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Artikel | K-Tipp 12/2007

Gefährliche Waffen für Kids

Trotz behördlicher Kontrollen: Gefährliche Spielzeugwaffen bleiben in den Regalen. So werden Pfeile mit Eisenspitzen ohne Warnhinweise angeboten, wie eine Stichprobe zeigt.

Kids-Town, die Spielwaren-Filiale von Franz Carl Weber (FCW) an der Zürcher Bahnhofstrasse, erhielt Anfang Mai Besuch: Eine Mitarbeiterin des Kantonalen Labors Zürich kaufte mehrere mit Metallspitzen verstärkte Pfeile.
Die Reaktion der Behörde blieb nicht aus. In einem Schreiben an FCW heisst es: «Die Proben sind als gesundheitsgefährdend zu beurteilen und somit nicht mehr verkehrsfähig.» Der FCW-Chefeinkäufer, Dieter Leopold, verspricht: «In allen unseren neun Filialen in der Schweiz werden die Pfeile in dieser Form nicht mehr verkauft.»
Nicht nur in FCW-Filialen finden sich gefährliche Spielzeugwaffen. Das zeigt eine Stichprobe, die der K-Tipp Anfang Juni in sieben Spielwarengeschäften in Basel, Luzern, St. Gallen, Zug und Zürich durchgeführt hat. In zwei Läden - der Spielkiste in Luzern und dem Zollibolli in St. Gallen - stiess der K-Tipp auf gleiche Pfeiltypen mit Metallspitzen wie oben erwähnt. In beiden Fällen wurden die Projektile ohne Warnhinweise verkauft - und das ist verboten.
Peter Wenk vom Kantonalen Labor Basel-Landschaft prüfte für den K-Tipp sämtliche Projektile auf ihre Sicherheit: «Wenn die Pfeile nicht ausdrücklich als Sportgeräte oder mit dem Hinweis “nicht für Kinder unter 14 Jahren geeignet” deklariert sind, gelten sie als Spielzeuge», erklärt Wenk. Und das Gesetz schreibe vor, dass nur Spielwaren ohne Metallspitzen verkauft werden dürfen.
«Dass die Pfeile ohne Warnhinweis verkauft wurden, ist ein Versehen», sagt Manuela Kolb von der Spielkiste Luzern. Die Angestellten seien instruiert worden, jedem Kunden ein Infoblatt abzugeben. Und Katrin Zollikofer vom St. Galler Zollibolli will vorläufig gar keine Pfeile mit Metallspitzen mehr verkaufen. Sie betont jedoch, dass in allen Pfeilsets entsprechende Warnhinweise enthalten seien.

Sicherheitsmängel bei 25 von 55 Geschossen
Bereits im März veröffentlichte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Resultate einer eigenen Untersuchung: Von 55 getesteten Geschoss-Spielzeugen (Armbrust, Bogen) wiesen 27 einen oder mehrere Sicherheitsmängel auf. Weiter deckte die Kontrolle auf, dass bei 16 Pfeilen der Saugnapf ungenügend fixiert war. Aufgrund dieses Schwachpunkts ist es vor zwei Jahren in Spanien zu einem tragischen Unfall gekommen: Ein vierjähriger Knabe erstickte, nachdem er einen Saugnapf verschluckt hatte.

K-Tipp-Stichprobe: Saugnäpfe halten
Der BAG-Test zeigte zudem bei 11 Geschossen, dass die Aufprallenergie zu hoch ist. Das heisst: Es besteht das Risiko, dass derartige Projektile zu Augenverletzungen führen. Und in fünf Fällen war der Pfeil (Armbrust) insgesamt kürzer als die gesetzlich vorgeschriebenen 5,7 Zentimeter.
Das Problem dabei: Kinder können solche Projektile leicht verschlucken. Sämtliche beanstandeten Produkte wurden schliesslich beschlagnahmt oder vom Markt genommen.
Immerhin scheint es sich inzwischen in der Branche herumgesprochen zu haben, dass die Saugnäpfe an den Pfeilspitzen so zu fixieren sind, dass sie dem Gesetz genügen und der Zugkraft von mindestens sechs Kilogramm standhalten.
Zu diesem Ergebnis kommt nun Peter Wenk aufgrund der im Auftrag von K-Tipp durchgeführten Tests.

Ludothek: Mieten statt kaufen
Spielsachen müssen nicht immer gekauft werden. 400 Spielzeugverleiher sind im Verband Schweizer Ludotheken (VSL) zusammengeschlossen. Gefährliches Spielzeug ist tabu. Der Verband prüft ständig neue Spielgeräte und gibt die entsprechenden Empfehlungen an seine Mitglieder weiter. So soll verhindert werden, dass Gewaltspiele jeglicher Art in den Verleih gelangen.
Unter www.ludo.ch findet sich ein Adressverzeichnis aller dem VSL angeschlossenen Ludotheken und ihren Öffnungszeiten.

20. Juni 2007 | Thomas Heer


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