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Natürlich verhüten liegt im Trend. Deshalb kaufen sich viele Paare einen Verhütungscomputer. Doch aufgepasst: Diese elektronischen Zyklus-Tester sind unsicher.
Eine der sichersten Verhütungsmethoden ist die Pille – doch nicht jede Frau möchte ihren Körper mit Hormonen belasten. Die Spirale verursacht oft Schmerzen und Kondome stören den Liebesakt. Kein Wunder, ist das natürliche Verhüten wieder im Aufwind. Das bestätigt Franziska Wirz, Leiterin der Beratungsstelle Appella: «Wir bekommen immer häufiger Anfragen zu Verhütungsmethoden ohne Hormone.»
Natürlich verhüten heisst: Die Frau misst regelmässig ihre Temperatur und beobachtet den Gebärmutterschleim. So erkennt sie die fruchtbaren Tage und weiss, wann ungeschützter Sex nicht ratsam ist.
Nun bringen immer mehr Hersteller spezielle Computer auf den Markt, sogenannte Zyklus-Tester. Sie sollen das natürliche Verhüten für die Frau einfach und zuverlässig machen.
Je nach Modell kosten die Geräte zwischen 200 und 900 Franken. Zyklus-Tester funktionieren nach verschiedenen Methoden. Doch eines ist ihnen gemeinsam: Der Komfort geht auf Kosten der Sicherheit. Denn laut der deutschen Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie haben die meisten Computer einen Pearl-Index zwischen 2 und 6. Das genügt nicht. Denn das heisst: Wenn 100 Frauen ein Jahr lang mit dem Computer verhüten, werden 2 bis 6 von ihnen trotzdem schwanger.
Die meisten Geräte basieren auf der Temperaturmethode
Sichere Methoden wie die klassische Pille haben einen Pearl-Index von 0,1 bis 0,9. Das heisst: Allerhöchstens 1 von 100 Frauen wird während eines Jahres ungewollt schwanger. Hormonspiralen haben einen Pearl-Index von zirka 0,2. Das heisst: Nur rund 2 von 1000 Frauen werden trotzdem schwanger. Petra Frank-Herrmann von der Universitätsfrauenklinik in Heidelberg (D) hat sich intensiv mit der natürlichen Verhütung befasst. Für sie ist klar: «Verhütungscomputer sind in der Regel immer unsicherer als eine gut durchgeführte natürliche Verhütung ohne diese Geräte.»
Die meisten der Computer besitzen einen Messfühler, den die Frau nach dem Aufwachen für etwa eine halbe bis eine Minute in den Mund steckt. Er misst die Morgentemperatur und speichert sie ab. Dann vergleicht der Computer das Messergebnis mit den gespeicherten Resultaten der vorhergehenden Monate und berechnet so die fruchtbaren und die unfruchtbaren Tage. Diese werden per Lichtsignal angezeigt.
Reine Temperaturcomputer wie der Ladycomp oder Bioself eignen sich höchstens für Frauen mit einem sehr regelmässigen Zyklus. Mehr als fünf Tage darf er nicht variieren. Alkohol, Stress, Krankheit und unregelmässige Arbeitszeiten beeinflussen den Zyklus und die Temperaturkurve. Dadurch steigt die Fehlerquote der Computer. «Das Gerät weiss im Gegensatz zur Frau nicht, warum die Temperatur steigt. Es liegt dann möglicherweise ein oder zwei Tage daneben», sagt Anne Hürzeler von der Interessengemeinschaft für Natürliche Familienplanung in Luchsingen GL.
Hersteller halten ihre Computer für sicher
Andere Computer wie Cyclotest 2 Plus und Mini Sophia messen nicht nur die Temperatur. Die Frau kann zusätzlich den Zustand des Schleims eingeben. Dadurch sind die Computer vermutlich sicherer. Den wissenschaftlichen Beweis dafür müssen aber erst noch Studien liefern.
Andere Computer wie Persona messen die Eisprunghormone im Urin. Diese steigen 48 Stunden vor dem Eisprung an. Doch die Methode ist sehr unsicher. Denn die Spermien überleben vier bis fünf Tage in der Gebärmutter der Frau. Wer also kurz vor dem Anstieg des Eisprunghormons ungeschützten Sex hat, kann trotzdem schwanger werden. Die Hersteller verteidigen ihre Geräte. So erklären Bioself und Ladycomp, dass ihre Computer helfen, die Fehler der Frau zu vermeiden. Diese könnten beim Messen, Eintragen und Interpretieren der Daten passieren. Daher seien ihre Computer sicher. Laut Bioself hätten eigene Studien gezeigt, dass der Pearl-Index «einen viel tieferen Wert als 2» betrage.
Natürliches Verhüten ohne Apparate ist so sicher wie die Pille
Natürliches Verhüten hat bei vielen Frauen einen schlechten Ruf. Es sei aufwendig und zu unsicher. Doch das stimmt nicht – wenn man es ohne die ungenauen Apparate tut. Das belegen mehrere grosse internationale Studien. An der Universitätsfrauenklinik in Heidelberg beobachteten Mediziner ein Jahr lang 900 Frauen, die natürlich verhüteten. In dieser Zeit wurden nur vier Frauen ungewollt schwanger. Dies entspricht einem Pearl-Index von zirka 0,4. Das ist genauso sicher wie die Pille.
Zum natürlichen Verhüten braucht es nicht viel: einen Stift, ein Zyklusblatt und ein Thermometer. Jeden Tag nach dem Aufwachen misst die Frau ihre Körpertemperatur. Weil die Temperaturschwankungen gering sind, ist ein sehr exaktes Thermometer wichtig. Anne Hürzeler von der Interessengemeinschaft für natürliche Familienplanung empfiehlt ein Thermometer, das die Temperatur in 0,05-Grad-Schritten anzeigt. «Am besten kein digitales, sondern ein normales», sagt sie.
Zudem beurteilt die Frau täglich den Schleim in der Scheide auf Menge, Farbe und Elastizität. Je näher die fruchtbaren Tage kommen, umso dünnflüssiger wird er. An den fruchtbarsten Tagen zieht er Fäden, wenn man ihn zwischen zwei Fingern prüft. Temperatur und Schleimzustand notiert sich die Frau auf dem Zyklusblatt. Aus diesen Daten ermittelt sie dann die fruchtbaren Tage. Vorlagen für ein Zyklusblatt gibt es im Internet, zum Beispiel unter www.iner.org/download.shtml.
Sicherheit auch bei unregelmässigem Zyklus und Stress
Franziska Wirz vom Beratungstelefon Appella hat die Erfahrung gemacht, dass die meisten Frauen damit gut zurechtkommen. «Es braucht allerdings eine gewisse Disziplin», sagt Wirz. Laut Petra Frank-Herrmann, Leiterin der Heidelberger Studie, funktioniert diese Form des natürlichen Verhütens auch bei unregelmässigen Zyklen und Stress. «Dann kann sich einfach die fruchtbare Phase verlängern», sagt die Frauenärztin.
Verhüten: Das müssen Sie beachten
Jede Frau und jedes Paar muss für sich selber entscheiden, welche Methode für sie die richtige ist. Folgende Punkte sollte man dabei beachten:
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02. Dezember 2007 | Andreas Grote
