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Frauen in der Schweiz zahlen für Antibabypillen viel zu viel. Denn der Markt spielt kaum. Und es gibt nur wenige Generika.
Tanja Kolb aus Zürich nimmt die Pille, seit sie 18 ist. Sie hat viel Geld dafür ausgegeben. Zusammengerechnet sind es rund 5000 Franken. Kolb ist sauer auf die Pillenproduzenten. «Die Hersteller können verlangen, was sie wollen. Die Frauen müssen das einfach hinnehmen», sagt sie. «Würde die Pille gleich viel kosten wie im Ausland, könnte ich heute Ferien machen mit dem, was ich gespart hätte.»
Preisüberwacher: «Die Preise sind stark überhöht»
Tatsächlich bezahlen Frauen in der Schweiz zu viel für die Pille. Im Vergleich zu Deutschland müssen Schweizerinnen durchschnittlich etwa 40 Prozent mehr hinblättern. «Die Preise für die Pille in den gängigsten Packungsgrössen sind noch viel stärker überhöht als für viele andere Medikamente», sagt Preisüberwacher Rudolf Strahm. Grund: Die Pille ist nicht kassenpflichtig. Dadurch entfällt der Druck von Politik und Krankenkassen auf die Preise. Ausserdem be?ndet sich das Geschäft mit den Hormonpillen in den Händen einiger weniger Hersteller und Vertriebs?rmen.
Dies ist einer der Gründe, warum es kaum Generika für Antibabypillenpräparate gibt. Denn die Hersteller verdienen mehr mit den Originalpräparaten als mit billigeren Nachahmerprodukten. Generika sind trotz gleicher Wirkstoffe etwa 30 Prozent billiger als die Originalpräparate. Beispiel: Eine Monatspackung Diane-35 kostet Fr. 21.60, das Generikum Elleacnelle hingegen nur Fr. 13.90.
«Hätt ich das gewusst, hätt ich schon viel früher gewechselt»
Gemäss Peter Bosshardt von der Generika-Apotheke Winkelried in Zürich gibt es lediglich für vier der total 34 Pillenpräparate Generika. Für diese vier Originalpillen sind insgesamt zehn Generika im Handel. Vier Generika fallen allein auf die umstrittene Diane-35. Ärzte dürften sie eigentlich nur dann zur Verhütung verschreiben, wenn Frauen an starker Akne, an Gesichtsbehaarung oder unter Glatzenbildung leiden. Denn Diane-35 steht wegen ihrer Nebenwirkungen immer wieder in der Kritik (siehe Gesundheitstipp, Ausgabe 6/2006). Trotzdem verschreiben Ärzte sie oft als normale Pille.
Tanja Kolb verhütet mit Diane- 35. Sie hat sie immer gut vertragen. «Geärgert hat mich jedoch, dass “meine” Pille eine der teuersten ist», erzählt sie. Darum hat sich Tanja Kolb letzten Herbst erkundigt, ob es nicht eine gleiche, günstigere Pille gibt. Im Internet stiess sie auf das Produkt Minerva und liess es sich von ihrem Frauenarzt verschreiben. «Mit Minerva bin ich sehr gut gefahren», sagt sie.
Kein Wunder: Minerva ist nämlich die genau gleiche Pille wie Diane-35. Hersteller Schering verpackt die Pille nur unterschiedlich und verkauft sie billiger unter einem andern Namen. Für die Dreimonatspackung Minerva zahlt Tanja Kolb gut 20 Franken weniger als für Diane-35. «Hätte ich das gewusst, ich hätte schon viel früher gewechselt», sagt sie.
Diane-35 ist übrigens nicht das einzige Präparat, für das es ein billigeres identisches Produkt gibt. Auch andere Hersteller verkaufen die Pille unter einem andern Namen günstiger. So ist Meliane die gleiche Pille wie Meloden und Myvlar wie Gynera.
Merkblatt Verhüten
Gratis zum Herunterladen unter www. gesundheitstipp.ch oder gegen ein frankiertes C5-Retourcouvert bei Gesundheitstipp, «Verhütungsmittel», Postfach 277, 8024 Zürich.
Günstigere Alternativpräparate
Unter www.oddb.org sind im Internet für alle Originalpräparate die erhältlichen Generika abrufbar.
Für Antibabypillen sind dies:
- Diane-35 (Fr. 21.60 1): Elleacnelle (Fr. 13.90), Cyprestra (Fr. 14.30), Feminac 35 (Fr. 15.40), Cyproteronacetat EE Sandoz (Fr. 15.40) sowie Minerva 2 (Fr. 15.40)
- Meloden (Fr. 21.60): Meliane 2 (Fr. 18.25), Harmonet (Fr. 19.90)
- Mirelle (Fr. 20.95): Minesse (Fr. 19.90)
- Gynera (Fr. 20.40): Myvlar 2 (Fr. 17.40), Minulet (Fr. 18.85)
1 Alle Preisangaben beziehen sich auf Monatspackungen
2 Identisch mit dem Originalpräparat
13. Juni 2007 | Claudia Benetti
