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Artikel | saldo 13/2007

Versicherungen profitieren – auf Kosten der Prämienzahler

Eine saldo-Analyse zeigt: Die Prämien der Privatversicherungen steigen in mehreren Bereichen stärker als die Schäden, die sie vergüten müssen. Ein riesiges Geschäft.

 

Privatversicherungen sind ein Milliardengeschäft – und in bestimmten Bereichen rentiert es immer besser. Im Jahr 2005 bezahlten die Schweizer über 50 Milliarden Franken an Prämien für private Versicherungen wie Haftpflicht- oder Motorfahrzeugpolicen. In diesen 50 Milliarden sind die Prämien der obligatorischen Sozialversicherungen wie AHV, IV, Pensionskasse und Grundversicherung der Krankenkasse nicht eingerechnet.
saldo hat bei einzelnen Bereichen der Privatversicherungen genauer hingeschaut und verglichen, wie sich die Prämieneinnahmen im Vergleich zu den Schadenszahlungen entwickelt haben (siehe Grafiken). Die Tendenz: Teilweise haben in den letzten Jahren die Prämieneinnahmen im Verhältnis zu den Schadenszahlungen stärker zugenommen.

Bruttomargen liegen bei über 50 Prozent

Eindeutig ist das bei den privaten Krankenversicherungen (Einzelkranken- und Krankentaggeldversicherungen). 1996 gaben die Privatversicherer 84,5 Prozent der Prämieneinnahmen für Schadenszahlungen aus. Im Jahr 2005 waren es nur noch 70,6 Prozent.
Oder in der Rechnung, wie sie für den einzelnen Versicherten interessant ist:

  • 1996 bezahlten die Versicherten Fr. 1.18 Prämien, um einen Franken Schaden gedeckt zu erhalten.
  • 2005 bezahlten die Versicherten Fr. 1.42 Prämie, um einen Franken Schaden gedeckt zu erhalten.
Handelt es sich auch nur gerade um 24 Rappen, die die Prämien pro verursachtem Franken Schaden zugelegt
haben – für die Versicherungen geht es hier um Hunderte von Millionen Franken: Sie nahmen 2005 6,218 Milliarden Franken an Prämien ein, für Schadenszahlungen mussten sie 4,39 Milliarden Franken ausgeben. Die Bruttomarge (Differenz zwischen Prämien- und Schadenszahlungen) beträgt 1,828 Milliarden Franken oder 42 Prozent.
Doch nicht nur im Krankheitsbereich verdienen die Privatversicherer immer mehr Geld: Bei den Motorfahrzeugversicherungen sind die Schadenszahlungen nach der Marktliberalisierung von 1996 bis 2000 prozentual zwar noch stärker gestiegen als die Prämieneinnahmen. Ab dem Jahr 2000 ist es aber umgekehrt:
  • 2000 bezahlten die Versicherten Fr. 1.42 Prämie, um einen Franken Schaden gedeckt zu erhalten.
  • 2005 bezahlten die Versicherten Fr. 1.57 Prämie, um einen Franken Schaden gedeckt zu erhalten.
Auch hier setzten die Privatversicherungen enorme Summen um: Die gesamten Prämieneinnahmen betrugen 2005 5,179 Milliarden Franken. Die Bruttomarge lag mit 57 Prozent noch um einiges höher als bei den Krankenversicherungen.
Solche Zahlen lösen bei Josef Hunkeler vom Büro des Preisüberwachers Stirnrunzeln aus: «Durchschnittliche Bruttomargen von über 50 Prozent sollten auch bei den Privatversicherern hinterfragt werden», sagt der Ökonom. Wobei er vor allem die Allgemeine Haftpflicht anspricht, bei der die Marge 2005 bei 131 Prozent lag. Hunkeler schätzt die Rentabilität der Privatversicherungen als nach wie vor sehr hoch ein – seit einigen Jahren mit steigender Tendenz. «In einzelnen Bereichen hat die Bruttomarge den in
einem funktionierenden, transparenten Markt möglichen Wert zweifellos überschritten.»
Gleich sieht es Franz Jaeger, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität St. Gallen: «Der Wettbewerb unter den Versicherungen spielt nicht befriedigend – zum Teil ist er sogar überhaupt nicht vorhanden.» Und dies, obwohl der gesamte Markt der Privatversicherungen liberalisiert ist. Jaeger sagt: «Vom fehlenden Wettbewerb profitieren die Versicherungen.» Ein Beispiel für fehlenden Wettbewerb sieht er bei den Motorfahrzeugversicherungen.

Branchenverband stört sich am saldo-Vergleich

Im Gegensatz zu den Ökonomen Jaeger und Hunkeler ist der Schweizerische Versicherungsverband (SVV) überzeugt, dass der «Wettbewerb in der Branche sehr gut funktioniert». Dies teilt er auf Fragen von saldo schriftlich mit.
Mit der Zahlenauswertung von saldo tut sich der SVV schwer: «Der Vergleich der Prämien mit den Schadenszahlungen pro Jahr oder die
Entwicklungen weniger Jahre sind aus versicherungstechnischer Sicht problematisch und ebenso die Schlüsse, die daraus gezogen werden, da das Prämienjahr nicht mit dem Auszahlungsjahr zusammenfällt und die Versicherer langfristig kalkulieren.» Die Aussage, wie viel ein Franken Schaden an Prämien kostet, ist für den Verband nur von sehr beschränktem Wert.
Ein «Erklärungsansatz», warum in einzelnen Bereichen die Prämien verhältnismässig stärker steigen als die Schäden, sieht der SVV in der Börsenbaisse und dem Rückgang des Zinsniveaus 2001/2002. Die Versicherer hätten darauf Massnahmen auf der Schaden-, Kosten- und Prämienseite getroffen.

05. September 2007 | Thomas Zemp


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