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Novartis hat ein neuartiges Medikament gegen Bluthochdruck auf den Markt gebracht. Bloss: Fachleute sind überzeugt, dass die teuren Pillen nicht besser wirken als bisherige Mittel.
Die neue Blutdruck-Pille Rasilez wurde kürzlich mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Allerdings nicht von Medizinern, sondern von der Wirtschaftszeitung «The Wall Street Journal». Kein Wunder, dass Börsianer über das neueste Produkt aus dem Hause Novartis jubeln: Wirtschaftsexperten prophezeien Milliardenumsätze. Das Medikament kostet mit 620 Franken pro Jahr ein Mehrfaches der bisherigen Therapien. Zum Vergleich: Für bewährte Blutdrucksenker wie das Diuretikum Hygroton bezahlt man gerade mal 98 Franken (siehe Tabelle im pdf).
Novartis verspricht für den satten Preis eine «neuartige Therapie, von der viele Patienten profitieren können». Bloss: Fachleute bezweifeln, dass die teure Pille Vorteile bringt. «Sie wirkt nicht besser als andere Blutdrucksenker», sagt Etzel Gysling, Arzt und Herausgeber der Fachzeitschrift «Pharmakritik». Ob das Mittel den Blutdruck langfristig zuverlässig senke und Schlaganfälle und Herzinfarkte verhindere, habe man bisher nicht untersucht.
Hohe Dosen: Krebszellen im Darm von Ratten
Die Autoren der Fachzeitschrift «Arznei-Telegramm» kritisieren zudem, Rasilez sei eine «schlecht steuerbare Wirksubstanz». Der Grund: Wie viel der Körper aufnimmt, hängt vom Fettgehalt des Essens ab. Unklar bleibt auch, ob langfristig schwere Nebenwirkungen auftreten. Bei Ratten wucherten bei hohen Dosen Krebszellen im Darm.
Novartis-Sprecher Urs Bigler sagt: «Rasilez verursachte bei gesunden Freiwilligen keine Veränderungen der Darmschleimhaut.» Bigler bestätigt aber, dass noch keine Langzeitstudien zu Wirkung und Nebenwirkungen vorlägen. Sie seien geplant. Der Zusammenhang mit dem Fettgehalt des Essens sei unproblematisch. Auch den Preis von Rasilez betrachtet der Pharmamulti als gerechtfertigt: «Er liegt im Bereich anderer moderner Blutdrucksenker.» Ältere Medikamente seien mit Rasilez nicht vergleichbar.
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03. November 2007 | Sonja Marti
