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Wer nur wenig Platz zur Verfügung hat, muss nicht auf Früchte aus dem Garten verzichten: Auch ein Spalierbaum liefert einen schönen Ertrag.
Manche Familiengärten sind zu klein, um einen stattlichen Obstbaum heranzuziehen. Als Alternative bietet sich ein Spalierbaum an, der flach und nur mit links und rechts verlaufenden Seitentrieben an der Hauswand emporwächst. Dafür eignen sich Birne, Aprikose, Apfel, Pfirsich, Sauerkirsche (Weichsel), Kiwi und Rebe. Auf die übrigen Obstsorten sollte man ihrer Wuchseigenschaften wegen verzichten.
Ursprünglich pflanzte man Spalierbäume nicht aus Platzmangel an die Hausmauern. Ausschlaggebend war das Mikroklima: «Die Mauern speichern und reflektieren die Wärme der Sonne – was die Bäume mögen. Und meist sind sie durch ein vorstehendes Dach auch einigermassen vor Regen geschützt. Das schätzen vor allem Aprikosen und Pfirsiche», sagt Hans Peter Berger von der Fachstelle Obst im landwirtschaftlichen Kompetenzzentrum Strickhof in Lindau ZH.
Junge Spalierbäumchen, in der Fachsprache «Palmetten» genannt, setzt man je nach Sorte an die Nord-, Süd- oder Ostwand und vorzugsweise im Herbst. Nur die Rebe wird erst im Frühling gepflanzt. Für die Herbstpflanzung gilt: Der Boden sollte noch nicht gefroren und zudem schneefrei sein. «Dann kann das Bäumchen über den Winter, während der Vegetationsruhe, bereits wurzeln», sagt Berger.
Schädlinge: Nur im Winter spritzen genügt nicht
Im Weiteren sollte man darauf achten, dass die Veredelungsstelle (die Verdickung im Stamm) möglichst hoch über dem Boden zu stehen kommt. «Die obersten Wurzeln bedeckt man nur knapp mit Erde», so der Fachmann. Rund um den Stamm, dem Ausmass des Baumes entsprechend, sollte kein Gras wachsen: Es nimmt dem Baum die Nährstoffe und das Wasser aus dem Boden weg.
Schädlinge machen auch Spalierbäumen zu schaffen: Schorf, Mehltau, Blattläuse und die Kräuselkrankheit können sich in den Palmetten ausbreiten. Die weitherum praktizierte einmalige Winterspritzung reicht laut Berger nicht aus. «Je nach Obstsorte behandelt man den Baum mehrere Male pro Jahr, Steinobst etwas weniger.»
Die jeweilige Behandlung beginnt, wenn die Blätter das sogenannte Mausohr-Stadium erreicht haben. Das heisst: «Wenn die Blättchen wie Mausohren aussehen, also noch ziemlich klein sind.» Die verschiedenen biologischen und chemischen Spritzmittel sind dort erhältlich, wo man auch Spalierbäumchen kauft: in Baumschulen und Gartenzentren, die Obstbäume im Sortiment haben.
Ein zweijähriges Birnengewächs zum Beispiel kostet zwischen 70 und 90 Franken. Die Jungpflanzen kommen bereits mit dem ersten Schnitt, dem Formierungsschnitt, in den Verkauf: Die Stammhöhe misst rund 40 Zentimeter, der Mitteltrieb hat zwei Seitentriebe. Allerdings: Auch dieser Winzling entwickelt sich in einigen Jah-ren zu einem zwar flachen,
aber ebenfalls stattlichen Baum an der Hausmauer – der auch Platz beansprucht: «15 bis 20 Quadratmeter sollte man ihm einräumen», sagt Hans Peter Berger.
Ein Spalierbaum muss in Form geschnitten werden, man nennt das auch «erziehen». Dieser Schnitt will gelernt sein – der Profi rät deshalb künftigen Spalierbesitzern zu einem Kurs: «Baumschulen bieten solche an – oder man lässt für den Schnitt einen Gärtner kommen.»
Alternative zum Spalier bei Häusern mit Aussenisolation
Unabdingbar für das Gedeihen eines Spalierbaumes ist ein stabiles Gerüst: Man findet es im Handel, kann es aber mit etwas handwerklichem Geschick auch selber bauen. Einerseits dient das Spalier dazu, die Seitentriebe festzubinden. Zum andern dient es dem Baum als Stützhilfe: Das Ausmass seines Wurzelstocks, die sogenannte Unterlage, bleibt nämlich relativ gering.
Nicht jede Fassade eignet sich für Spalierbäume: «Hat ein Haus eine Aussenisolation, verursachen die Befestigungen des Spaliergerüsts in der Mauer Kältebrücken», sagt Berger.
Eine gute Alternative zum Spalier sind dann ein frei stehender Spindelbusch oder ein Ballerinabäumchen. Trotz wenig Platzbedarf tragen beide Früchte wie Äpfel und Birnen.
Der Spindelbusch hat einen Mitteltrieb, Seitenzweige, benötigt eine Stützhilfe und 4 bis 5 Quadratmeter Platz. «Der Ballerinabaum ist gedrungen, hat eine schöne Säule mit ganz kurzen Seitentrieben und blüht wunderbar», sagt Berger. «Er wird zwar 2,5 bis 3 Meter hoch, braucht aber nur einen einzigen Quadratmeter Boden.» Die Ballerina lebt also auf ganz kleinem Fuss.
Renovieren mit Spalier
Die Renovation einer Hausfassade, an der ein Spalierbaum steht, ist eine delikate Angelegenheit. Sie verlangt Sorgfalt und Geschick – eine Arbeit für Profis: Damit der Baum keinen Schaden nimmt, muss er vorsichtig vom Spalier gelöst und von der Fassade weg gebogen und gestützt oder befestigt werden. Danach wird das Gerüst abmontiert.
Trotz dieser Massnahme bleibt für Reinigen, Schleifen, Malen und dergleichen nicht viel Spielraum – hinter dem Baum muss man sich mit viel Fingerspitzengefühl durcharbeiten.
27. November 2007 | REGINE ELSENER
