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Artikel | saldo 9/2007

Mit dem Handy surfen: So geht es billiger

Viele nutzen das Internet auch unterwegs - mit dem Handy. Doch das kann teuer werden. saldo sagt, worauf man achten muss.

 

Die meisten Handys eignen sich heute nicht nur zum mobilen Telefonieren. Neben einer Kamera und einem MP3-Player ist auch der Zugang zum Internet inzwischen nahezu in jedem Gerät Standard.
Das ist verlockend: Wie am Computer zu Hause kann man so auch unterwegs schnell mal etwas über Google suchen, bei Ebay mitbieten, den Aktienkurs abfragen oder seine E-Mails abrufen. Aber keiner weiss wirklich, wie viel ihn das kostet, denn die Mobilfunkunternehmen verbergen die Angaben dazu meist auf ihren Internetseiten. Das böse Erwachen kommt erst später, mit der Rechnung. saldo sagt, worauf man achten muss, damit Internet per Handy nicht zur Kostenfalle wird.

1 Wenn immer möglich übers WAP-Internet surfen
Entscheidend für die Kosten ist, über welche Internetadresse der Nutzer eine Website aufruft. Die meisten Handys sind heute in der Lage, auf dem kleinen Bildschirm das «richtige», von zu Hause bekannte Internet mit grossen Bildern, Animationen und Sound darzustellen. Viel geeigneter für das Surfen mit dem Handy ist aber das auf den eigentlichen Inhalt abgespeckte und auf das kleine Display optimierte WAP-Internet (WAP steht für wireless application protocol), das hauptsächlich aus Text und wenigen einfachen Grafiken besteht.
Der Unterschied zwischen den beiden Internetstandards liegt in der Menge der Daten, die zum Handy übertragen werden und die der Kunde natürlich bezahlen muss. Die einmalig ins Handy einzutragenden Konfigurationsdaten für den Internetzugang sind entweder bereits voreingestellt oder können an der Hotline des jeweiligen Anbieters erfragt werden.
Die meisten Original-Internetseiten beginnen mit «www», WAP-Seiten hingegen meistens mit «wap». Ruft der Nutzer über seinen Internetbrowser im Handy zum Beispiel unter www.nzz.ch die Homepage der «Neuen Zürcher Zeitung» auf, müssen rund 370 Kilobytes (KB) an Daten übertragen werden. Das alleine kostet beispielsweise bei Swisscom mobile Fr. 3.70 - ohne dass auch nur ein Artikel ausgewählt und gelesen wurde. Die gleichen Nachrichten gibt es auch auf der WAP-Seite von wap.swissinfo.org. Hier ist jede Seite nicht einmal 30 KB gross und kostet entsprechend zehnmal weniger.
Da die mobile Nutzung immer gefragter ist, die mobile Datenübertragung aber teuer, bieten immer mehr Unternehmen wie Google, SBB, Ebay, Swissinfo usw. ihre Internetseiten auch als WAP-Version an. Auf «www»-Internetseiten unterwegs zuzugreifen, sollte tunlichst vermieden werden, ausser es besteht keine andere Möglichkeit.

2 Das Laden von Bildern deaktivieren
Wer über den Handybrowser das Mitladen von Bildern ausschaltet, der surft noch einmal bis zu einem Drittel billiger und zudem auch deutlich schneller, da nur noch der Text übertragen werden muss. Etwa 10 Rappen kostet dann der Aufruf einer WAP-Seite.

3 E-Mail-Anhänge am besten vermeiden
Die meisten Handys besitzen auch einen sogenannten Mail-Client. Hier trägt der Nutzer die Zugangsdaten zu seinem Mail-Konto ein und kann so E-Mails von dort abrufen oder neue verschicken. Das kostet vom Datenvolumen her maximal einen halben Franken, wenn nur Text verschickt wird. Soll hingegen ein Digitalbild aus der Handykamera versendet werden, dann ist dieses je nach Auflösung leicht mehrere hundert KB gross und die Übertragung kostet einige Franken. Auch E-Mails mit umfangreichem Anhang wie Bildern oder Dateien abzurufen, kann ins Geld gehen. Hier empfiehlt es sich, den Mail-Client so einzustellen, dass E-Mail-Anhänge nicht automatisch mitgeladen werden.

