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Artikel | Haus & Garten 2/2007

Auf welchen Boden stehen Sie?

Teurere Bodenbeläge wie Parkett sind auf Dauer günstiger als billige Beläge. Entscheidend bei der Wahl des Bodens ist aber der künftige Verwendungszweck.

Auf welchen Boden stehen Sie?

Für Elvira Dzambazoska war schon seit Monaten klar: Der Teppich im Kinderzimmer muss raus. Einer ihrer beiden Buben hustete seit Monaten. Der Verdacht lag nahe, dass die Probleme mit den Atemwegen allergiebedingt waren. Kurzerhand riss sie den Teppich heraus. Ein Bekannter half ihr, einen Kunststoffboden aus dem Baumarkt zu verlegen. Dies war eine zweckmässige und günstige Lösung. Allerdings nur kurzfristig betrachtet.


Parkett hält gut doppelt so lange wie Laminat

Scheinbar teure Bodenbeläge sind nämlich auf Dauer günstiger als preiswerte. Denn die Lebensdauer der verschiedenen Bodenbeläge ist sehr unterschiedlich. Während die Branche bei Teppichböden je nach Qualität von einer Lebensdauer zwischen 5 und 15 Jahren ausgeht, überdauert ein Parkettbelag gut und gern 40 Jahre. Bei Laminaten hingegen wird die Lebensdauer auf 15 bis 20 Jahre geschätzt.

Die längere Lebensdauer des Parketts relativiert die höheren Ausgaben. Auf Basis der Totalinvestition pro Quadratmeter nach einem Zeitraum von 40 Jahren lassen sich für die verschiedenen Bodenbeläge folgende Kosten errechnen:
- Eichenparkett liegt - neu verlegt und versiegelt - mit 76 Franken im oberen Segment. Nach einer Lebensdauer von 40 Jahren sind es pro Quadratmeter 152 Franken. Lediglich zweimaliges Nachschleifen und Versiegeln schlagen zu Buche.
- Laminat, das bei der Neuanschaffung etwas günstiger ist als Parkett, kostet nach einem Zeitraum von 40 Jahren mehr: Wegen der geringeren Lebensdauer steigt der Quadratmeterpreis gesamthaft auf 180 Franken.


Teppiche sind im Vergleich am teuersten

- Auch Kunststoffbeläge und Teppiche sind im Langzeitvergleich teurer als Parkett. Bei Quadratmeterpreisen, die beim Verlegen nur leicht günstiger sind als Holzbeläge (rund 50 Franken), und einer deutlich kürzeren Lebensdauer übersteigen die Kosten in der Langzeitberechnung deutlich jene der Holzböden. Mehr als doppelt so teuer wie Parkett ist im 40-Jahre-Vergleich ein qualitativ guter Teppich, der beim Verlegen um die 100 Franken pro Quadratmeter kosten kann. Der Unterhalt und die geringe Lebensdauer ergeben nach 40 Jahren einen Quadratmeterpreis von weit über 300 Franken.

Für die Wahl eines Bodenbelags sollten aber nicht nur der Preis oder ein Modetrend den Ausschlag geben. Ebenso wichtig ist der Verwendungszweck. Beispielsweise bewähren sich Steinböden in Wohnungen mit Bodenheizungen, während sie in Räumen mit Radiatoren weniger geeignet sind.

Welcher Boden ist für welchen Zweck am besten geeignet? - Eine Faustregel gibt es nicht. Die Koordinationsstelle der Bau- und Liegenschaftsorgane des Bundes rät Käufern: «Wählen Sie die Bodenbeläge nicht nur nach ästhetischen und technischen Aspekten, sondern auch nach wirtschaftlichen und ökologischen Gesichtspunkten.»



Von Holz bis Stein: Vor- und Nachteile verschiedener Böden

Unabhängig von Modetrends sollten Sie bei einem Bodenbelag auf Folgendes achten: Er sollte schadstofffrei sein, strapazierfähig, schalldämmend, langlebig, lösungsmittel-, säure- und laugenfest. Und klären Sie ab, wie einfach er sich reinigen lässt.

