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Artikel | saldo 20/2007

Ein Schnaps hilft nicht, ein Kräutertee dagegen schon

Weisheiten rund ums Essen und Trinken gibt es viele. saldo hat für die Festtage ein paar wichtige zusammengetragen. Und Experten gefragt, ob sie stimmen.

«Bei einem Brasato al Barolo verdampft der Alkohol des Weins beim Kochen ganz. Darum dürfen auch Kinder bei diesem Weihnachtsbraten mitessen.»

Das ist falsch. «Ein Rest von Alkohol bleibt meist in einem Essen, das mit Wein gekocht wird», sagt Marion Wäfler von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung. Grundsätzlich gilt: Je länger man eine Speise kocht, umso mehr Alkohol verdampft – aber nur, wenn der Deckel nicht auf der Pfanne ist.


«Raclette und Kartoffeln gehören zur kalten Jahreszeit. Es heisst, dass man die Schale der Kartoffeln nicht essen soll, da sie giftig ist.»


«Erhalten Kartoffeln zu viel Licht, entwickeln sich in und unter der Schale giftige Gly-coalkaloide», erklärt Werner Reust, Kartoffelexperte bei der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agroscope Changin. Bei Frühkartoffeln reicht schon ein Tag am Licht, damit sich das Gift entwickeln kann. Deshalb sollte man Kartoffeln dunkel, nicht zu kühl und bei einer hohen Luftfeuchtigkeit lagern. Um sicherzugehen, schält man die Knolle am besten vor dem Essen.


«An Festtagen isst man viel und vor allem auch spät. Spät essen macht aber dick, heisst es.»

«Dick wird man nicht, wenn man spät isst», sagt Ernährungsberaterin Marion Wäfler. Ob man tagsüber oder spätabends viel isst, macht keinen grossen Unterschied. Wer mehr Energie aufnimmt, als er verbraucht, nimmt zu. «Die Gefahr bei einem Festessen am Abend ist, dass man lange sitzen bleibt und immer mal wieder etwas isst. Und so isst man mehr, als eigentlich nötig wäre», sagt Wäfler.


«Es heisst, dass man eine gute Flasche Rotwein zwei Stunden vor dem Trinken öffnen soll, damit der Wein atmen kann und so besser wird.»


Eine Flasche im Voraus zu öffnen, habe keine Wirkung auf den Wein, sagt Jürgen von der Mark, Master of Wine und Weinexperte von Delinat: «Die Öffnung am Flaschenhals ist viel zu klein, der Wein kann kaum Luft aufnehmen.» Wolle man einen Effekt haben, müsse man den Wein in eine Karaffe dekantieren. Zudem bräuchten viele Weine auch gar keine Luft, um sich zu entfalten.


«Tiefkühlgemüse ist praktisch, wenn man über die Festtage nicht einkaufen kann. Es heisst aber, dass tiefgekühltes Gemüse weniger Vitamine hat als frisches.»

Das stimmt nur, wenn tiefgekühltes Gemüse mit solchem verglichen wird, das direkt vom Garten in den Kochtopf gelangt, sagt Eva Arrigoni, wissenschaftliche Mitarbeiterin für Ernährung und Gesundheit an der Forschungsanstalt Agroscope Wädenswil. «Wird Gemüse gelagert, verliert es an Nährwert, also auch an Vitaminen.» Das Gemüse, das sofort nach der Ernte und schnell tiefgefroren wird, kann die Vitamine sehr gut speichern. Ein saldo-Test bestätigt diese Aussagen: Tiefkühlgemüse enthielt teilweise mehr Vitamine als im Laden gekauftes Frischgemüse (saldo 3/06).


«Ein Gläschen Schnaps nach dem Fondue hilft beim Verdauen.»

«Alkohol hilft beim Verdauen nicht», stellt Ernährungsberaterin Marion Wäfler klar. Im Gegenteil: Mit Alkohol dauert es länger, bis der Käse verdaut wird. Der Grund: «Die Leber baut zuerst den Alkohol ab und erst dann das Fett, das man durch den Käse aufgenommen hat.» Es gibt allerdings ein gebranntes Wasser, das hilft: der Kräuterschnaps. Wäfler: «Genauso gut kann man aber auch einen Käutertee trinken.»


«Ein Löffel im Flaschenhals verhindert, dass der angebrochene Prosecco vom Silvesterabend schal wird.»

«Diese Weisheit, die falsch ist, hält sich beharrlich», sagt Jürgen von der Mark. Keinen Unterschied zwischen einer offenen Flasche mit oder ohne Löffel stellte bei einer Untersuchung auch die Forschungsanstalt Geisenheim in Deutschland fest, eine der ältesten Forschungseinrichtungen des Wein- und Gartenbaus der Welt. «Das Sicherste ist, die Flasche auszutrinken», sagt von der Mark. Die zweitbeste Methode ist ein spezieller Flaschenverschluss.



02. Dezember 2007 | Thomas Zemp


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