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Artikel | Haus & Garten 4/2007

Harmonie und Spannung

Kunst verschönert die Wohnung. Vorausgesetzt, die Bilder hängen am richtigen Ort. Die wichtigsten Tipps zur Platzierung.

Natürlich gehts auch ohne Bilder: Leere weisse (oder andersfarbige) Wände sind immer eine Option – gerade in Räumen, die bereits mit Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständen überstellt sind. Auf der anderen Seite kann ein Bild die Stimmung in einem Raum wohltuend beeinflussen, egal, ob es sich um ein Plakat, Poster, Foto, einen Kunstdruck oder um ein Originalgemälde handelt.


Für Originalbilder gilt: «Weniger ist mehr»

Mit Kunstoriginalen sollte man in der Wohnung vorsichtig sein, empfiehlt Kunstmaler Heinz Gadient aus Luzern: «Weniger ist mehr. Lieber zwei, drei Bilder klug platzieren statt die Wohnung mit Bildern vollpflastern.» An exponierten Standorten wie etwa vor dem Esstisch oder bei der Garderobe sollte man so oder so keine kostbaren Bilder platzieren, weil sie allzu leicht beschädigt werden könnten.

Eine Collage ist an solchen Orten indes ein mögliches Stilmittel – vor allem, wenn man sehr viele Bilder in unterschiedlichen Grössen aufhängen will –, am ehesten in der Kombination von Postern, Fotos und Kunstdrucken. So wird die Wand selbst zu einem Bild, bestehend aus verschiedenen Elementen.

Mehrere gleichformatige Bilder gruppiert man, indem man sie in der Horizontalen nebeneinanderhängt oder als rechteckigen Block formiert.


Die Sache mit dem goldenen Schnitt

Ein Problem bei der Platzierung ist die Höhe: «Bilder werden häufig zu hoch gehängt», sagt Gadient. Die Faustregel besagt: Die Mitte des Bildes sollte rund 1,50 Meter ab Boden sein (in einem Raum mit der Standardhöhe von 2,30 Meter). So blicken die leicht abwärts gerichteten Augen des stehenden Betrachters ins Zentrum des Kunstwerks. Nach dem gleichen Muster sollte man auch eine Gruppe von Bildern aufhängen.

Generell empfiehlt sich eine Platzierung nach dem sogenannten goldenen Schnitt. Damit gemeint ist das Längenverhältnis zweier Strecken (2 zu 3, 3 zu 5, 5 zu 8 usw.), das als ästhetisch ausgewogen empfunden wird (detaillierte Tipps siehe Seite 10). Ein einzelnes Bild sollte man deshalb nicht genau in der Mitte der Wand platzieren, sondern leicht versetzt, also ebenfalls ungefähr im Verhältnis des goldenen Schnitts. «Das wirkt sowohl harmonisch als auch spannungsreich», so Heinz Gadient.


Schienen mit Haken, Dübel, Nägel

Aufhängesysteme und Bilderschienen sind vor allem in Galerien, Büros und Arztpraxen zu finden. Handliche Systeme gibt es im Fachhandel auch für den Hausgebrauch. Eine einfache Lösung ist die Clip-Schiene: An der Wand werden mit Schrauben Clips (eine Art «Druckknopf») montiert und darin wird eine Alu-Schiene (in verschiedenen Längen erhältlich) eingeklinkt. In die Schienen lassen sich sogenannte Cobra-Haken mit Perlonschnur oder Stahlkabel einsetzen. Dadurch lassen sich Bilder seitlich beliebig verschieben.
Die günstigste Methode ist aber immer noch die Befestigungstechnik mit Nägeln, Dübeln und Schrauben. Nachteil: Will man ein Bild neu platzieren, beginnt die Arbeit von vorn.


«Abstrakte Bilder sind länger interessant»

Übrigens: Ob sich in einem Raum ein Bild mit gegenständlicher oder mit abstrakter Darstellung besser macht, hängt natürlich von den eigenen Vorlieben ab. Aber, so Heinz Gadient: «Figürliche Werke erzählen eine Geschichte, die irgendwann erzählt ist, abstrakte sind länger interessant.»

