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Artikel | Gesundheits-Tipp 6/2007

«Ich will doch keine Sucralose trinken»

Rivella grün enthält den neuen Süssstoff Sucralose. Doch Kritiker sagen: Finger weg! Sucralose sei Unkrautvertilgern chemisch ähnlich und liesse sich in der Natur kaum abbauen. Die Herstellerfirma bestreitet dies.

Hanna Haake greift im Supermarkt sofort zu, als sie die neuen Rivella-Flaschen sieht: «50 % weniger Zucker», steht gross auf der Etikette. «Das hat mich gefreut», sagt Hanna Haake. «Weniger Zucker ist natürlich besser.»
Als die 21-jährige Krafttrainerin daheim das Kleingedruckte auf der Etikette liest, stellt sie fest, dass der Hersteller einen Teil des Zuckers durch den neuen Süssstoff Sucralose ersetzt hatte.
Haake fühlt sich von der Werbung getäuscht: Diese hatte ihr weniger Zucker versprochen - aber nichts vom künstlichen Süssstoff erwähnt. Statt das Rivella zu trinken, giesst Haake die sechs gekauften Flaschen in den Ausguss: «Ich will doch keine Sucralose trinken.»

Hinter E 955 versteckt sich Sucralose
Der Süssstoff ist 500- bis 600-mal süsser als Zucker und enthält keine Kalorien. In den USA ist Sucralose unter dem Markennamen Splenda bekannt und in über 3500 Lebensmitteln zu finden. In der Schweiz ist Sucralose seit rund einem Jahr zugelassen und hat die E-Nummer 955. Man findet den Stoff zum Beispiel in Kaugummis, Eistee, Diät-Joghurt, Fruchtsaft und Zahnpasta.
Sucralose wird aus Zucker gemacht, doch während der Herstellung mit Chlor versehen. So entsteht eine organische Chlorverbindung - eine Stoffklasse, die für ihre Giftigkeit bekannt ist, sagen Kritiker. Einige Vertreter dieser Stoffklasse haben in der Vergangenheit Schlagzeilen gemacht, etwa die Unkrautvernichter DDT und Lindan.

Herstellerfirma: Der Süssstoff ist «unbedenklich»
Der englische Sucralose-Hersteller Tate & Lyle wiegelt ab: Ihr Süssstoff und DDT seien sehr verschiedene Moleküle und «Sucralose eine völlig andere Verbindungsart und wasserlöslich». Der Süssstoff durchlaufe den Körper unverändert, sammle sich nicht an und sei ungiftig.
Kritische Fachleute befürchten zudem, dass Sucralose die Gesundheit gefährden kann: In Tierversuchen dokumentierten Wissenschaftler Veränderungen von Nieren und Leber. Es entstünden Abbauprodukte, deren Wirkung auf den Menschen noch nicht hinreichend erforscht sei.
Tate & Lyle bestreitet dies. Klinische Testergebnisse würden zeigen, dass der Süssstoff «sicher» und für die menschliche Gesundheit «unbedenklich» sei.
Die Rivella AG verweist auf die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Gesundheitsbehörden der EU sowie der Schweiz: Sie alle hielten Sucralose für «unbedenklich», schreibt Sprecherin Monika Christener.
Ernährungsexperten bemängeln aber, dass Sucralose - wie andere Süssstoffe - appetitanregend wirken könne. Tate & Lyle bezeichnet dies als «Gerücht».
Weil es mit Sucralose keine Langzeiterfahrungen gibt, ist für den Ernährungsexperten Heinz Knieriemen klar: «Von diesem Stoff muss man die Finger lassen.» Auch hier sagt Tate & Lyle, dass Sucralose «keine Konsequenzen für die langfristige Gesundheit» habe. Wissenschaftliche Studien würden dies klar belegen.

Forscher befürchten, Sucralose schade der Umwelt
Doch Sucralose ruft nicht nur kritische Ernährungsexperten auf den Plan - auch Biologen sind besorgt: In Norwegen, wo der Süssstoff ebenfalls seit einem Jahr zugelassen ist, wurden Rückstände im Wasser gefunden. Grund: Der Körper scheidet den grössten Teil der Sucralose aus. Auch in Kläranlagen wird der Stoff nicht abgebaut. Er fliesst direkt in Seen, Flüsse und ins Meer.
Norwegische Wissenschaftler befürchten, dass der Stoff Pflanzen und Tieren schadet: So soll Zucker nicht mehr richtig durch die Gefässe von Pflanzen transportiert werden. Zudem baue sich Sucralose erst nach fünf bis zehn Jahren auf natürliche Weise ab.
Knieriemen ist überzeugt: «Wir sollten keine Chemikalien verwenden, die sich so lange in der Natur halten können.» Auch hier sagt Sucralose-Hersteller Tate & Lyle, die Ausführungen seien «spekulativ und wissenschaftlich nicht belegt».
Hanna Haake hat sich entschieden: Sie verzichtet künftig auf Rivella grün. Wenn sie wieder eine Rivella-Flasche in die Hand nimmt, wird die Etikette rot sein.
Für all jene, die ihr grünes Rivella ohne künstlichen Süssstoff geniessen möchten, gibt es eine Alternative: das grüne Mivella der Migros. Das Getränk wird in der gleichen Fabrik abgefüllt wie das Original. Ein geschmacklicher Unterschied zu Rivella besteht kaum. Bloss verwenden die Hersteller für Mivella das unveränderte Rezept - und das heisst: Es ist nach wie vor mit natürlichem Zucker gesüsst.

Das sollten Sie wissen
- Geben Sie Ihren Kindern möglichst wenig künstlich gesüsste Lebensmittel.
- Verzichten Sie auf Süssstoff - auch wenn Sie abnehmen wollen. Reduzieren Sie schrittweise den Zuckerkonsum.
- Süssstoffe müssen auf den Produkten deklariert werden - entweder mit dem Namen oder mit der E-Nummer:
Acesulfam K (E 950), Aspartam (E 951), Cyclamat (E 952), Isomalt (E 953), Saccharin (E 954), Sucralose (E 955), Thaumatin (E 957).
Wie viel Süssstoff ein Produkt enthält, bleibt dem Konsumenten jedoch verborgen.

13. Juni 2007 | Gabriela Braun


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Lebensmittel
Coop-Kunden sollen nicht mehr erfahren, aus welchem Land Importprodukte kommen. «Hergestellt in der EU» genüge. Was halten Sie davon?
Das Herkunftsland muss weiterhin deklariert werden.
Nur das Herkunftsland reicht nicht. Es sollte noch viel detaillierter deklariert werden.
Kein Problem. Ich achte sowieso nicht drauf.
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