- Holzbeläge
Gebräuchlich sind Dielen und Riemenböden (Tanne, Kiefer, Fichte), Pflaster (Klötze aus Eiche, Kiefer) und Parkett (Esche, Buche, Eiche). Zunehmend gefragt ist Fertigparkett (harte Massivholzschicht auf Furnier). Es ist auch als «Klick»-Version erhältlich. Somit benötigt man beim Verlegen fast keinen Leim mehr. Oft verwendet wird Klebeparkett (roh verlegtes, kleinformatiges Massivholzparkett).
Vorteile: Parkett ist fusswarm, antistatisch und elastisch.
Tipp: Einen Lösungsmittelarmen Dispersionkleber verwenden.
Behandlung: Oberfläche imprägnieren (etwa mit Leinöl), wachsen (aufwändiger, aber natürlicher für Holz) oder versiegeln (giftklassefreies Produkt verwenden). Reaktionslack und Lack auf Polyurethanbasis sind nicht empfehlenswert.

Vorsicht bei Arbeiten mit über 25 Jahre altem Parkett: Es enthält teilweise gesundheitsschädigende, bitumenhaltige Klebstoffe. Fachperson beiziehen!

- Laminat
Laminate sind Holzfaserplatten, deren Kunststoffbeschichtung dem Holzparkett oft verblüffend ähnlich sieht. Sie werden teils in länglichen Elementen aneinander gefügt. Laminat gibts - auch als Klick-Version - in unzähligen Varianten und Holzmustern.
Vorteil: Gutes Preis-LeistungsVerhältnis.
Nachteile: Hält max. 20 Jahre.
Laminatböden lassen sich weder ausbessern noch abschleifen.
Tipp: Vorsicht geboten ist in Räumen, in denen mit spitzen, harten oder metallenen Gegenständen hantiert wird. Das kann auf dem Laminat leicht Gebrauchsspuren hinterlassen.

- Textile Bodenbeläge
Textile Bodenbeläge bestehen aus Rohstoffen wie Kokosfasern, Ziegenhaar, Schurwolle und Erdöl. Sie enthalten aber häufig chemische Zusätze gegen Motten, Bakterien, schnelle Verschmutzung oder statische Aufladung.
Vorteile: Teppichböden sind wegen ihrer Behaglichkeit und der wärme- und trittschalldämmenden Eigenschaften beliebt.
Nachteile: Teppiche halten nur 5 bis 15 Jahre. Im Klebestoff auf der Unterseite hats oft Lösungsmittel, Weichmacher und andere chemische Zusatzstoffe.
Tipp: Aus ökologischen und gesundheitlichen Gründen sind textile Bodenbeläge aus Naturfasern ohne Schaumrücken und ohne chemische Zusätze vorzuziehen. Erkundigen Sie sich bei Teppichen mit Naturfasern (Kokos, Sisal, Wolle) nach «biozidfreien» Produkten.

- Stein, Keramik, Plättli
Natursteine, Keramik und Plättli (Fliesen) gehören in der Regel zu den umweltfreundlichen Bodenbelägen.
Vorteil: Stein ist einfach zu reinigen. Wegen der Wärmeleitfähigkeit sind solche Böden besonders in Räumen mit Bodenheizung beliebt.
Nachteile: Plättliböden und Natursteine fühlen sich je nach Heizsystem kalt an. Besonders Plättli sind bruchempfindlich.

- Elastische Böden
Das sind zum Beispiel Linoleum, PVC, Kork und Gummi.
Vorteile: Diese Bodenbeläge sind pflegeleicht, extrem strapazierfähig, antistatisch, trittsicher. Verschiedene Kunststoffbeläge sind zudem wetterfest, säure- und laugenbeständig. Linoleum gilt als robust und sehr langlebig.
Nachteile: Kunststoffbeläge aus PVC, Polyolefinen und Gummi enthalten teilweise die aus gesundheitlicher Sicht problematischen Weichmacher.
Tipp: Aus ökologischen und gesundheitlichen Aspekten sind «echte» Linoleumböden zu bevorzugen - auch gegenüber Kunststoffbelägen. Alternative: schadstoffarmer Kork - er muss je nach Verwendung versiegelt werden.

Vorsicht bei Arbeiten mit über 25 Jahre altem Kunststoffbodenbelag: Er kann asbesthaltige Rückschichten und Klebstoffe enthalten. Unbedingt Fachmann beiziehen!

09. Mai 2007 | OTTO HOSTETTLER


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