 

Platzieren und Arrangieren: Die Tipps!

Einige einfache Regeln helfen, Bilder, Poster und Fotos optimal zu platzieren:

  • Der Mittelpunkt eines Kunstwerks an der Wand sollte sich etwa in Augenhöhe befinden. Bei mehreren Bildern ist das Zentrum der Gruppe ebenfalls in Augenhöhe.
  • Höhe nach dem goldenen Schnitt bestimmen: Auf der Höhe von fünf Achteln der Wand ab Boden mit dem Bleistift eine dünne Linie ziehen. Die Bilder so aufhängen, dass rund drei Achtel des jeweiligen Bildrahmens über dieser Linie liegen. Auch bei der Platzierung in der Breite einer Wand lässt sich der goldene Schnitt anwenden.
  • Die Oberkanten beispielsweise nach Fenstern und Türen ausrichten.
  • So können Sie die geeignete Platzierung prüfen: Packpapier oder Karton in der Grösse des aufzuhängenden Bildes zurechtschneiden und probehalber an die Wand hängen.
  • An einer schmalen Wand macht sich ein kleineres Kunstwerk oder eine Gruppe kleinerer Bilder besser. Je grösser das Bild, desto grösser sollte die freie Wandfläche sein.
  • Alternative: Bilder stellen statt hängen – grosse Bilder auf den Boden, kleine auf ein Sideboard oder auf ein Regal.
  • In niedrigen Räumen empfehlen sich schmale, hochformatige Bilder. Vertikale Gruppierungen lassen Räume höher erscheinen, horizontale breiter.
  • Unterschiedlich grosse Bilder hängt man innerhalb eines gedachten Rechtecks an die Wand. Das heisst: In jeder Ecke ein Bild aufhängen. Dunklere Bilder oberhalb der helleren platzieren, grössere oberhalb von kleinen.
  • Eine symmetrische Anordnung muss nicht langweilig sein: Kleine Bilder in gleicher Grösse lassen sich zum Beispiel an der Wand so formieren, dass sich an den Aussenlinien ein Quadrat oder Rechteck ergibt.
  • In einem langen, schmalen Flur Bilder in einer Reihe aufhängen, wie in einer Galerie. Bei unterschiedlich grossen Wer-ken sollten die Unterkanten auf einer Höhe liegen.
  • «Anregend» ist es laut Kunstmaler Heinz Gadient, ein Bild verschiedenen Lichteinflüssen auszusetzen – am besten einer Mischung aus Natur- und Kunstlicht.

Wichtig: Das Bild sollte weder direkt von der Sonne noch von Kunstlichtspots angestrahlt werden.

 

Richtig dübeln

  • Bei den meisten Dübeln steht auf der Packung, oft auf dem Dübel selbst, Folgendes: Dübeldurchmesser, benötigter Bohrerdurchmesser und Durchmesser der Schrauben.
  • Wählen Sie einen Dübel, der die Last im Wandbaustoff sicher trägt.
  • Der klassische Spreizdübel hält am besten in Beton und Mauerwerk aus Vollstein. Eine weitere Verankerungsart ist der Stoffschluss. Dabei wird der Dübel mit dem Wandmaterial verklebt, etwa mit Mörtel oder einem Reaktionsharz.
  • Nehmen Sie für die Tiefe des Bohrlochs am Dübel Mass und geben Sie 1 cm zu. Der Dübel sitzt am besten, wenn die Schraube im eingedrehten Zustand mit der Spitze durch den Dübel hindurchragt.
    Stellen Sie an der Bohrmaschine den Tiefenanschlag ein. Falls nicht vorhanden: Bohrtiefe mit Farbstift oder Klebeband am Bohrer markieren.
  • Nach dem Bohren: Entfernen Sie das Bohrmehl vor dem Setzen des Dübels – zum Beispiel durch Absaugen.
  • Schieben Sie den Dübel in das Bohrloch, bis er wandbündig sitzt.

27. November 2007 | Stefan Christen


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