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Vor einer Darmspiegelung zur Früherkennung von Darmkrebs haben viele Angst. Doch gerade bei dieser Krebsform ist die Vorsorge sehr wichtig.
Darmkrebs gehört zu den am häufigsten tödlich verlaufenden Krebsarten. Rund viertausend Schweizer erkranken jedes Jahr, jeder Zweite stirbt später daran. Das müsste nicht sein, wenn die Vorsorge besser genutzt würde – vor allem von Risikopatienten (siehe Kasten).
Mit einer Darmspiegelung lassen sich die anfangs noch harmlosen Polypen frühzeitig aufspüren und entfernen. Sonst entwickeln sie sich im Lauf der Jahre zu bösartigen Krebsgeschwüren. «Die Möglichkeit, diesen Tumor mit
einer Darmspiegelung nicht nur im Frühstadium zu erkennen, sondern die Entstehung gar zu verhüten, ist beim Darmkrebs einzigartig», sagt Urs Marbet, Chefarzt der Gastroenterologie am Kantonsspital Uri.
Nur 10 bis 20 Prozent der über 50-Jährigen nutzen die Vorsorge
Bei der Darmspiegelung inspiziert der Arzt die Darmwand mit einem rund 2 Meter langen dünnen Schlauch (Koloskop), den er über den After einführt. Findet er dabei mögliche Krebsvorstufen, kann er sie über das Untersuchungsrohr schmerzlos entfernen und so die Entstehung des Krebses verhindern.
Doch der Grossteil der Bevölkerung schreckt vor dieser unangenehmen Prozedur zurück. Nur 10 bis 20 Prozent der am häufigsten betroffenen Altersgruppe – der über 50-Jährigen – nutzen die Vorsorge. «Die meisten empfinden vor allem die Darmentleerung vor der Untersuchung als
unangenehm», weiss Marbet zudem aus eigenen Studien. Dass die meisten erst dann zum Arzt gehen, wenn Symptome (siehe Kasten) vorliegen, hat drastische Folgen: Bei jedem zweiten neu diagnostizierten Darmkrebs ist die
Erkrankung bereits weiter fortgeschritten und die Überlebenschance sinkt rapide.
Mit der sogenannten virtuellen Darmspiegelung bieten nun seit einiger Zeit die Universitätskliniken und immer mehr Privatkliniken eine weniger unangenehme Alternative an. «In den USA ist die virtuelle Darmspiegelung eine etablierte Methode», sagt Thomas Glücker vom Basler Universitätsinstitut für Radiologie, der diese Vorsorgeuntersuchung selbst durchführt. «Sie könnte möglicherweise auch die Zurückhaltenden
zur Vorsorge motivieren», hofft er.
Bei der virtuellen Darmspiegelung bleibt dem Patienten das Einführen und Zurückziehen des Endoskops erspart. Er liegt dabei in einem Computertomografen, der den Darm unter geringer Strahlenbelastung scheibchenweise fotografiert. Damit das Gerät deutliche Bilder erhält, wird zu Beginn der Untersuchung der Dickdarm mit Luft gefüllt. Eine Software konstruiert anschliessend aus den
Einzelbildern eine Innenansicht des Darms, durch die
der Arzt auf dem Monitor virtuell hindurchfahren und nach Polypen Ausschau halten kann.
Virtuelle Methode: Lästige Vorbereitung trotzdem notwendig
Umfragen zeigen, dass etwa jeder zweite Patient, der beide Untersuchungsmethoden kennt, die virtuelle Darmspiegelung bevorzugt. «Trotzdem blieb ihr bislang der Durchbruch versagt», sagt Peter Bauerfeind, leitender Arzt der Abteilung Gastroenterologie am Universitätsspital Zürich und Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für die Prävention und Bekämpfung von Krankheiten des Magen-Darm-Traktes.
Hauptgrund: Die Darmreinigung ist für die virtuelle Alternative mit ebenso grosser Sorgfalt nötig, damit Stuhlreste auf dem Bildschirm nicht versehentlich als Polyp interpretiert werden. «Sofware-Ingenieure arbeiten bereits an der elektronischen Darmreinigung, die den Stuhl aus dem Darmbild herausrechnet», erklärt Glücker. Dadurch würde die lästige Darmvorbereitung überflüssig. Wie gut das später in der Praxis funktioniert, ist jedoch noch offen.
Aber auch die virtuelle Methode stösst an ihre Grenzen: Entdeckt der Arzt auf dem Monitor verdächtiges Gewebe, müssen die Polypen anschliessend mit einer herkömmlichen Darmspiegelung entfernt werden. Das ist bei 10 bis 20 Prozent der Untersuchten der Fall. Die virtuelle Darmspiegelung ist deshalb nur bei Menschen sinnvoll, die sich erstmals untersuchen lassen und keine Symptome für Darmkrebs aufweisen.
Erkennung von kleineren Polypen eher schwierig
Barbara Iseli von der Krebsliga Schweiz stellt zudem fest: «Zur virtuellen Untersuchung gibt es noch keine breiten Studien, die Qualitätssicherung stellt noch ein Problem dar.» Kleinere Darmpolypen unter 8 Millimeter würden virtuell nicht immer erkannt. «Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass Polypen dieser Grösse Tumorzellen enthalten», sagt Glücker.
Billig ist die Vorsorge mit beiden Methoden nicht: Die klassische Darmspiegelung kostet 400 bis 800 Franken, die virtuelle 200 bis 500 Franken. Im Gegensatz zu vielen Nachbarländern bezahlen die hiesigen Krankenkassen die Untersuchung nur dann, wenn bereits Symptome vorliegen. «Angesichts der präventiven Möglichkeiten beim Darmkrebs ist das ein katastrophaler Zustand», sagt Bauerfeind. Und Darmkrebsspezialist Urs Marbet meint: «Die Therapiekosten für den Darmkrebs aben sich aufgrund besserer, aber teurerer Chemotherapien in den letzten Jahren mindestens verdoppelt. Die Vorsorge rechnet sich daher zunehmend für die Krankenkassen.»
Der Stuhltest st keine genaue Alternative
Kein optimaler Ersatz ist hingegen das erschwingliche, aber ungenaue Stuhlbriefchen. Dabei streicht man zu Hause etwas Stuhl auf ein Kartonbriefchen und schickt es dann per Post ins Labor. Dort wird es auf Blut untersucht und signalisiert daher nur bereits bestehende Tumore und somit eine fortgeschrittene Krebserkrankung. In vielen Fällen ist jedoch das Testergebnis auch falsch. Studien zeigen, dass sich mit dem Stuhlbriefchen die tumorbedingten Todesfälle nur um 25 Prozent reduzieren lassen. Die Darmspiegelung hingegen schafft 80 Prozent.
Darmkrebs: Wichtige Fragen zur Vorsorge
Was sind die Symptome für Darmkrebs?
Wichtig: Diese Symptome werden längst nicht mmer durch Darmkrebs ausgelöst. Es können uch harmlosere Störungen dahinterstecken, zum Beispiel Darmbeschwerden infolge falscher Ernährung oder eine Blutung aus Hämorrhoiden. ei Blut im Stuhl ist aber eine ärztliche Abklärung
immer wichtig, auch bei klar diagnostizierten ämorrhoiden.
Wann ist eine Darmspiegelung sinnvoll?
Wo wird die virtuelle Darmspiegelung angeboten?
Neben den Universitätskliniken bieten auch immer mehr Privatkliniken die Methode an. Über die regionalen Angebote sollte der überweisende Hausarzt oder Gastroenterologe befragt werden.
05. September 2007 | Andreas Grote
