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Artikel | K-Geld 04/2007

«Bei diesen Gebühren hätte ich den Auftrag nie erteilt»

Die Migrosbank wirbt mit günstigen Pauschaltarifen für Börsengeschäfte. Doch die Spesen sind reine Glückssache.

Eigentlich war K-Geld-Leser Jürg Beutel aus Oetwil ZH mit der Migrosbank stets zufrieden. Auch vergangenen Dezember, als er 325 Anteile des Aktienfonds Far-East-Equities des dänischen Fondsherausgebers Sydinvest gekauft hatte.
Die Migrosbank hatte neben der Courtage von 40 Franken noch Fr. 22.35 für «Steuern, Marktgebühren, fremde Spesen etc.» verlangt. Dieser Abzug war dem Kunden Beutel aber nicht besonders aufgefallen.
Beutel kaufte deshalb im letzten Frühjahr noch einmal 350 Anteile desselben Fonds. Doch diesmal belastete ihm die Migrosbank neben der Courtage zusätzliche Fr. 326.20.
Das ist beinahe das 15-Fache. Jürg Beutel war empört. Er meldete sich sofort bei der Migrosbank. Und erhielt eine überraschende Antwort.
Die Migrosbank kauft die Anteile aus Kostengründen nicht selbst bei der Fondsgesellschaft Sydinvest, sondern via UBS. Die UBS berechnet der Migrosbank für diese Dienstleistung Spesen. Die Migrosbank ihrerseits verrechnet diese Spesen ihren Kunden weiter.
Beim ersten Mal hatte Beutel Glück: Andere Kunden hatten gleichzeitig Anteile desselben Fonds gekauft – die Spesen wurden unter ihnen aufgeteilt. Beim zweiten Mal war er der einzige Käufer – er musste die Spesen alleine bezahlen.

Kein Wort über zusätzliche Gebühren

«Hätte ich gewusst, dass die Migrosbank derart hohe Gebühren verlangt, hätte ich den Auftrag nie erteilt», sagt er. Und fügt an: «Bedenklich finde ich, dass mein Berater nie etwas von zusätzlichen Gebühren gesagt hat.»
Beutel hatte der aktuellen Migrosbank-Werbung geglaubt. Darin betont die Bank, dass sie bei Börsengeschäften nicht volumenabhängige Spesen verrechne, sondern eine Pauschale.
Wörtlich: «Bei der Migrosbank gibts Börsentransaktionen zum Pauschaltarif. 40 Franken übers Internet. 100 Franken übers Telefon.»
Adrian Haut, Migrosbank-Sprecher, präzisiert, dass Fremdspesen stets weiterbelastet würden. Das stehe auch so in der Gebührenordnung. Deshalb würden die Kunden bei der Beratung auch nicht informiert. Aber sie könnten natürlich danach fragen. Ob sie darauf verlässliche Antworten erhalten, ist allerdings fraglich.
Jürg Beutel hatte nicht speziell danach gefragt. Kunststück. Wie hätte er ahnen sollen, dass derart hohe Kosten anfallen? Und dass deren Höhe erst noch davon abhängig ist, ob andere Kunden gleichzeitig Anteile desselben Fonds kaufen?

Bank schiebt Verantwortung auf die Kunden


«Wer bei einem Kauf nicht ein Standardprodukt wählt, sollte immer zuerst telefonisch beim Kundenberater anfragen, ob Fremdspesen anfallen und wie hoch sie sind», rät Adrian Haut.
Doch woher soll der Kunde wissen, ob die Anlage ein Standardprodukt ist?
Hätte Jürg Beutel die Höhe der Fremdspesen reduzieren können, wenn er die Migrosbank beauftragt hätte, seinen Auftrag erst zusammen mit anderen Aufträgen auszuführen?
Adrian Haut legt sich nicht fest. «Das ist eher schwierig», sagt er. Und: «Bei Aufträgen übers Internet unmöglich.»
Der Migrosbank-Sprecher beteuert, die Bank habe keinen Fehler gemacht. Dennoch hat sie nach Intervention von K-Geld entschieden, ihrem Kunden die Differenz der Spesen zwischen erstem und zweitem Kauf zurückzuerstatten.
Übrigens: Die Migrosbank ist kein Einzelfall. Was Jürg Beutel erlebt hat, droht auch Kunden anderer Banken, wenn sie Anteile von Fonds erwerben, die in der Schweiz selten verkauft werden.
Dies ergab eine kleine Umfrage von K-Geld. Die Bank Coop betont, dass Aufträge nicht «gepoolt» werden könnten, weil «bei der Auftragserfassung nicht ersichtlich ist, ob schon weitere Kaufaufträge für denselben Fonds bestehen».

Einzig die UBS rechnet mit fixen Spesen

Die Raiffeisen-Banken empfehlen ihren Kunden, vor dem Kauf die Tarifbestimmungen zu lesen, sich nach Zusatzspesen zu erkundigen sowie Fondsprospekte und
-reglemente zu studieren.
Ein bisschen viel verlangt, findet K-Geld. Zudem bleibt die Frage unbeantwortet, ob die Spesen zwischen mehreren Käufern aufgeteilt werden können.
Die Credit Suisse geht davon aus, dass bei ihren Kunden keine extrem hohen Spesen anfallen können. Denn: «Die Anzahl Kunden und Transaktionen sind bei uns sehr gross.»
Die UBS rechnet Fremdspesen bereits in ihre Ausgabekommission ein. Ihre Kunden sind vor Überraschungen gefeit.
Rolf Biland vom VZ Vermögenszentrum hat festgestellt, dass «das Risiko für hohe Fremdspesen umso höher ist, je exotischer der Fonds ist».     


Tipps

Fragen Sie nach Fremdspesen!

Wählen Sie, falls Sie mehrere gleichwertige Fonds zur Auswahl haben, den grösseren.
Fragen Sie Ihren Berater stets nach Fremdspesen, die zusätzlich anfallen könnten. Falls er sich nicht festlegt, müssen Sie auf weitere hohe Spesen gefasst sein.

31. August 2007 | Marco Diener


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