoch-dynamischen» Verwaltung seines Vermögens gegeben, da müsse man halt mit Verlusten rechnen.

Linda Pütter von der CBVE will nicht auf den konkreten Fall eingehen: «Das gehört zu unserem Verständnis von Diskretion.» Sie hält lediglich und ganz allgemein fest, dass es «in Einzelfällen zu Abweichungen zwischen Factsheet und Depotauszug kommen» könne, so zum Beispiel wenn der Depotauszug aus technischen Gründen nicht per 31., sondern schon per 30. Dezember erstellt werde. Die Bank ist nicht bereit, mehr Licht ins Dunkel zu bringen. Die offenen Fragen bleiben.

Unverständlich ist auch, weshalb Matters Bank oft innerhalb weniger Monate die immer gleichen Fonds gekauft und wieder verkauft hat. So handelte die CBVE seinen Activest-Fonds Lux Global Portfolio Sicav Akt C Swissbond innerhalb von 15 Monaten gleich sechsmal.

Hätte sie es beim ursprünglichen Kauf bewenden lassen, hätte Matter rund 2000 Franken Gewinn erzielt. So resultierte jedoch ein Verlust von rund 1000 Franken aus diesem Fonds. «Dilettantisch» nennt Matter dieses Vorgehen der CBVE.

Doch auch das will Pütter nicht auf ihrer Bank sitzen lassen: Sofern die mit dem Kunden vereinbarte Anlagestrategie eine gewisse Balance beispielsweise zwischen regionalen Märkten oder Währungen definiere, würde diese Balance durch Käufe oder Verkäufe «periodisch sichergestellt», sagt Pütter.

Dem Ex-Kunden bleibt wohl nichts anderes übrig, als die bittere Pille zu schlucken oder «den Rechtsweg zu beschreiten», wie ihm Ombudsman Häni schreibt. Doch Matter hält es für aussichtslos, dadurch wieder zu seinem Geld zu kommen.

Fredy Hämmerli

07. Dezember 2007


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