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Artikel | K-Geld 3/2007

Zero Limits Light - Philipp Kreisselmeier, Journalist in Rom

Das Wort Flatrate in der Werbung hat mir Schwierigkeiten bereitet. Ich fand das Verb flatrare (io flatro, tu flatri...) nicht im Wörterbuch. Doch flatrate ist gar nicht die Befehlsform in der Mehrzahl von flatrare - vielmehr wurde da eine Flatrate angepriesen. Ein fixer Monatstarif, unabhängig von Zahl und Dauer der Gespräche.
Auch scatto alla risposta habe ich lange nicht begriffen. «Gebühreneinheit bei der Antwort» liess sich zwar mit Hilfe des Diktionärs entschlüsseln. Erst eine überraschend hohe Telefonrechnung machte mir klar, dass eine oft hohe Einheit fällig wird, sobald ich einen Anschluss erreiche - auch wenn dort nur eine Mailbox zu mir spricht und ich sofort wieder auflege. Das können 20 oder 30 Cent sein.
Die Marketing-Fantasie der italienischen Telekommunikation treibt Blüten, die auch Muttersprachler verwirren. Kürzlich schlug ich mich durch diesen Dschungel, denn ich musste einen neuen Vertrag abschliessen.
TIM tribù heisst ein Sonderangebot, und das ist auch so gemeint: La tribù ist wörtlich übersetzt der Volksstamm, und günstig ist dieser Tarif nur, wenn die Angerufenen ebenfalls dieses Angebot haben. So versucht der Anbieter, einen ganzen Freundeskreis als Stamm(es)kunden zu gewinnen. Für mich nicht das Richtige, weil ich meine Bekannten nicht zur Anschaffung eines Billig-Handys mit demselben Vertrag überreden will.
Ein weiteres Unternehmen lockt mit dem Angebot Vodafone tutti. Es erlaubt, halbwegs günstig auch die Inhaber des falschen Vertrags anzurufen.
Eine Alternative wäre vielleicht der Tarif TIM Club. Für meine Bedürfnisse kam aber auch er nicht in Frage, schon weil ich den Unterschied zum Volksstammtarif nicht verstand. Eine andere Firma bietet nicht nur die Option Zero Limits, die den eleganten Übergang vom Italienischen zum Englischen lehrt. Sondern sie rundet ihr Angebot noch ab - mit Zero Limits Light!
Es gibt also nicht nur eine Null - es gibt auch noch die leichte Null, was dann ja wohl irgendwie weniger als nichts sein soll.
Als vorteilhaft erwies sich, dass die Telekom in Italien einen fortschrittlicheren Begriff von Familie hat als die katholische Kirche. Den Handy-Verkäufern ist es egal, wer sich als Familie registrieren lässt.
Während die Prodi-Koalition - schlingernd zwischen ihrem Etikett Mittelinks und der bürgerlichen Vatikan-Hörigkeit - noch die peinlichsten Eiertänze um eine beidseits des Tibers akzeptable Form von Lebenspartnerschaftsgesetz vollführt, konnten mein Gemahl und ich uns tariftechnisch gesehen ohne jedes Problem als Familie deklarieren.
Mit der Folge, dass die Gespräche zwischen seinem und meinem Handy sowie zwischen den beiden Handys und unserem Festnetzanschluss nahezu gratis sind.
Unabhängig von den fantasievollen Bezeichnungen der diversen Sonderangebote von Mega 15 000, Easy Day Special und Telefono No Problem bis zu Noi Pack e SMS Pack ergab meine Recherche, dass der Italiener per Handy - anders als im Festnetz - kaum mit dem Ausland spricht.
Diesen Schluss ziehe ich aus dem Umstand, dass nur wenige Handy-Verträge auf dem Markt sind, die mit billigen internationalen Verbindungen wie einem monatlichen Festpreis werben.
Anders verhält es sich beim Anschluss daheim: Mit unserem altmodischen Apparat in der Wohnung können meine Familie und ich herrlich nach Deutschland, England und in die Schweiz flatrieren.

30. Mai 2007


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