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Artikel | saldo 18/2007

Ein Kriegsspiel für einen 13-Jährigen

Ein 13-jähriger saldo-Testkäufer hat in zwei von neun Läden ein brutales Computerspiel mit Altersfreigabe 16 problemlos erhalten.

Das Computerspiel «World in Conflict» handelt zur Zeit des Kalten Kriegs. Szenario: Die Sowjetarmee greift die USA an. Der Spieler übernimmt das Kommando einer der beiden Supermächte. Um den Feind plattzumachen, stehen auch Superwaffen zur Verfügung: «Bedecke den Gegner mit Napalm oder zünde die gefürchtete Atombombe», heisst es auf der Hülle. In der Schweiz ist das brutale Kriegsspiel ab 16 Jahren erhältlich, in Deutschland erst ab 18.

saldo hat einen 13-jährigen Jugendlichen in neun Läden geschickt mit dem Auftrag, dieses Computerspiel zu kaufen. Der Hintergrund: Vor gut einem Jahr ist der Verhaltenskodex, der «Code of Conduct», in Kraft getreten. Darin haben sich die Spielehändler gegenüber dem Branchenverband Swiss Interactive Entertainment Association (SIEA) verpflichtet, sich beim Verkauf von Videospielen strikte an die aufgedruckten Altersempfehlungen der Pegi (Pan European Game Information) zu halten.

Das Positive vorweg: In sieben der neun Geschäfte wurde der Verkauf verweigert. Die Leute an der Kasse liessen sich von den Aussagen des Schülers, er sei schon 16 und seine Mutter habe ihm dieses Game erlaubt, nicht beirren. «Wenn du keinen Ausweis dabei hast, der beweist, dass du 16 bist, dürfen wir dir das Spiel nicht abgeben», hiess es.

In zwei Läden ist es dem Jugendlichen aber gelungen, das PC-Spiel zu ergattern. Eine Verkäuferin im Manor an der Bahnhofstrasse in Zürich glaubte der Behauptung des Buben, er sei schon 16, und händigte ihm das Spiel aus. Gar keine Fragen stellte der Verkäufer in der City-Disc-Filiale im Stadttor Winterthur. Thomas Bretscher, Geschäftsführer von Manor an der Zürcher Bahnhofstrasse, zeigt sich bestürzt: «So etwas darf nicht passieren.» Alle Mitarbeiter seien instruiert worden, im Zweifelsfall immer den Ausweis zu verlangen. Bretscher will nun die Schulung verstärken.

Auch Christian Fankhauser, Chef von City Disc Schweiz, will «nichts beschönigen». Das sei klar ein Fehlverhalten des Verkäufers und ein Verstoss gegen die interne Weisung, bei Spielen ab 16 und 18 jeweils den Ausweis zu verlangen. Um zu verhindern, dass die Überprüfung vergessen geht, plane City Disc eine neue Kassen-Software, die den Verkäufer beim Eintippen des Spiels auf die nötige Ausweiskontrolle hinweist.


Pro Juventute: Petition für noch besseren Schutz

Michael Marugg, Leiter Recht und Politik bei der Pro Juventute, sieht im saldo-Resultat eine «positive Entwicklung» – vor allem auch im Vergleich zu früheren Testkäufen. Der «K-Tipp» beispielsweise hat vor fünf Jahren mit einem 12-Jährigen einen ähnlichen Test durchgeführt. Dieser erhielt in vier von fünf Geschäften Spiele, die erst für Erwachsene ab 18 Jahren freigegeben waren.

Für Marugg geht der Verhaltenskodex der Händler aber zu wenig weit. Der Jugendschutz müsse bei Videospielen gesetzlich verankert werden. Mit der Petition «Stopp der (un)heimlichen Gewalt», für die in den letzten Wochen schon über 17 000 Unterschriften gesammelt wurden, will die Pro Juventute nun einen schweizweit einheitlichen Kinder- und Jugendmedienschutz erreichen. Sie wünscht sich eine Zertifizierungsstelle, die für alle Unterhaltungsmedien Zugangsregulierungen erlässt.

SIEA-Präsident Roger Frei hält nicht viel von einer Schweizer Zertifizierungsstelle. Er befürwortet aber eine gesetzliche Regelung für den Zugang zu Videospielen. Zum Ergebnis der saldo-Testkäufe meint Frei: «Das ist eigentlich erfreulich, aber das Ziel muss sein, dass kein Laden das Spiel verkauft.» Deshalb sollen im Handel neue Sicherheitsboxen eingeführt werden: rote Hüllen für Spiele ab 18, gelbe für solche ab 16. Die Farben sollen dem Verkaufspersonal signalisieren, dass es sich um Spiele handelt, die nicht in Kinderhände gehören.

03. November 2007 | Thomas Lattmann


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