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«Videospiele schärfen den Blick», titelten viele Medien. Doch damit werden falsche Hoffnungen geweckt.
Wer täglich Action-Games am Computer spielt, schärft seine Augen», schrieb kürzlich die «Medical Tribune». Die Meldung wurde von diversen Medien aufgegriffen. Der Online-Dienst des deutschen Magazins «Focus» titelte etwa: «Videospiele schärfen den Blick.»
Hintergrund der Berichte ist eine Pressemitteilung der US-amerikanischen University of Rochester/New York. Dort testeten Forscher zwei Gruppen von Studenten. Die erste Gruppe musste während eines Monats eine Stunde pro Tag das Game «Unreal Tournament» spielen. Dieses Spiel mit verschiedenen Schusswaffen zeichnet sich durch hohes Tempo und schnell wechselnde Szenen aus. Die Spielwelt wird durch die Augen der Spielfigur wahrgenommen. Die zweite Gruppe spielte täglich das Spiel «Tetris», bei dem Bausteine puzzleartig zusammengefügt werden müssen.
Nach dem Game-Monat prüften die Wissenschafter, wie sich die visuelle Wahrnehmung der Studenten verändert hatte. Resultat: Die erste Gruppe verbesserte ihre visuelle Wahrnehmung (das Sehen) gegenüber den «Tetris»-Spielern um 20 Prozent. Das heisst: Ihre Reaktionszeit, bis sie ein visuelles Signal im Hirn als Bild erfassten, verbesserte sich. An ihrer Sehschärfe änderte sich jedoch nichts.
In den deutschen Medien wurden aber genau die Begriffe Sehen und Sehschärfe durcheinandergebracht. Die verbesserte geistige Wahrnehmung der Seheindrücke wurde in den Übersetzungen verwechselt mit der Sehschärfe. «Die visuelle Wahrnehmung ist beim Menschen nicht angeboren, sondern wird in den ersten Lebensjahren erlernt», so Raymond Wälti, Spezialist für Visual-Training in Thun BE. Das Sehen könne durch Übungen bis ins hohe Alter verbessert werden. Deshalb überrascht ihn das Resultat der Studie nicht: «Das Action-Game kann als eine Art Visualtraining angesehen werden», sagt er. Ein solches helfe zum Beispiel Sportlern oder Autofahrern zu kürzeren Reaktionszeiten.
Weniger positiv sieht Michael Thiel, Chefarzt der Augenklinik des Kantonsspitals Luzern, die Studienresultate: «Schlecht sehende Menschen werden wegen Action-Games sicher nicht besser sehen. Ob es ihnen etwas nützt, dass sie das Gesehene eine Millisekunde schneller wahrnehmen, kann ich nicht beurteilen.»
Bildschirmarbeit: Hornhaut kann sich entzünden
Fazit: Bestimmte Computerspiele können tatsächlich helfen, die Reaktionszeit zu verbessern. Aber: Zu häufiges Spielen schadet den Augen trotzdem. Vor dem Bildschirm sinkt nämlich die Blinzelfrequenz der Augen massiv - das gilt auch für alle anderen Arbeiten am Computer. Folge: Die Augen werden trocken, die Hornhaut kann sich entzünden. Im schlimmsten Fall kann das die Sehschärfe verschlechtern.
sch
02. Mai 2007
