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Artikel | saldo 15/2007

Öffentlicher Verkehr: Wählen Sie das beste Projekt

Beim Publikumspreis Öffentlicher Verkehr 2007 sind nun die saldo-Leser dran: Aus vier Projekten können sie die kundenfreundlichste Idee auswählen.

Verglichen mit dem Ausland hat der öffentliche Verkehr in der Schweiz ein hohes Niveau. Dennoch gibt es nach wie vor Versorgungslücken. Eine von diesen versuchen seit 2005 die Initiatoren des Alpentäler-Busses zu schliessen. Nun wird den Projektverantwortlichen dafür eine besondere Ehre zuteil: Der Alpentäler-Bus ist ein Kandidat für den Publikumspreis Öffentlicher Verkehr 2007. Nominiert haben ihn die sieben Juroren des Preises, unter anderen je ein Vertreter des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS), des Schweizerischen Eisenbahn- und Verkehrspersonalverbandes (SEV) und des Verbands Öffentlicher Verkehr (VöV).


Dieses Jahr 50 Prozent mehr Projekte

Den Preis vergeben die Verbände seit 1999 alle zwei Jahre. Er soll Öffentlichkeit schaffen für neue Ideen – und Verkehrsplaner ermutigen, selbst Projekte zu lancieren, die den öffentlichen Verkehr noch attraktiver machen. Dieses Jahr hatte die Jury die Wahl zwischen 22 eingereichten Projekten – 50 Prozent mehr als bei der letzten Preisausschreibung vor zwei Jahren. Den Publikumspreis gewann damals das Zuger Projekt «Bahn und Bus aus einem Guss». Hier verringerten die Verkehrsplaner die Wartezeiten der Fahrgäste, indem sie Abfahrts- und Ankunftszeiten von Bus und Bahn besser koordinierten.

Für den diesjährigen Publikumspreis nominierte die Jury drei weitere Projekte, die Zugangsschranken im öffentlichen Verkehr verringern sollen. So können sich die Nutzer des Mobile Tagging per Handy über Busabfahrtszeiten informieren. Bei der Westschweizer Standseilbahn Vinifuni profitieren Kunden von einer besseren Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz. Und beim Lugano Regional Pass können Touristen statt Einzeltickets einen 3-Tages- oder Wochenpass für alle Verkehrsmittel der Region lösen.

Wer von den vier Kandidaten den Publikumspreis 2007 erhält, entscheiden die Leserinnen und Leser von saldo. Abstimmen kann jeder, indem er den nebenstehenden Coupon ausfüllt, ausschneidet und an saldo zurückschickt. Ende Oktober werden die Sieger bekanntgegeben.

 

Kurzzeit-Abo in der Region Lugano

Wer für seine Fahrten im Tessin öffentliche Verkehrsmittel benützt, muss für jede Fahrt ein Einzelticket lösen. Der Grund: Im Tessiner öffentlichen Verkehr gibt es bislang nur Monats- oder Jahresabonnemente. Das änderten diesen April nun der Kanton und der Tarifverbund CTM für die Region Lugano. Mit dem neuen Lugano Regional Pass & Prova Arcobaleno kann man 3 oder 7 Tage lang unbeschränkt alle Busse, Seilbahnen und Schiffe in der Region Lugano benutzen. Darüber hinaus bezahlt der Pass-Besitzer auf weiteren Tessiner Busstrecken ausserhalb der Region nur den Halbtaxtarif. In Zukunft will auch die Region Locarno ähnliche Angebote einführen. Der
7-Tages-Pass kostet für Erwachsene 108 Franken, die 3-Tages-Karte 88 Franken (mit dem Halbtaxabo 98 Franken respektive 80 Franken).


Gerettete Standseilbahn Ligerz–Prêles

Seit der Eröffnung 1912 pendelte die Standseilbahn Ligerz–Prêles zwischen Ligerz am Bielersee und dem Tessenberg-Hochplateau. Ende der Neunzigerjahre war ihre Technik jedoch veraltet. Es drohte die Schliessung. Schliesslich steckten Bund, Kanton und Gemeinden 4,3 Millionen Franken in die Renovation: Die Bahn bekam eine neue Kabine für 50 Passagiere, den Namen Vinifuni und Panoramafenster, die bei günstigem Wetter einen atemberaubenden Ausblick aufs Mittelland und die Alpen gewähren. Die neue Betreiberin, die Aare Seeland Mobil AG (ASM), verordnete ihr mehr Fahrten und eine bessere Abstimmung des Fahrplans auf Bahn, Bus und Schiffe. Seit der Wiedereröffnung im Mai 2004 benutzen rund 110 000 Passagiere im Jahr die Vinifuni, 30 Prozent mehr als zuvor. Darunter sind viele Pendler und noch mehr Ausflügler.


Postautokurse per Handy

Eine neue Technik erprobt die Postauto Schweiz AG: Testkunden sammeln für sie in der Region Heiden AR Erfahrungen mit dem Mobile Tagging – der Fahrplanauskunft via internetfähigem Kamera-Handy: Kommt ein Tester zu einem Wanderwegweiser mit Postauto-Signet, fotografiert er per Handy den dort angebrachten Bildcode. Eine Handy-Software erkennt den Code und stellt Kontakt zum Internet her. Von dort empfängt das Handy Angaben zur nächsten Postauto-Haltestelle und den Abfahrtszeiten in jede Richtung. «Sollte der Test positiv verlaufen, wollen wir Mobile Tagging standardmässig nutzen», sagt Projektleiter Urs Haftka. Für die Kunden böte das Vorteile: Jeder kann Abfahrtszeiten abfragen, ohne die nächste Haltestelle kennen zu müssen. Die Abfrage kostet maximal 6 Rappen – ein Zehntel der SMS-Anfrage auf die Nummer 222.


Busverbindungen in die Alpentäler

Etliche alpine Ausflugsziele sind schlecht per Bus zu erreichen. Der Grund: Bund und Kantone finanzieren den öffentlichen Verkehr erst, wenn 100 Personen in der angefahrenen Ortschaft wohnen. Diese Lücke soll der Alpentäler-Bus schliessen. Zu den Initiatoren zählen die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Berggebiete, VCS und Postauto AG. Sie haben seit 2005 neue Angebote in vier Berggebieten lanciert, neben fixen Linien etwa Schneebusse in Gantrisch BE und der Moosalp VS oder Rufbusse im Binntal VS und in der Greina-Hochebene GR/TI. 14 000 Fahrgäste haben die Busse im ersten Jahr genutzt. Die Träger planen, weitere vier Regionen hinzuzunehmen. «Unsere Vision ist eine möglichst grosse Abdeckung», sagt Projektleiter Samuel Bernhard. Bisher haben die Busse ein Manko: General- und Halbtaxabo sind nicht gültig. �

25. September 2007 | Eric Breitinger


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