4 Den richtigen Anbieter auswählen
Heute wird von fast allen Anbietern zur Datenübertragung der Funkstandard GPRS verwendet, Swisscom mobile, Sunrise und Orange bieten zudem den schnelleren UMTS-Standard an. Die Nutzung wird bei GPRS und UMTS nicht wie beim Telefonieren nach Minuten, sondern nach übermitteltem Datenvolumen (meist pro angefangene 10 KB) abgerechnet. Der Vorteil: Die Zeit drängt nicht und der Inhalt einer Seite lässt sich in Ruhe lesen. Nur Coop mobile rechnet pro Minute ab (in der Fachsprache «leitungsvermittelt» genannt), was fast immer teurer ist als GPRS oder UMTS. M-Budget Mobile (Migros) und Yallo bieten hingegen nur Telefonie, keinen Internetzugang an.
Die Preise für das mobile Surfen im Internet und WAP variieren in der Schweiz auf hohem Niveau. Während deutsche Prepaid-Discounter umgerechnet noch nicht einmal 40 Rappen pro Megabyte (MB = 1000 KB) verlangen, macht in der Schweiz Cablecom mobile mit Fr. 3.50 das günstigste Angebot. Sunrise und Tele 2 verlangen 5 Franken pro MB. Das Doppelte verlangt Swisscom mobile, Orange sogar das Dreifache.

5 Für häufige Nutzer lohnt sich ein Abo
Der Preis pro MB lässt sich drücken, vor allem dann, wenn für den Nutzer absehbar ist, dass er regelmässig das mobile Internet nutzen will. So bieten die drei Netzbetreiber und der mit Orange kooperierende Provider Abalon Abo-Pakete an. Bei Swisscom mobile kann der Nutzer für 5 Franken pro Monat unlimitiert im WAP-Portal surfen. Dort findet er aktuelle Nachrichten, Wetter und vieles mehr, allerdings auch zahlreiche Services, die er zusätzlich bezahlen muss. Das Aufrufen von WAP-Seiten oder richtigen Internetseiten ausserhalb des WAP-Portals kostet weiterhin 10 Rappen pro 10 KB.
Bei Sunrise kostet die unlimitierte Nutzung des Internetzugangs pro Tag Fr. 3.50. Alternativ gibt es auch ein Monatsabo mit Inklusivvolumen von 5 MB für 5 Franken. Das Inklusivvolumen kann entweder für das Sunrise-WAP-Portal Sunrise live, andere WAP-Seiten oder das richtige Internet abgesurft werden. Achtung: Nicht aufgebrauchtes Restvolumen am Ende des Monats verfällt.
Bei Orange erhält der Nutzer für 5 Franken nur 2 MB Inklusivvolumen, surft dafür aber auf dem mit vielen Inhalten gespickten Orange-WAP-Portal unlimitiert kostenfrei. Gleiches gilt für Abalon.
Die Abos eignen sich allerdings vorwiegend für die Nutzung des WAP-Internets, da bei den Datenmengen, die im richtigen Internet anfallen, das Inklusivvolumen schnell aufgebraucht wäre. Wer öfter im richtigen Internet surft, da für die benötigten Internetseiten kein WAP-Pendant angeboten wird, kann bei Sunrise für 20 Franken ein Freivolumen von 100 MB kaufen. Für Vielsurfer hingegen, die meist nicht mit dem Handy, sondern über eine Datenkarte im Notebook surfen, ist ein Datentarif anzuraten, der Datenvolumina von 2000 MB und mehr ab 50 Franken bietet.
Unübersichtlich und teuer wird der Internetzugang im Ausland, denn hier fällt nicht nur ein deutlicher Zuschlag des dortigen Roaming-Partners an, sondern die Grösse der Datenblöcke steigt ungünstigerweise auf 100 KB und mehr.

Wichtige WAP-Adressen
- Suchmaschine: http://mobile.google.de
- Auktionen: wap.ebay.de
- Fahrpläne: wap.sbb.ch
- Nachrichten, Wetter, Services: wap.swissinfo.org
- Routenplaner Europa: http://mobil.aral.de
- Preisvergleiche: wap.toppreise.ch

16. Mai 2007 | Andreas Grote


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