|
(0) |
Mundgeruch verursacht oft soziale Probleme und Isolation. Das muss nicht sein. Einfache Mittel helfen.
Die ersten Zärtlichkeiten mit ihrem Jugendschwarm wird Susanne Korbach (Name geändert) nie vergessen. Die Köpfe der Teenager kamen sich näher. Der erste Kuss bahnte sich an – da wich der Junge abrupt zurück. «Naserümpfend wandte er den Kopf ab», berichtet Korbach. «Für mich brach eine Welt zusammen.» Das war der Anfang einer schleichenden sozialen Isolation. «Mir wollte keiner zu nahe kommen, ich war meistens allein», erinnert sich die heute 43-Jährige. Lange wusste sie nicht, dass starker Mundgeruch dafür verantwortlich war: «Nie hat jemand etwas gesagt.»
Schliesslich stellte Korbach ihre Schwester zur Rede. Diese wollte sich einmal partout nicht neben sie auf den einzigen freien Platz im Zugabteil setzen. «Sie sagte mir widerstrebend, dass mein Atem schlecht riecht», erzählt Susanne Korbach. «Von da an traute ich mich kaum mehr unter die Leute.» Viele von Mundgeruch Betroffene sprechen vom «sozialen Tod».
Professor Ulrich P. Saxer vom Zahnmedizinischen Zentrum Zürich kennt ihre Nöte: «Sie wissen oft nichts davon, weil sie immer mit dem Geruch leben.» Die wenigsten wissen, was man dagegen tun kann. So auch Susanne Korbach. Sie versuchte verzweifelt, den Mundgeruch loszuwerden: «Ich ass jeden Tag so viele Pfefferminzbonbons, dass ich Magenschmerzen bekam. Ich putzte jede Stunde die Zähne, bis das Zahnfleisch blutete. Aber der Geruch setzte sich immer wieder durch.»
Schliesslich meldete der Hausarzt die junge Frau zur Magenspiegelung an. «Der Arzt war überzeugt, dass die Ursache im Magen liegt. Er war erstaunt, als die mühsame Prozedur keinen Befund erbrachte.»
Fachleute wundert das nicht. Professor Ulrich P. Saxer: «Der Geruch kommt nur ganz selten aus dem Magen. Zu 80 bis 90 Prozent liegt die Ursache in der Mundhöhle.» Nur sehr selten sei eine Krankheit dafür verantwortlich wie Nasenpolypen, chronische Entzündungen der Nasennebenhöhlen oder entzündete Mandeln. Auch mangelnde Hygiene – wie oft vermutet – treffe nur in sehr wenigen Fällen zu.
Am schlechten Atem tragen meist Bakterien im Mund die Schuld, vor allem im Zungenbelag. Sie zersetzen Speisereste, Zellen, Blut oder Eiweisse und setzen dabei flüchtige Schwefelverbindungen frei. Auch Karies, Entzündungen an Mundschleimhaut oder Zahnfleisch sowie Zahnstein sind oft für hartnäckigen Mundgeruch verantwortlich.
Antibiotika können die Mundflora stören
In solchen Fällen hilft es, den Zungenbelag zu entfernen (siehe Kasten) oder Zähne und Zahnfleisch zu sanieren.
Ein trockener Mund, Rauchen, Schnarchen oder Stress kann Mundgeruch begünstigen, aber auch Antibiotika. Gesundheitstipp-Arzt Thomas Walser sagt: «Sie können den bakteriellen Haushalt in der Mundhöhle empfindlich aus dem Gleichgewicht bringen.»
Sein Tipp: «Betroffene sollten täglich einen kleinen Becher zuckerfreies Naturjoghurt essen, während mindestens sechs Wochen. Das bringt die Mundflora wieder ins Lot.» Und besonders wichtig: Betroffene sollten das Austrocknen der Mundhöhle vermeiden. Thomas Walser: «Meiden Sie Kaffee und Nikotin. Trinken Sie viel Wasser. Es hilft auch, immer mal wieder den Mund mit Wasser zu spülen und ab und zu zuckerlosen Kaugummi zu kauen – das regt die Speichelproduktion an.»
Bei Susanne Korbach waren zu trockene Schleimhäute sowie der Zungenbelag für den üblen Geruch verantwortlich. «Seit ich mehr Flüssigkeit zu mir nehme und meine Zunge nach dem Zähneputzen mit dem Zungenschaber reinige, ist der üble Geruch verschwunden.»
Tipps: Kümmel, Zink und Kaugummis helfen
Haben Sie Mundgeruch? Testen Sie selber:
Lecken Sie kräftig die Rückseite des Handgelenks ab und riechen Sie dann daran. Das ist zuverlässiger als mit vorgehaltener Hand an der ausgeatmeten Luft zu riechen.
Weitere Infos:
www.dr-walser.ch/mundgeruch.htm
10. Oktober 2007 | Regula Schneider
